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Es werden Posts vom August, 2007 angezeigt.

Reisterassen und Konkubinen

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In meinem Zimmer in den hier üblichen Holzhäusern zieht es gewaltig. Die Häuser sind hier im Wesentlichen identisch aufgebaut. Auf der ebenerdigen Etage wird das Vieh untergebracht, im ersten Stock wird gewohnt und im zweiten Stock werden die Vorräte gelagert. In meinem umgebauten Guesthaus wohne ich im ersten Stock – alles was im Haus sonst so geschieht wird direkt über die Dielen im gesamten Haus verteilt – sprich auch in mein Zimmer. Man hört den Wok in der Küche, die Gäste unten im Restaurant und die „akrobatischen Übungen“ des Paares im Nachbarzimmer. Am Besten geht man hier zur gleichzeitig ins Bett, sonst bleibt man sowieso wach. Zum Glück ist das sehr früh. Da hier nichts dicht ist, verwende ich einen kleinen elektrischen Moskitotöter. Während ich so da liege, nähern sie sich, straucheln und fallen in letzter Sekunde zu Boden. Ganz traue ich dem Frieden jedoch nicht und baue des nächtens noch mein Moskitonetz auf. Nun mit offenen Fenstern in der lauten, aber angenehm frischen B...

Kerben im Berg...

…und im Gewissen. Ganz tiefe sogar. Auf dem Weg ins Bergdorf Pi’an (oder Pingan) in der Longsheng-Gegend, etwa 3 Busstunden nördlich von Yangshuo, muss das letzte Stück (etwa eineinhalb Kilometer) zu Fuß zurückgelegt werden, da Autos oder gar Busse dort nicht hinfahren können. Uff, Anstrengungen wollte ich mir doch für das Jahr ersparen bzw. gerecht verteilen. Hilfe naht in Form einer Lastenträgerin, die, gegen Bezahlung natürlich, ihre Dienste anbietet. Aber sie ist mindestens 60! Und das Gewicht meines Rucksacks liegt bei etwa 23 kg. Der Blick wechselt zwischen Aufstieg und der alten Dame. Unwillig registriere ich, dass nicht nur Straße hinaufführt, sondern auch jede Menge Treppenstufen. Die Dame will aber unbedingt und bedrängt mich so dermaßen ihr das Gepäck in ihre Korbkiepe zu legen, dass der Widerwille meiner Beine über mein Gewissen siegt (wenn sie doch so sehr drängelt!) Meine Zusage bereue ich umgehend, bilde ich mir doch ein, dass die anderen westlichen Touristen mich mit bö...

Bergsteigen

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Die Anwesenheit meiner Kanzlerin wird hier täglich als Hauptmeldung und in den Nachrichten gebracht. Dabei schaut die immer so grimmig. Naja, sie muss ja auch mal wieder ein wenig schimpfen. Böse Chinesen. Hab ihr vorhin eine SMS geschickt, sie möge doch mal lächeln. Was sollen die Leute denken? Der Morgen beginnt vollständig verregnet, schöne Entschuldigung für Faulsein und Lesen. Gegen 13.00 Uhr kommt jedoch die Sonne heraus und es wird ein wunderschöner Tag für eine Fahrradtour. Dieses Mal in südlicher Richtung durch mehrere verlassene Täler, vorbei an den üblichen Reisfeldern und hin zu einem Berg, dem so genannten Moonhill. Einem Berg, der oben auf der Spitze ein Loch hat. Als wäre es reingefräst, aber es handelt sich tatsächlich um eine natürliche Erosion. Zwar handelt es sich einfach nur um einen Berg, aber Eintritt ist, wie so oft in China zu bezahlen. 1,40 € und dazu 10 Cent um das Fahrrad zu parken. Endlich kann ich meine Marotte wieder ausleben – wann immer ich Stufen sehe, ...

