Reisen - es bleibt spannend
Vor meiner heutigen Abfahrt, habe ich beim Abendessen einen chinesischen Studenten kennen gelernt, mit dem zu sprechen höchst interessant war.
Er spricht ausgesprochen gutes Englisch und es war mal möglich etwas konkreter über Dinge zu sprechen, die mich interessieren. Was denken die Menschen vom neuen China, wie gehen sie mit den Dingen um, die dem einfachen Touristen direkt ins Auge springen? Der Kontrast im Wirtschaftssystem, die Umweltverschmutzung, die Öffnung des Landes usw. Spannend war es seine Meinung zu hören und die tat er sehr offen kund, z.B. dass die Jugend, der intelligente Teil, schon gerne etwas ändern würde, dass sie dazu jedoch angesichts ihrer geringen Zahl (10%) kaum in der Lage ist. Letztlich werden sie weitestgehend von der Partei bzw. den Machthabern in Ruhe gelassen, sofern sie sich nicht allzu weit vom vorgegebenen Rahmen entfernen. Dennoch würden sie gerne eigene Vorstellungen verwirklichen, denn sie sehen, dass in China zu leben diverse Probleme mit sich bringt. Um China zu verändern benötigt man, seiner Meinung nach, die Bauern, etwa 700 Millionen, die allerdings nicht genügend gebildet sind, um konkret für oder gegen etwas zu sein. Ihnen fehlt es schlichtweg an Zeit sich zu informieren.
Er selbst kommt aus Datong, einer Stadt in der Kohleförderregion des Landes etwa 1/3 der Kohleförderung in China findet hier statt der Ruhrpott des Landes. Entsprechend verschmutzt ist es dort. Auf die Frage ob die Leute denn so gar nicht dagegen protestieren, entgegnet er, dass das nichts nützt, denn die Politiker sind eng verbandet mit der dortigen Wirtschaft. Die Wirtschaftsbosse sind die Brüder, Cousins, enge Verwandte allemal und haben wenig Interesse an Veränderungen. Die Menschen selbst sind erpressbar mit ihrem Arbeitsplatz, Peking wiederum interessieren nackte Zahlen zur Planerfüllung und so bleibt alles beim Alten.
Dummerweise habe ich durch dieses Gespräch den Schwierigkeitsgrad beim Bahnreisen etwas erhöht, sprich die Zeit bis zur Abfahrt etwas aus den Augen verloren. Na, kein Problem eigentlich, ist doch Xian viel kleiner als Peking und etwas über eine Stunde dürfte ja reichen.
Tja, die tagsüber herumfahrenden Taxen waren angesichts des üblen Gewitters plötzlich wirklich alle im Einsatz Prügelszenen um die letzten verfügbaren Taxen. Nach einer halben Stunde im strömenden Regen der Praxistest für mein wasserdichtes Gepäck erwies sich als ausreichend dann doch Bus. Beklagenswerter Weise habe ich den Hinweis meines Reiseführers missachtet und bei der Frage nach der richtigen Bushaltestelle versäumt zunaechst eine repräsentative Umfrage zu starten und mich auf eine einzelne Aussage verlassen. Ich stand an der falschen Haltestelle, der Bus hielt 50 Meter weiter. So verpasste ich den ersten Bus, was mich zeitlich noch weiter zurückwarf. Auf zur richtigen Haltestelle, im Kopf läuft schon Plan B eine Nacht im Horror-Hotel vom Montag!
Da endlich taucht der richtige Bus auf noch 30 Minuten!
In meiner Panik vergesse ich zu zahlen oder besser: ich weiß nicht wo! Ich frage wild im Bus herum ob jemand Englisch spricht um die Zeit zum Bahnhof zu erfragen dumme Frage! Also Bahnfahrkarte herumzeigen und mit Fingern gestisch Busstationen zählen, ein Fragegesicht aufsetzen und auf Antwort hoffen wie viele Stationen es zum Bahnhof sind. Daraufhin erhalte ich diesmal eine durchaus repräsentative, weil einhellige Antwort, dass das Ticket für den Zug nach Chongqing ausgestellt ist nicht ganz die erhoffte Anwort - arrggrrrhhh!
