Vom Fahrradfahren und Verkehr
Das Fahrradfahren ist sicherlich eines von den spannenderen Angelegenheiten in dieser Stadt, denn eines ist sicher NICHTS! Nichts was man erwartet erfüllt sich dafür geschehen Dinge, die man nie erwartet hätte. Der heutige Tag war daher geprägt vom Straßenverkehr in all seinen Facetten. Tabu ist die in Deutschland üblich Konzentration auf die Spur vor einem, notwendig ist vielmehr der 180 Grad erfassende Streublick, der gleichzeitig alle sich bewegenen Teilchen und alle sich auftuenden Lücken einem Radarschirm ähnlich im Blick behält und so traumwandlerischen Slalom durch den Blech-Gletscher ermöglicht.
So an die 30 Kilometer habe ich wohl zurück gelegt und dabei ein übles Kratzen in der Kehle und ein Augenbrennen ausgemacht also doch Umweltverschmutzung! Wer sich seine Gesundheit verderben möchte, der fahre nächstes Jahr zu den Olympischen Spielen und nehme an diesen aktiv teil! Ich möchte den Marathonläufer sehen, der unbeschadet durchs Ziel läuft. Wahrscheinlich wird die Anzahl der aktiven Marathonläufer infolge der Olympischen Spiele 2008 rapide abnehmen!
Die China Mail berichtet heute, dass man den letzten Sommer von dem Großereignis dazu nutzen wird Raketen in den Himmel zu schießen, um den Regen, der für diese Jahreszeit nicht unüblich ist, zu verhindern. Da der benannte Regen derzeit hier nicht stattfindet, stellt sich mir die Frage, ob es da nicht sinnvoller wäre die Rauchgasschwaden mithilfe irgendeiner Technik zu beseitigen.
Den Straßenverkehr zu beschreiben erspare ich mir persönlich. Anstelle dessen möchte ich aus einem alternativen Reiseführer, den ich einer geschätzten Kollegin verdanke, zitieren.
Wie man in China eine Straße überquert:
Chinas Autofahrer lernen das Fahren nicht auf den Straßen der Städte, sondern auf eigens angelegten Übungsplätzen weit außerhalb. Alles andere wäre zu gefährlich. Für die Fahrlehrer.
Wenn der Augenschein nicht trügt, arbeiten die Fahrschulen auf der Basis neuesten Lehrmaterials aus Rom und Mogadischu unter Herausarbeitung chinesischer Besonderheiten (Beispiel: Scheinwerfer an Bussen und ähnlichem Großgefährt über 7,5 Tonnen sind dazu da, pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit ausgeschaltet zu werden). Trainiert werden folgende Disziplinen:
Rechts einordnen, um links abzubiegen; links einordnen, um rechts abzubiegen; gar nicht einordnen und trotzdem abbiegen.
Alsdann das einfache Rechts-Überholen; das Rechts-Überholen unter Einbeziehen der Fahrradspur; sowie das Profi-Rechts-Überholen (hier darf die Zahl der dabei überrollten Fahrradfahrer an sonnigen Tagen nicht mehr als zwei übersteigen, die Ausnahmeregelungen für Regentage sind in den zuständigen Ämtern einzusehen).
Schließlich als Zugeständnis an die chinesische Lust zur Zusammenrottung das Freestyle-Kreuzen an zentralen Knotenpunkten mit anschließendem engstmöglichen Ineinander-Verwickeln unter besonderer Missachtung aller Regeln der Logik und des Eigeninteresses.
Sonderpunkte sowie eine lobende Erwähnung in den Sportteilen der Zeitungen gibt es in Peking für das Generieren eines Staus nach Mitternacht, eine populäre Übung für Fortgeschrittene, wozu in der Regel nicht mehr als zwei sich auf einer leeren Kreuzung aufeinander zubewegende Fahrzeuge benötigt werden: Die beiden bilden den Keim, an den nachfolgende Wagen dann andocken.
Chinas Verkehr bedeutet purer Darwinismus jedes Jahr sterben rund 100.000 Menschen im Straßenverkehr Weltrekord!
Ganz unten durch den Dschungel der Straßen schleicht der greise Rückwärtsgänger mit Transistorradio im Ohr: leichte Beute. Es folgen in aufsteigender Reihe: Der gemeine Vorwärtsgänger, eine erstaunlich robuste Spezies, die sich in ihrem Migrationsverhalten weder von Ampeln, Zäunen noch heranrollenden Wagen beirren lässt und letztlich durch Masse behauptet; ferner das eine oder andere überlebende Exemplar des in grauer Urzeit die Savannen Pekings bevölkernden Radlers; sodann der von frustrierten Polizisten gern gejagte, weil nicht sehr wendige, Dreiradfahrer. Eine Stufe darüber bewegen sich a) der Auto fahrende Jungstolz sowie b) der hinter dunklen Scheiben schwebende Mercedes-Mandarin.
Und das ist NICHT übertrieben!