Gefahren

Ich schaue fern, Nachrichten, und der Sprecher berichtet von einem neuerlichen Ausbruch der Vogelgrippe in Süddeutschland. Uiiih, Deutschland scheint ein gefährliches Land zu sein – da sollte ich besser nicht hinfahren! Halt, irgendwas ist hier verkehrt, was war das noch? Moooooment! Muss das nicht anders heißen? Ausbruch der Vogelgrippe in Südchina oder so? Der Nachrichtensprecher spricht kein deutsch, sondern englisch und ja, ich habe richtig gehört, und ja, ich bin in China und höre von einer schlimmen Epidemie in Deutschland. Verkehrte Welt. Welch herrlicher Witz doch in einer Nachricht stecken kann! Europa, der Kontinent mit den vielen Gefahren. Waldbrände und nun auch noch Geflügelpest. Wahrscheinlich wird dort auch noch vergiftetes Spielzeug verkauft. Da bin ich doch froh hier zu sein und entscheide mich nun doch den Heißluftballon zu buchen. Etwas überteuert, aber in dieser Landschaft sicherlich ein tolles Erlebnis. Bisher hatte ich ja ob der Sicherheitsfragen gezögert, aber wa...

Gedenkminute...

... fuer meine heute in die Schule zurueckgekehrten Kollegen:........................................................................... ........................................................................................... ........................................................................................... ........................................................................................... ........................................................................................... ........................................................................................... ........................................................................................... ........................................................................................... ........................................................................................... ...........................................................................................

Unterrichten

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Meine Spaziergänge entlang des Flussufers bleiben nicht unbemerkt und kleinere Grüppchen von Chinesen oder Chinesinnen streunen in meiner Nähe herum. Meine Erfahrungen besagen, dass es immer irgendwie ums Verkaufen geht. Also halte ich mich zurück Weise in Kontakt zu treten. Zwei junge Chinesinnen nähern sich und sprechen mich an. Zu verkaufen haben sie nichts…. Hmmm, hübsch sehen sie aus….. Mir schwant fuerchterliches….. FLUCHT! Dreißig Meter weiter ein erneuter Annäherungsversuch, dieses Mal von zwei Chinesen. Nicht hübsch, auch ohne etwas zu verkaufen. Also lasse ich mich auf ein Gespräch ein. Reiseführer, die ihre Dienste anbieten, um mir die Gegend zu zeigen. Keine Lust, denn ich kann ganz gut alleine die Gegend erkunden. Wieder zurück, die Chinesinnen von vorhin. Und dieses Mal bin ich weniger misstrauisch. Berechtigt: sie wollen einfach nur englisch sprechen. Was macht man, wenn man kein Geld für englische Muttersprachler hat, aber als Staat dennoch will, dass möglichst viele Ch...

Milchzähne

In einer längst vergangenen und vergessenen Zeit, vor zigtausenden von Jahren, flog eine Armada Jungdrachen, von ihren Eltern verstoßen, über das heutige China auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Im Süden, nicht weit von Ghuangzhou bei Guilin verloren alle Drachen auf einmal – mitten im Flug – ihre Milchzähne. Diese fielen auf die Erde und stecken seither, merkwürdigerweise genau so herum wie im Gebiss üblich, in den Reisfeldern Südchinas. Die Drachen mögen immer noch suchen oder mittlerweile gestorben sein (weiß ich wie lange so ein Tier lebt?), ihre Zähne jedoch sind nach wie vor zu sehen: in Yangshuo! Würde man mich darum bitten, eine Entstehungsgeschichte zur Landschaft in und um Guilin zu schreiben, sie begönne so. Eine normale Geschichte würde dieser sagenhaften Landschaft nicht annähernd gerecht. Der Ausdruck: „es verschlägt einem den Atem“ wird hier mit Leben gefüllt. Sämtliche Asthmamittel der Welt versagen bei diesem Anblick: der Li-Fluss windet sich durch unzaehlbare Ka...

Ticketkauf

Nachdem ich mich von den Reisebüros häufig verscheißert gefühlt habe –bis zu 30% Aufschlag auf den Ticketpreis für die Bahn und nachdem ich meinem Reiseführer hinsichtlich der Kompliziertheit Chinas auch nicht mehr traue, habe ich heute mein erstes Zugticket selbst erstanden. Tarah! Das war eigentlich gar nicht schwer. Im Reiseführer auf den Ort zeigen, Ticketschalter gezeigt bekommen, anstellen, kurz warten, fertig! Dumm nur, dass ich heute morgen vergessen habe Geld abzuheben! Also auf die Suche nach einem Automaten, die eigentlich breit gestreut sind, aber, logo!, gerade hier nicht. Es folgen etwa 45 Minuten Suche mit 4x durchgeschwitzt sein. Zurück zum Bahnhof, wieder in die Schlange und 20 Minuten warten. Mist, als ich Dritter in der Schlange bin, geht der Vorhang zu und es endet der Ticketverkauf – zumindest an diesem Schalter. Neu anstellen – doppelt so lange Schlange. Aber schließlich klappt es und ich habe mein Ticket. Sogar noch für heute. Nun sitze, besser liege ich im Zug u...