Schließlich ein Chinese, der gut englisch spricht: Es sei nicht mehr allzu weit, aber es würde knapp abhängig vom Verkehr. Nach 10 Minuten die erlösende Aussage, dass es nicht mehr weit sei und ich es schon schaffen würde. Inzwischen ist der ganze Bus am Zittern schafft er es? Viele Menschen wünschen mir viel Glück. Es hätte mich nicht gewundert, wenn alle bei der Ankunft am Bahnhof ein Spalier gebildet und dazu rhythmisch geklatscht hätten. Lola rennt!
Im Bahnhof dann eine weitere Schwierigkeitsstufe: Heute mal ganz ohne arabische Zahlen alles auf chinesisch! Hübsche Sache, aber warum gerade heute?! Wo ist der verdammte Bahnsteig? Das Gepäck ist inzwischen durch die Kontrolle ein Flughafen-Röntgen-Gerät wahrscheinlich günstig erstanden, weil sowieso defekt. Noch 8 Minuten.
Nach verzweifeltem Ticket-möglichst-Allen zeigen (Umfrage und so) endlich der per Mehrheitsbeschluss ausgewählte und sogar richtige Bahnsteig und? VERSPÄTUNG!!!!
Mein Schutzengel ist vorgeflogen und hat den Zug aufgehalten. Nun, langsam wie ich war, nicht weiter schwierig Manchmal sollte man nicht nur nicht schneller als der Glücksengel, sondern langsamer als er sein.
Heute also sowohl durchgeschwitzt als auch durchgeregnet ins Eisfach.
Aber dafür mit Decke und Bett. In der ersten Klasse dieselben Erfahrungen wie auch schon auf der Fahrt zuvor. Durchweg nette Menschen als Begrüßung ein Joghurt von meinen Abteilgenossen, von denen einer auf seinem Notebook Ballerspiele spielt und die anderen beiden Fernsehen, denn jeder hat seinen kleinen Monitor mit allen chinesischen Programmen. Auf meiner Suche nach einem Bier im Zug und der Nachfrage bei der Schaffnerin die Aussage gibt es in diesem Zug nicht, aber sie hätte eines dabei. Gut, denke ich, kleine Geschäftemacherin, aber sie lehnt vehement ab, dass ich bezahle. Ich bin mal wieder baff und es erübrigt sich das Fazit von der letzten Zugfahrt zu wiederholen.
Nach einer angenehmen, durchgeschlafenen Nacht dann die gestern Abend schon vermisste Nudelsuppen-Rallye. Aber doch nicht vor 8!
Vorbei zieht eine idyllische Berg- und Hügellandschaft, die man sogar sehen kann, denn hier scheint die Sonne und der Dunst der letzten eineinhalb Wochen hat sich verflüchtigt. Das Klima ändert sich in Richtung tropisch/subtropisch. Jeder noch so kleine Fleck ist mit Reisfeldern bedeckt. Die Reiskammer des Landes. Der Bahndamm ist über lange Strecken mit Oleanderbüschen in weiß und rosa bewachsen. Dazwischen ranken Kürbispflanzen, die gelb blühen.
Chongqing ist eine Mega-Metropole. 31 Millionen Einwohner quetschen sich in Beton-Hochhaussilos, die an den Hängen rechts und links vom Gelben Fluss kleben. Kaum zu überschauen. Es wird also noch XXLer. Viele kleine, schwarzhäuptige Helferlein weisen mir mehrfach den Weg, geleiten mich zum Taxistand, erfragen für mich telefonisch den genauen Standort des Hotels und bringen mich dann auch dorthin. Allein hätte ich es auch nicht gefunden, denn hier fehlt die englische Beschriftung vollständig. Schönes, sauberes Hotel europäischer Standard für 14 Euro. Wer sagts denn. Alles wird gut.
