Shopping

Was wäre ein Chinabesuch ohne Einkäufe. Dummerweise habe ich mein Budget, welches eigentlich nicht zu knapp bemessen ist, schwerst gesprengt. Das Land der Kopisten ist auch das Land der Herstellung der Originale. Vieles, nicht alles, was in Europa in den Kaufhäusern kaufbar ist, gibt es hier ebenfalls zu kaufen. Zunächst zu identischen Preisen, die aber mit etwas Verhandlungsgeschick massiv bröckeln auf einen Bruchteil der von uns sonst zu bezahlenden Preise. Beispiel: ein (ich denke mal) Original-Tommy-Hilfinger-Hemd, startet als Preisvorschlag bei 500 Yuan, also 50 Euro und reduziert sich dann auf 50 Yuan. Ich denke, dass ich damit noch etwa das Fünffache dessen bezahlt habe, was angemessen wäre. Aber es ist, im Gegensatz zu den Bangkok-Hemden wirklich gute Qualität. Ich werde es erneut versuchen und dann noch weiter drücken. Für heute war das hier mein erster Versuch. Die Höflichkeit (was wir in Europa darunter verstehen) gebietet eigentlich, dass man nicht zu weit unten anfängt, aber das gehört hier zum Spiel.
Erstes Angebot meinerseits (Fehler, zu hoch!) - ein erboster und beleidigt dreinschauender Verkäufer – abwenden mit böser Miene – Verkäuferangebot –weggehen – festgehalten – Aufforderung neues Angebot - sauertöpfisch dreinschauender Verkäufer – Weggehen - Festhalten usw. - schließlich ein Ja oder Nein. Danach ist alles vergessen, man lacht, man scherzt und man wird als hammerharter Händler gepriesen, wobei der chinesische Verkäufer sich abends mit seinen Freunden garantiert über die vollständig bekloppten Touristen amüsiert, die solch astronomische Summe für ein einfaches Hemd bezahlen!
Mindestens einmal im Jahr gibt es hier eine Fernsehsendung, in der alle möglichen Peinlichkeiten der „Hinterbarbaren“ gezeigt werden. Dort kann man dann französische Studentinnen eine Opernarie krähen hören, pummlige Amerikanerinnen beim Seidenband-Tanz zusehen und tollpatschige Deutsche beobachten, die sich beim Kung-Fu mühen sich möglichst wenige Knochen zu brechen. Diese Sendung hat die höchsten Einschaltquoten.

Shopping, die zweite, oder wie kaufe ich Medikamente?
Zum Budget. Jedes Medikament liegt weit unter der in Deutschland üblichen Zuzahlungspflicht!
Nur, welches soll ich nehmen?
Problem 1: Die Beipackzettel sind auf Chinesisch!
Problem 2: Die Angestellten in der Apotheke sprechen überhaupt kein Englisch!
Also viel „Vor“-Husten, worauf zwei der Angestellten ihre Atemschutzmaske hervorzerren, gequältes Gesicht machen und gleichzeitig auf Kopf, Lunge, Hals und Nase zeigen. Dabei weiterhin wild husten, Nase schnauben und furchtbar gequält dreinschauen. Das Lächeln der Verkäuferinnen erstarrt allmählich und es werden schnellstmöglich alle möglichen Medikamente präsentiert – und es gibt Unmengen – damit man nicht durch die Barbaren-Virenschleuder selbst angesteckt wird..
So halb geht es dann nach Versuch und Irrtum, so halb mithilfe von Gestik. Die Hotelangestellte hat mir schließlich die Beipackzettel übersetzt und jetzt fühle ich mich einigermaßen sicher.
Auch die Apothekerinnen werden heute einen vergnüglichen Abend beim Erzählen ihrer Erfahrungen mit einem deutschen Touristen haben...

Kommentare

Anonym hat gesagt…
deine Geshichten vom Markt kenne ich aus Singapur, wo ich in Chinatown shoppen war. lang, lang ist´s her. Es kommt mir soooo bekannt vor & ich hätte dir das erzählt, wenn .... Aber dann könntest du nicht deine Geschichte erzählen. Danke dir für deine Beschreibungen und bei der Apotheke musste ich schmunzeln. Schön, dass es dich gibt.
Bei mir gibt es - abgesehen von dem neuen ... - nichts aufregendes.
liebe Grüße, deine "Schlampe"

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