Wechselbad

Es ist schon eine Last, wenn man der Sprache nicht mächtig ist. Aber mir erscheint es schier unmöglich diese zu lernen. Es wimmelt von Sch’s in allen Varianten. Noch nicht einmal die Zahlen schaffe ich. Und damit bleibt man in vielerlei Hinsicht kontaktlos. Es ist nicht so schwer etwas zu organisieren, wenn man einen Reiseführer und einen Sinn für Gestik hat, aber sobald es Richtung wirklicher Konversation gehen soll, funktioniert nichts mehr. Auch das gezielte Suchen von etwas – Orten oder Dingen – geht gar nicht. Lässt man sich treiben und benötigt nur die Basisnotwendigkeiten (Essen, Trinken, Zug oder Bus) funktioniert das einigermaßen, aber Dinge, die nicht zum alltäglichen Reisen gehören – Fehlanzeige. Manchmal muss ich mich arg zusammenreißen, dass ich nicht ärgerlich werde. Im zweiten Hotel in Ghuangzhou sprachen die Angestellten zwar englisch, waren jedoch höchst unfreundlich und das einzige was in ihren Augen zählte war eine Sprache: Geld: Permanent hatte ich das Gefühl absolu...

Kanton

Kanton war der große Umschlagplatz für Opium unter den Engländern im 19. Jahrhundert. Diese Droge wurde hier fleißig gehandelt, wobei die Briten schweinereich wurden und die chinesischen Staatskassen sich arg schnell leerten. Unzufrieden darüber verfügte der chinesische Kaiser den Stopp des Opiumhandels. Sehr zum Missfallen der Briten, die dann auch prompt einen Krieg vom Zaun brachen. Als Folge des ersten Opiumkriegs, den die Chinesen verloren, ergaunerten sich die Briten im Vertrag von Nanjing die Rechte an Hongkong als Kronkolonie, die Öffnung weiterer Städte (z.B. Shanghai) für den freien Handel und den Handel mit Opium. Noch heute sichtbares Zeichen dieses Sieges der Briten ist eine kleine Insel (etwa 1 km lang und vielleicht 400 Meter breit) – die Insel Shamian. Dort findet man jede Menge Prachtvillen im Kolonialstil. Wunderbar anzuschauen, direkt im Perlfluss gelegen. Mein nachmittäglicher Spaziergang führt mich unter anderem dorthin und ich werde morgen definitiv umziehen! Dies...

Ghuangzhou

Regen in Hongkong am Morgen – bester Tag zum Reisen. Übersichtlich wie mein Zimmer gestaltet ist, geht das Packen schnell. 3 Mal drehen und wirbeln, schon ist alles gepackt. Zum Bahnhof fährt ein kleiner Bus, der ein wenig an die amerikanischen Busse aus den 60er Jahren erinnert. Fühlt sich auch original so alt an. Zur Vorbereitung auf China spricht der Fahrer kein Englisch und es müssen wieder Gestik und Mimik ausreichen. Einen Zug nachzuahmen ist, Gott sei Dank, auch nicht allzu schwer, wenn auch jedes Mal ein wenig peinlich. Schigger schigger und die Arme angewinkelt vorwärts kreisen lassen. Faszinierend, dass eigentlich alle Menschen weltweit diese antiken Züge aus den alten Filmen kennen. Tatsächlich ist diese Art Zug ja schon lange ausgestorben. Das laute Tuten eines Zuges lasse ich weg, die Leute schauen so schon einigermaßen merkwürdig. Nicht mehr lang und ich schmeiße meinen Reiseführer weg – dauernd spricht der davon wie kompliziert hier alles sei – absoluter Blödsinn! Der Zu...

