Energieversorgung

Ein Selbstversuch. Wie weit kann man seinen Puls herunter fahren und trotzdem überleben? Die Tage habe ich es bis auf 10 Schläge pro Tag geschafft. Zu meiner Entschuldigung sei vorgebracht, dass das Wetter schön und das Meer sehr wellig gewesen ist, so dass ich dafür natürlich viel Energie benötigt habe. Etwa 50 Meter vor dem Strand ist eine kleine Plattform im Meer installiert, zu der ich mich hintreiben lassen habe – schwimmen möchte ich das nicht nennen. Dort lässt man sich dann auf ein mehr oder minder dezentes krebsrot rösten und schaukelt gemächlich vor sich hin. Körperlich so entspannt, dass es wunderbar nach links und nach rechts wabbelt. Sind mehrere entspannte Personen anwesend, geht das auch wunderbar als eine Robben- oder Seelöwenkolonie durch. In meinem nächsten Leben könnte ich mir ein Dasein als Seelöwe oder Robbe sehr gut vorstellen.
Heute gießt es wie aus Eimern und ich habe die Herzfrequenz weiter reduziert – drei Herzschläge müssen reichen! Einer morgens, einer mittags und einer abends. Auf dem Weg zum Restaurant wird auf den Regenschirm verzichtet und stattdessen sich mit Duschgel begossen, das erspart das Duschen morgens und gegessen wird nur einmal am Tag, das erspart diese lästige Verdauung. Den Rest des Tages kann ich dann auch im Bett verbringen. Die Moskitos abzuwehren, wie in den letzten Tagen, ist nicht nötig. Die werden alle vom Regen erschlagen. Draußen jedenfalls verpasse ich nichts. Mein Tribut an die lieben Daheimgebliebenen. Hier regnet es auch ohne Unterlass! Seit nunmehr bald 24 Stunden. Mein Notebook läuft derweil heiß – sollten die 500 Ebooks, die ich dabei habe am Ende doch nicht für ein ganzes Jahr reichen? Inzwischen vermischen sich jedenfalls die vielen Thriller, die letztlich alle nach Schema F geschrieben sind. Das wiederum könnte auch an Verarbeitungsschwierigkeiten im Hirnbereich mangels Sauerstoffversorgung liegen – siehe Herzfrequenz!
Derweil reduziert sich die Aufladezeit für mein Notebook dramatisch: es evolutioniert gerade in rasantem Tempo und erschließt sich eine neue Energiequelle: Ganze Heeresverbände von kleinen Ameisen wandern, wie magisch angezogen, durch die Lüftungsschlitze des Notebooks und werden dort – wohl vom Prozessor - verdaut. Jedenfalls tauchen sie nicht mehr auf, nachdem sie im Innenleben des Computers verschwunden sind. Sollte das unsere zukünftige Energiekrise verhindern? Ich sehe schon die Schlagzeilen: Lehrer macht sensationelle Entdeckung! Energieversorgung für die nächsten 300 Jahre gesichert!
Verbrannt sind sie jedenfalls nicht, denn ich rieche nichts Verdächtiges. Anders als meine Bettdecke gestern. Vom Sturm – sie hing zum Lüften draußen (siehe folgende Erklärung zu Moscitocoils) - ist sie auf einen „Moscito-Coil“ gefallen und hat einen hübschen kleinen Schwelbrand ausgelöst. Keine Sorge – alles noch rechtzeitig entdeckt. Die Insel-Feuerwehr musste nicht anrücken. Wobei ich das gerne gesehen hätte. Diese „Coils“ sind Spiralen nach dem Prinzip eines Räucherstäbchens, die die Luft für Mensch und Tier verpesten, um insbesondere die spaetnachmittäglichen Moskitogeschwader (das sind die mit den Malariabomben) fern zu halten. Sehr effektiv. Sie haben dabei aber den für mich weniger schönen Nebeneffekt die Wäschereien des Landes in Betrieb zu halten, denn eine Woche im Moscitocoil-Nebel führt zwangsläufig zur Generalwäsche. Sämtliche Kleidung müffelt als hätte man sie vier Wochen in einer Neuköllner Eckkneipe aufgehängt. Da stellt man sich am Ende die Frage, ob so eine klitzekleine Malaria nicht das geringere Übel wäre. Die Alternative ist das Einschmieren mit einem Mückenschutzmittel, durch das man die ganze Zeit so riecht wie das Zitronenaroma, was meine Mutter immer in ihre Zitronenkuchen kippte. Am schlimmsten ist eine Mischung aus beidem. Das kann man sich dann als geräucherten Zitronenkuchen vorstellen. Vielleicht sollte ich mein Notebook mal auf eine weitere Möglichkeit der Energieversorgung aufmerksam machen: Moskitos!
Soweit zu meinen täglichen Anstrengungen – man wird ja ein wenig verrückt im Kopf. Aber: ich stelle fest: lieber ein bisschen verrückt als Arbeit!

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Hey Jürgen,

schön das doch wieder so viel passiert das es sich lohnt zu schreiben, das Sommerloch ist gefüllt mit Bahnstreiks, die dann doch nicht stattfinden und Diskussionen über die Köhlernachfolge 2009, außerdem steht die Weltwirtschaft kurz vor dem nächsten schwarzen Freitag, sonst alles i.o. Wenn es schlimmer wird muss ich wohl oder übel nachkommen.
Lg Chris

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