Gruß J
So an die 30 Kilometer habe ich wohl zurück gelegt und dabei ein übles Kratzen in der Kehle und ein Augenbrennen ausgemacht also doch Umweltverschmutzung! Wer sich seine Gesundheit verderben möchte, der fahre nächstes Jahr zu den Olympischen Spielen und nehme an diesen aktiv teil! Ich möchte den Marathonläufer sehen, der unbeschadet durchs Ziel läuft. Wahrscheinlich wird die Anzahl der aktiven Marathonläufer infolge der Olympischen Spiele 2008 rapide abnehmen!
Die China Mail berichtet heute, dass man den letzten Sommer von dem Großereignis dazu nutzen wird Raketen in den Himmel zu schießen, um den Regen, der für diese Jahreszeit nicht unüblich ist, zu verhindern. Da der benannte Regen derzeit hier nicht stattfindet, stellt sich mir die Frage, ob es da nicht sinnvoller wäre die Rauchgasschwaden mithilfe irgendeiner Technik zu beseitigen.
Den Straßenverkehr zu beschreiben erspare ich mir persönlich. Anstelle dessen möchte ich aus einem alternativen Reiseführer, den ich einer geschätzten Kollegin verdanke, zitieren.
Wie man in China eine Straße überquert:
Chinas Autofahrer lernen das Fahren nicht auf den Straßen der Städte, sondern auf eigens angelegten Übungsplätzen weit außerhalb. Alles andere wäre zu gefährlich. Für die Fahrlehrer.
Wenn der Augenschein nicht trügt, arbeiten die Fahrschulen auf der Basis neuesten Lehrmaterials aus Rom und Mogadischu unter Herausarbeitung chinesischer Besonderheiten (Beispiel: Scheinwerfer an Bussen und ähnlichem Großgefährt über 7,5 Tonnen sind dazu da, pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit ausgeschaltet zu werden). Trainiert werden folgende Disziplinen:
Rechts einordnen, um links abzubiegen; links einordnen, um rechts abzubiegen; gar nicht einordnen und trotzdem abbiegen.
Alsdann das einfache Rechts-Überholen; das Rechts-Überholen unter Einbeziehen der Fahrradspur; sowie das Profi-Rechts-Überholen (hier darf die Zahl der dabei überrollten Fahrradfahrer an sonnigen Tagen nicht mehr als zwei übersteigen, die Ausnahmeregelungen für Regentage sind in den zuständigen Ämtern einzusehen).
Schließlich als Zugeständnis an die chinesische Lust zur Zusammenrottung das Freestyle-Kreuzen an zentralen Knotenpunkten mit anschließendem engstmöglichen Ineinander-Verwickeln unter besonderer Missachtung aller Regeln der Logik und des Eigeninteresses.
Sonderpunkte sowie eine lobende Erwähnung in den Sportteilen der Zeitungen gibt es in Peking für das Generieren eines Staus nach Mitternacht, eine populäre Übung für Fortgeschrittene, wozu in der Regel nicht mehr als zwei sich auf einer leeren Kreuzung aufeinander zubewegende Fahrzeuge benötigt werden: Die beiden bilden den Keim, an den nachfolgende Wagen dann andocken.
Chinas Verkehr bedeutet purer Darwinismus jedes Jahr sterben rund 100.000 Menschen im Straßenverkehr Weltrekord!
Ganz unten durch den Dschungel der Straßen schleicht der greise Rückwärtsgänger mit Transistorradio im Ohr: leichte Beute. Es folgen in aufsteigender Reihe: Der gemeine Vorwärtsgänger, eine erstaunlich robuste Spezies, die sich in ihrem Migrationsverhalten weder von Ampeln, Zäunen noch heranrollenden Wagen beirren lässt und letztlich durch Masse behauptet; ferner das eine oder andere überlebende Exemplar des in grauer Urzeit die Savannen Pekings bevölkernden Radlers; sodann der von frustrierten Polizisten gern gejagte, weil nicht sehr wendige, Dreiradfahrer. Eine Stufe darüber bewegen sich a) der Auto fahrende Jungstolz sowie b) der hinter dunklen Scheiben schwebende Mercedes-Mandarin.
Und das ist NICHT übertrieben!
Gruß J
Kommentare
Ich habe unlängst gelesen, dass zwei Monate vor Beginn der Spiele 2008 alle emissionsabgebenden Fabriken im Umkreis von 100km ihren Betrieb einstellen, um eine Woche nach Beendigung der Spiele wieder ihren Betrieb aufzunehmen. Was man nicht alles tut, um vor der Weltöffentlichkeit in einem guten Licht (und in guter Luft) dazustehen. Mal ganz zu Schweigen von den gezüchteten chinesischen Sportlern und Sportlerinnen (hoffentlich wird dieser Beitrag von der chinesischen Zensur nicht kassiert). Apropos, merkt man Einschränkungen bei der Benutzung des Internets? Kannst du auch gayromeo aufrufen? :-)
Gruß
Jan Ole