KADEWE…

...das ist Hongkong im Grunde – ein einziges Kaufhaus mit etlichen Märkten und Einkaufszentren. Diesem Gedanken verhaftet, laufe ich über einen der vielen Märkte und wundere mich warum die Sprinkleranlage los geht. Brennt es? Ach nee, bin ja in Hongkong und es regnet nur. Tausende Regenschirme ritzen nun auf Kinnhöhe Kerben in meine Haut. Flucht in die U-Bahn, ein super ausgebautes Netz von U-Bahn Linien durchzieht die Stadt. Drei Linien unterqueren die Wasserstraße zwischen der Halbinsel Kowloon und der Insel Hongkong. Das ganze auch einigermaßen bezahlbar. Das Preisniveau dieser Stadt würde ich auf ca. die Hälfte bis ein Drittel deutscher Preise ansetzen. Wie ich darauf komme? Es gibt ein sehr einfaches Vergleichssystem: Mac Donalds. Die Preise dort spiegeln normalerweise ziemlich gut das Preisniveau wieder. Ich muss gestehen, dass ich hin und wieder dort Halt mache – wenn auch manchmal nur um einen Kaffee zu trinken. Ehrlich! Als ich heute Morgen in Hongkong auf einen Aussichtspunkt...

Kronkolonie a.D.

Man nehme ein paar Hügel/Berge und fülle die Masse mit ordentlich Wasser auf. Dazu ein Hauch Hochhaus, zwei Prisen Chinesen, gut drei Esslöffel Inder und Afrikaner zu gleichen Teilen sowie eine nicht zu geringe Menge Fotokamerageschäfte. Fertig ist: Hongkong. Eine beeindruckende Stadt. Der erste Eindruck ist allerdings weniger Stadt als vielmehr viel schöne Landschaft mit vielen kleinen, hügeligen Inseln, durch die man über ein gut ausgebautes Straßennetz fährt. In der Stadt dann ein anders Bild. Alles erscheint irgendwie ‚gestaucht’ und in die Länge gezogen. Die Busse – Doppeldecker – wirken schmaler und höher als unsere Berliner Doppeldecker. Ein wenig erinnern sie an einen Bus aus einem Harry-Potter-Film. Der wenige bebaubare Platz ist mit Wohn- und Geschäftssilos besetzt. Alle so um die 20 Stockwerke. Bei der Ankunft in der Nathan Road – der Straße für preiswerte Unterkünfte -wähnt man sich dann jedoch nicht in Hongkong, sondern eher in Ghana oder Kalkutta. Unmengen von Schwarzen u...

Mission erfüllt

Die Thais haben eine neue Verfassung vorgelegt bekommen, die zwar Einfluss des Militärs zulässt, aber dennoch demnächst wieder für Wahlen sorgen wird. Nun kann ich beruhigt wieder abreisen. Habe extra dafür gesorgt, dass die U-Bahn für alle Bürger am Sonntag umsonst war. So konnten alle bequem das Wahlbüro erreichen. Eine Neuerung auch für deutsche Wahlen? Heute gehts nach Hongkong. Da gibts ja auch noch viel zu tun. Nachdem Peking sich meine Beschwerden über die dortige Luftverschmutzung zu Herzen genommen hat, kann ich vielleicht im Süden Chinas noch einiges erreichen. Da liegt ja noch viel im Argen. Tibet werde ich versuchen zu erreichen und denen dort mal Mut zusprechen. Gruß

Dienstleistungen

Brille kaputt? – Meimi ban ha – Kein Problem - neu machen. Nach zwei Jahren ist ein Glas meiner Brille gebrochen. Zum Glück in Thailand, denn in Deutschland ginge der Ärger jetzt richtig los. Die Krankenkasse zahlt nur zum Teil – und damit gehöre ich bereits zu den Privilegierten - Beihilfe weigert sich strikt, wenn es sich nicht gerade um Glasbausteine für einen Maulwurf handelt. Die Kosten gehen in die Hunderte und die Wartezeit in der deutschen Dienstleistungswüste bedeutet tagelange Blindheit. Hier? Keine Wartezeit, 5 Optikerinnen kümmern sich, Sehstärke messen, Saft verkosten, Wartezeit eine Stunde – fertig ist die neue Brille. Fehlt nur noch die Fußmassage während des Wartens. (Na, Herr Doktor, das wäre doch eine Innovation! :-) Das ganze dann für 25 Euro. Zum Vergleich zuhause: 350 Euro für die gleichen Gläser. Allein das Brillenkaufen finanziert fast schon einen Flug hierher. Hier ist alles Fielmann. Eine Seite dieses Landes, die natürlich aus der Sicht eines gut verdienenden E...