Er spricht ausgesprochen gutes Englisch und es war mal möglich etwas konkreter über Dinge zu sprechen, die mich interessieren. Was denken die Menschen vom neuen China, wie gehen sie mit den Dingen um, die dem einfachen Touristen direkt ins Auge springen? Der Kontrast im Wirtschaftssystem, die Umweltverschmutzung, die Öffnung des Landes usw. Spannend war es seine Meinung zu hören und die tat er sehr offen kund, z.B. dass die Jugend, der intelligente Teil, schon gerne etwas ändern würde, dass sie dazu jedoch angesichts ihrer geringen Zahl (10%) kaum in der Lage ist. Letztlich werden sie weitestgehend von der Partei bzw. den Machthabern in Ruhe gelassen, sofern sie sich nicht allzu weit vom vorgegebenen Rahmen entfernen. Dennoch würden sie gerne eigene Vorstellungen verwirklichen, denn sie sehen, dass in China zu leben diverse Probleme mit sich bringt. Um China zu verändern benötigt man, seiner Meinung nach, die Bauern, etwa 700 Millionen, die allerdings nicht genügend gebildet sind, um konkret für oder gegen etwas zu sein. Ihnen fehlt es schlichtweg an Zeit sich zu informieren.
Er selbst kommt aus Datong, einer Stadt in der Kohleförderregion des Landes etwa 1/3 der Kohleförderung in China findet hier statt der Ruhrpott des Landes. Entsprechend verschmutzt ist es dort. Auf die Frage ob die Leute denn so gar nicht dagegen protestieren, entgegnet er, dass das nichts nützt, denn die Politiker sind eng verbandet mit der dortigen Wirtschaft. Die Wirtschaftsbosse sind die Brüder, Cousins, enge Verwandte allemal und haben wenig Interesse an Veränderungen. Die Menschen selbst sind erpressbar mit ihrem Arbeitsplatz, Peking wiederum interessieren nackte Zahlen zur Planerfüllung und so bleibt alles beim Alten.
Dummerweise habe ich durch dieses Gespräch den Schwierigkeitsgrad beim Bahnreisen etwas erhöht, sprich die Zeit bis zur Abfahrt etwas aus den Augen verloren. Na, kein Problem eigentlich, ist doch Xian viel kleiner als Peking und etwas über eine Stunde dürfte ja reichen.
Tja, die tagsüber herumfahrenden Taxen waren angesichts des üblen Gewitters plötzlich wirklich alle im Einsatz Prügelszenen um die letzten verfügbaren Taxen. Nach einer halben Stunde im strömenden Regen der Praxistest für mein wasserdichtes Gepäck erwies sich als ausreichend dann doch Bus. Beklagenswerter Weise habe ich den Hinweis meines Reiseführers missachtet und bei der Frage nach der richtigen Bushaltestelle versäumt zunaechst eine repräsentative Umfrage zu starten und mich auf eine einzelne Aussage verlassen. Ich stand an der falschen Haltestelle, der Bus hielt 50 Meter weiter. So verpasste ich den ersten Bus, was mich zeitlich noch weiter zurückwarf. Auf zur richtigen Haltestelle, im Kopf läuft schon Plan B eine Nacht im Horror-Hotel vom Montag!
Da endlich taucht der richtige Bus auf noch 30 Minuten!
In meiner Panik vergesse ich zu zahlen oder besser: ich weiß nicht wo! Ich frage wild im Bus herum ob jemand Englisch spricht um die Zeit zum Bahnhof zu erfragen dumme Frage! Also Bahnfahrkarte herumzeigen und mit Fingern gestisch Busstationen zählen, ein Fragegesicht aufsetzen und auf Antwort hoffen wie viele Stationen es zum Bahnhof sind. Daraufhin erhalte ich diesmal eine durchaus repräsentative, weil einhellige Antwort, dass das Ticket für den Zug nach Chongqing ausgestellt ist nicht ganz die erhoffte Anwort - arrggrrrhhh!