Sprache

Mein Vorhaben: jeden Tag ein neuer Begriff, ein neuer Satz. Seit einer Woche arbeite ich jetzt daran. Meiner Schwester sei dank befindet sich seit Monaten eine CD-ROM mit einigen wichtigen Thai-Phrasen und Fragen in meinem Besitz. Die habe ich jetzt herausgekramt und veranstalte mithilfe meines Ipods Gehirnwäsche. Kaum eine Minute, in der ich die CD nicht höre, in der Hoffnung, dass irgendetwas davon hängen bleibt. Mitunter versuche ich dann auch das eine oder andere anzuwenden, was allerdings überwiegend erfolglos bleibt. In den angesprochenen Gesichtern lese ich meist riesige Fragezeichen. Mehrfach variiert, was die Tonhöhe betrifft, kommt es vor, dass dann ein Verstehen zu erkennen ist, gefolgt von nochmaliger Aussprache dessen, was ich bereits gesagt habe. Daraufhin ein Verstehen in allen Gesichtern – dabei habe ich das doch vorschriftsgemäß genau so ausgesprochen und kann überhaupt keinen Unterschied zu dem erkennen, was ich gesagt habe. Menno! Aber welch Höhenflug, wenn man gerad...

Garküchen

Meine liebste Beschäftigung ist die Vielfalt der heimischen Küche zu erkunden. Ein hoffnungsloses Unterfangen, denn vor Garküchen, Restaurants und sonstigen Fressbuden kann man sich in Thailand kaum retten. Tagsüber stößt man an jeder Straßenecke auf Essensgelegenheiten, aber gegen Abend geht es richtig los, dann startet ein Verdrängungsprozess sondergleichen. Jeder Quadratmeter Bürgersteig wird genutzt um die Stadt in eine einzige Schlemmermeile zu verwandeln. Seines eigentlichen Sinnes beraubt – dem Bürger seinen Weg durch die Stadt zu ermöglichen – ist er nun zuständig für das leibliche Wohl. Voran kommt man dann nur noch indem die Straße mitgenutzt wird. Dort drängeln sich dann Busse, Autos, Mopeds, Fußgänger und alle möglichen Marktkarren. Die Varianten sind vielfältig. Oft sind es ganze Familien, die ein solches Straßenrestaurant betreiben. Vor einem Einkaufszentrum oder sonstwo wird das öffentliche Stromnetz gekapert, der Gaskocher eingeschaltet und dann bruzzelt und brodelt es ...

Auf dem Moped

Abreise zurück nach Bangkok. Erst geht’s mit dem Speedboot zurück aufs Festland. Eine Sache von Minuten. Von Ban Peh gibt es einen Fischerbootservice auf die Insel und zurück. Auf dem Hinweg ist das auch okay, man tuckert so übers Wasser, nimmt dann ein Sammeltaxi und wird in die gewünschte Bucht gefahren. Zurück ist es etwas komplizierter. Man muss zunächst mit dem Gepäck in die Nachbarbucht laufen. Das ist mir angesichts der im Moment hohen Temperaturen zu anstrengend. Also lege ich vier Euro drauf und reise schnell und bequem. Da es noch früh am Tag ist und am heutigen Tag in Bangkok sowieso nur chillen angesagt ist, miete ich mir eine Vespa und erkunde vor der Rückfahrt nach Bangkok noch ein wenig die Umgebung von Ban Peh. Im Hintergrund sieht man immer wieder einzelne Hügel, als wären sie in die Landschaft gefallen. Über weite Strecken betreiben die Menschen hier Kokosnussplantagen. Das sieht im Sonnenschein malerisch aus. Darunter finden sich oft Ananasfelder. Meine Lieblingsfruc...

Illegal

Viele Arbeitnehmer hier auf der Insel, aber auch in anderen Teilen des Landes leben illegal in Thailand: Laoten, Burmesen, Kambodschaner. Zum Teil seit Jahren oder Jahrzehnten – immer in der Furcht von der Polizei aufgegriffen und abgeschoben zu werden. Ohne auch nur ein gültiges Papier. Nichts was wir in Deutschland nicht auch hätten, allerdings komplett ohne Rechtsweg. Festnehmen, Bahn- oder Busfahrt, Heimatland, Fertig. Gestern lernte ich einen Laoten kennen, der hier seit 6 Jahren lebt und seither die Insel nicht verlassen hat. Wie auch, reicht das Gehalt doch gerade so zum Überleben. Zum Leben zu wenig - zum Sterben zu viel – etwa 80 Euro im Monat. Davon geht dann noch ein Viertel an die Familie in Laos. Bedenke ich, dass etwas mehr als die Hälfte davon meinem Tagesbudget entspricht, komme ich mir höchst dekadent vor. Das Paradies hat große dunkle Flecken! Man sollte annehmen, dass da der Wunsch nach fürchterlich viel Geld auch extrem groß sein müsste. Dem ist aber nicht so. Gesch...

Muttertag

Morgen hat die Mutter Beimer der Nation Geburtstag – Sirrikit, die Gemahlin des Königs. Da gibt man dem Volk einen Tag frei – am Sonntag muss also nicht gearbeitet werden. Grund dafür, dass die Insel nun einigermaßen voll ist. Es war sehr ruhig, kaum Touristen hier und wenn, dann auf jeden Fall keine Pauschaltouristen. Die gibt es hier sowieso nicht – stattdessen die „Ich habe gerade Abi gemacht und möchte mich kulturell fortbilden“ – Fraktion. Da probiert man dann alles aus, was „diese“ Kultur so hergibt. Man lässt sich mit Henna Kurzzeit-Tätowierungen an allen nur erdenklichen Stellen setzen – Stichwort Arschgeweih. Dumm nur, dass nicht so ganz klar ist welcher Art dieses Henna denn so ist. Die Welt der Chemieindustrie ist da ja einigermaßen einfallsreich. Man hat schon von unschönen Hautverpflanzungen in Bangkok gehört… Des Weiteren sehr beliebt sind Haarverlängerungen mit allem möglichen Gedöns, was der Plastikspielzeugmarkt der Chinesen so hergibt. Eine ins Haar geflochtene Diddel...

Energieversorgung

Ein Selbstversuch. Wie weit kann man seinen Puls herunter fahren und trotzdem überleben? Die Tage habe ich es bis auf 10 Schläge pro Tag geschafft. Zu meiner Entschuldigung sei vorgebracht, dass das Wetter schön und das Meer sehr wellig gewesen ist, so dass ich dafür natürlich viel Energie benötigt habe. Etwa 50 Meter vor dem Strand ist eine kleine Plattform im Meer installiert, zu der ich mich hintreiben lassen habe – schwimmen möchte ich das nicht nennen. Dort lässt man sich dann auf ein mehr oder minder dezentes krebsrot rösten und schaukelt gemächlich vor sich hin. Körperlich so entspannt, dass es wunderbar nach links und nach rechts wabbelt. Sind mehrere entspannte Personen anwesend, geht das auch wunderbar als eine Robben- oder Seelöwenkolonie durch. In meinem nächsten Leben könnte ich mir ein Dasein als Seelöwe oder Robbe sehr gut vorstellen. Heute gießt es wie aus Eimern und ich habe die Herzfrequenz weiter reduziert – drei Herzschläge müssen reichen! Einer morgens, einer mitta...

Fehlendes Input

Mein taeglicher Energieverbrauch beschraenkt sich derzeit auf den Grundbedarf. In der Hoffnung, dass Lesen bei Meeresrauschen ein wenig mehr Verbrauch mit sich bringt, liege ich derzeit wenigstens auf der Terasse und schmoeker. Derzeit koennte ich lediglich aus Romanen berichten, aber das waere ja langweilig. Wenn wieder Input auftaucht, dann gibts auch wieder Berichte. Sorry. Liebe, entspannte Gruesse

Stress im Paradies

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Es rauscht! Ein Auge auf, noch ein Auge auf – es rauscht weiter, Vögel zwitschern. Bewege ich mich? Ach nö! Macht schläfrig. Ich schlafe wieder ein. Es rauscht immer noch! Jetzt eine Übung für Fortgeschrittene: Zwei Augen auf einmal öffnen! Puh, anstrengend! Stellt sich immer noch die Frage: bewege ich mich? Ich finde keine befriedigende Antwort – muss mal darüber nachdenken, ob sich die Beantwortung lohnt - eröffnet diese Fragestellung doch eine ganze Batterie weiterer Fragen, die zu beantworten wären. Bewege ich mich nach links oder nach rechts? Warum sollte ich mich bewegen? Wo überhaupt habe ich gestern meinen Kreislauf abgelegt? Hält der so viel Bewegung denn überhaupt aus? Belastend! Denken! Ein Organ weiter unten meldet die Bitte zum baldigen Aufstehen oder Abstellen des animierenden Rauschens! Das ist einfach: Da bleibt nur eine Lösung – die Ohrstöpsel liegen zu weit entfernt, das ginge eh nicht ohne Bewegung – die einfache Lösung mit den Stöpseln fällt also weg! Dann eben Nach...