Schließlich ein Chinese, der gut englisch spricht: Es sei nicht mehr allzu weit, aber es würde knapp abhängig vom Verkehr. Nach 10 Minuten die erlösende Aussage, dass es nicht mehr weit sei und ich es schon schaffen würde. Inzwischen ist der ganze Bus am Zittern schafft er es? Viele Menschen wünschen mir viel Glück. Es hätte mich nicht gewundert, wenn alle bei der Ankunft am Bahnhof ein Spalier gebildet und dazu rhythmisch geklatscht hätten. Lola rennt!
Im Bahnhof dann eine weitere Schwierigkeitsstufe: Heute mal ganz ohne arabische Zahlen alles auf chinesisch! Hübsche Sache, aber warum gerade heute?! Wo ist der verdammte Bahnsteig? Das Gepäck ist inzwischen durch die Kontrolle ein Flughafen-Röntgen-Gerät wahrscheinlich günstig erstanden, weil sowieso defekt. Noch 8 Minuten.
Nach verzweifeltem Ticket-möglichst-Allen zeigen (Umfrage und so) endlich der per Mehrheitsbeschluss ausgewählte und sogar richtige Bahnsteig und? VERSPÄTUNG!!!!
Mein Schutzengel ist vorgeflogen und hat den Zug aufgehalten. Nun, langsam wie ich war, nicht weiter schwierig Manchmal sollte man nicht nur nicht schneller als der Glücksengel, sondern langsamer als er sein.
Heute also sowohl durchgeschwitzt als auch durchgeregnet ins Eisfach.
Aber dafür mit Decke und Bett. In der ersten Klasse dieselben Erfahrungen wie auch schon auf der Fahrt zuvor. Durchweg nette Menschen als Begrüßung ein Joghurt von meinen Abteilgenossen, von denen einer auf seinem Notebook Ballerspiele spielt und die anderen beiden Fernsehen, denn jeder hat seinen kleinen Monitor mit allen chinesischen Programmen. Auf meiner Suche nach einem Bier im Zug und der Nachfrage bei der Schaffnerin die Aussage gibt es in diesem Zug nicht, aber sie hätte eines dabei. Gut, denke ich, kleine Geschäftemacherin, aber sie lehnt vehement ab, dass ich bezahle. Ich bin mal wieder baff und es erübrigt sich das Fazit von der letzten Zugfahrt zu wiederholen.
Nach einer angenehmen, durchgeschlafenen Nacht dann die gestern Abend schon vermisste Nudelsuppen-Rallye. Aber doch nicht vor 8!
Vorbei zieht eine idyllische Berg- und Hügellandschaft, die man sogar sehen kann, denn hier scheint die Sonne und der Dunst der letzten eineinhalb Wochen hat sich verflüchtigt. Das Klima ändert sich in Richtung tropisch/subtropisch. Jeder noch so kleine Fleck ist mit Reisfeldern bedeckt. Die Reiskammer des Landes. Der Bahndamm ist über lange Strecken mit Oleanderbüschen in weiß und rosa bewachsen. Dazwischen ranken Kürbispflanzen, die gelb blühen.
Chongqing ist eine Mega-Metropole. 31 Millionen Einwohner quetschen sich in Beton-Hochhaussilos, die an den Hängen rechts und links vom Gelben Fluss kleben. Kaum zu überschauen. Es wird also noch XXLer. Viele kleine, schwarzhäuptige Helferlein weisen mir mehrfach den Weg, geleiten mich zum Taxistand, erfragen für mich telefonisch den genauen Standort des Hotels und bringen mich dann auch dorthin. Allein hätte ich es auch nicht gefunden, denn hier fehlt die englische Beschriftung vollständig. Schönes, sauberes Hotel europäischer Standard für 14 Euro. Wer sagts denn. Alles wird gut.
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