Koh Samet

Ein neuer Morgen, ein neuer Reisetag: Start nach Koh Samet, meine Trauminsel seit Jahren. Sie liegt etwa 200 Kilometer südöstlich von Bangkok und es fährt stündlich ein Bus (3,60 Euro) dorthin. Also ab in die Taxe und wieder einige Stunden reisen. Der nunmehr dritte Tag – Zeit anzukommen. Das Boot fährt heute mal ohne Wartezeit direkt los. Koh Samet liegt etwa 6 Kilometer vor der Küste im südchinesischen Meer und ist etwa 7 Kilometer lang und 1,5 Kilometer breit. Außer Buchten, die sich aneinander reihen mit wunderschönen Stränden unter Palmen und Busch im Inland, gibt es nichts, was einen ablenken könnte. Ich beziehe meinen Bungalow, sitze auf meiner Veranda, lausche dem Wellenrauschen und genieße einfach nur. Warum eigentlich hat Wasser diese beruhigende Wirkung? Ich habe gerade das Gefühl angekommen zu sein. Na, nicht wirklich verwunderlich, bin ich doch nunmehr seit 60 Stunden auf dem Weg.

Zuhause

Ankunft in Schanghai am Bahnhof morgens um acht, noch schnell Geld abheben und ab ins Taxi zum Flughafen. Klugerweise habe ich den richtigen Flughafen vorher erkundet, gibt es doch derer zwei. Ein langer Weg – 50 Kilometer – aber 14 Euro für eine derart lange Strecke ist nicht wirklich viel Geld. Wieder der Thrill – Platz frei oder nicht? Da der Flieger erst um halb sechs fliegt, ist es noch eine Weile hin, bis ich Klarheit habe. So erkunde ich den Flughafen Schanghai. Nun, da ist nicht wirklich viel zu erkunden. Er ist ganz hübsch, aber letztlich sieht jeder Flughafen gleich aus. In Gedanken bin ich eigentlich schon in Bangkok und ich muss gestehen, dass die Enttäuschung, sollte ich Shanghai hängenbleiben, sehr sehr groß wäre. Thomas wartet seit gestern dort und es war gut auf Verdacht schon einmal die Richtung Shanghai einzuschlagen. Ich liebe Stand-By – der Flug ist verfügbar und bietet sogar eine komplette Viererbankreihe zum Schlafen, was ich auch 30 Minuten nach Abflug sofort tue...

Am Yangtze

Der gestrige Abend besteht aus einem zweiten Kaffee bei Mac Donalds und dem langsamen Zurückschlendern durch einen Park direkt am Yangtze-Fluss. Und das ist mein Ausflug in das West-Deutschland der 70er Jahre. Ein Volk amüsiert sich und ist „wieder“ wer. Die halbe Stadt vergnügt sich durch allerlei gebotene Kurzweil. Da der Yangtze aufgrund der vielen Regenfälle der letzten Zeit über die Ufer getreten ist, entsteht eine pittoreske Landschaft bestehend aus Trauerweiden im Wasser und Booten, die dazwischen vor sich hin dümpeln. Auf dem Wasser spiegeln sich die Lichter der Stadtteile auf der anderen Seite des Flusses. Einige Chinesen promenieren entlang dieser neuen Uferlinie. Viele schwimmen bzw. planschen – ist das doch die ideale Abkühlung bei Temperaturen um die 35°C. Der weitaus groessere Teil jedoch watet durch die neue Uferlinie. Das muss ein evolutionäres Überbleibsel aus Zeiten der Reispflanzerei sein. Damengrueppchen raffen kollektiv die Röcke und stapfen wacker durchs oberschen...

Ein Schornsteinfeger in Wuhan

Wuhan, eine chinesische Kleinstadt mit nur 7 Millionen Einwohnern. Teilweise erinnert diese Stadt an eine südeuropäische Metropole. Viele alte Häuser sind im Kolonialstil errichtet, Myriaden von Zikaden zirpen allerorten in der flirrenden Hitze und Modelabels wie Nike, Adidas und Konsorten haben ihre Läden hier aufgemacht. Und: Mac Donalds natürlich auch. Goil! Endlich Kaffee! So kann ich mich nicht beherrschen und stürme den Laden. Welch ein Genuss! Kaffee gehört hier nicht so zu den üblichen Getränken. Tee überall, aber Kaffee? Fehlanzeige. Wandert man ein wenig weiter, so ist man aber wieder mitten in Fernost. Wunderbar – aus westlicher Sicht – idyllische Gassen, in denen alles verkauft wird, was Mutter Natur so abwirft. Es sind diese Märkte, von denen ich nicht genug bekommen, an denen ich mich nicht satt sehen kann. Es ist der Gang durch die Wohnzimmer der Menschen, denn das Leben findet gleichzeitig im Laden, in der Garküche, neben der Aalschlachterei, der Färberei usw. statt. We...

Yangtze, der letzte Tag

Heute nacht haben sich Herr Li, Herr Zhang und Herr Wang, so heißen meine Flöhe, an mir gelabt – sehr zu meinem Leidwesen, bin ich doch übersäht von ihren Knutschflecken. Ein wenig kann ich mich durch meinen Re-Import schützen – ich tausche in der Nacht die Flohdecke gegen meinen Seidenschlafsack – Made in China. Nach drei Tagen europäischer Küche, so erklären sie mir, ist ihnen nun aber wieder nach chinesisch-asiatisch – sprich scharf. Mich soll das nicht stören. Diese drei Familiennamen sind die übrigens die häufigsten in China. Allein 105 Millionen Chinesen heißen Li. Alle drei Namen zusammen genommen benennen fast 300 Millionen Chinesen. Die Fahrt neigt sich dem Ende. Die Berge werden langsam höher, der Fluss schmaler. Die Sonne scheint und ich genieße – bereits von gestern verbrannt – an Deck die letzten Kilometer Exklusiv-Panorama. Durch die Lautsprecher erklingen chinesische Weisen aus der Mao-Zeit – sie klingen jedenfalls wie diese sozialistischen Durchhalteparolen und sind bes...

Yangtze – der zweite Tag

Lilly ist wieder auf Jagd. Um 6.00 wird gnadenlos an die Tür gehämmert, dass selbst meine Ohrstöpsel ihren Dienst versagen. Ein Ausflug, den ich nicht gebucht habe, steht an. Wieder wären 10 Euro fällig. Ich verzichte dankend und schlafe lieber weiter. Überhaupt die chinesische Eintrittsseuche. Wo immer man geht und wandelt – Eintritt ist zu zahlen und der ist nicht wirklich preiswert. Eintritt liegt hier beinahe auf europäischem Niveau. Zahlt man beispielsweise für einen Ausflug oder einen touristischen Ort, dann kann man sicher sein, dass in diesem noch eine Reihe weiterer Kosten auf einen zukommen werden. Irgendein Bereich ist dann erneut abgesperrt und kostenpflichtig. Eher lästig, kann man doch nie wirklich abschätzen welche Kosten letztlich tatsächlich entstehen. Gegen Zwölf leert sich das Schiff dann für eine Tour, die ich ebenfalls nicht mitgebucht habe. Stattdessen erkunde ich die Stadt Wushan, an deren Pier wir angelegt haben. Unmengen von Treppenstufen sind zu erklimmen, um ...

Karl-Heinz auf Kreuzfahrt…

So jedenfalls fühle ich mich gerade. Um 23.00 Uhr starten meine drei Tage auf dem Yangtze-Fluss zum 3-Schluchten-Staudamm mit einigen touristischen Unterbrechungen. Und natürlich reist Karl-Heinz erster Klasse, denn der Untergang der Titanic lehrt uns: die Chancen im Falle eines Untergangs zu überleben, steigen als Reisender der Ersten Klasse doch enorm! Ansonsten wirkt sich diese Klasse lediglich im Hinblick auf den verfügbaren Platz pro Person aus. Alles andere ist doch eher chinesisch-klassisch – sprich einigermaßen siffig und flohig. Kein Problem, habe ich doch das große Los gezogen und bewohne meine Kabine alleine. Normal sind zwei Personen, doch das zweite Bett ist frei geblieben. Die Flöhe können sich jetzt allein an mir austoben. Ich sitze also die halbe Nacht und natürlich den Tag ebenfalls, lasse meine Beine aus dem Fenster baumeln und schipper so vor mich hin. Am Abend dann aufs Oberdeck, das eine oder andere Bier und zum Glück auch ein wenig Unterhaltung, sind doch zwei Dän...