Garküchen

Meine liebste Beschäftigung ist die Vielfalt der heimischen Küche zu erkunden. Ein hoffnungsloses Unterfangen, denn vor Garküchen, Restaurants und sonstigen Fressbuden kann man sich in Thailand kaum retten. Tagsüber stößt man an jeder Straßenecke auf Essensgelegenheiten, aber gegen Abend geht es richtig los, dann startet ein Verdrängungsprozess sondergleichen. Jeder Quadratmeter Bürgersteig wird genutzt um die Stadt in eine einzige Schlemmermeile zu verwandeln. Seines eigentlichen Sinnes beraubt – dem Bürger seinen Weg durch die Stadt zu ermöglichen – ist er nun zuständig für das leibliche Wohl. Voran kommt man dann nur noch indem die Straße mitgenutzt wird. Dort drängeln sich dann Busse, Autos, Mopeds, Fußgänger und alle möglichen Marktkarren. Die Varianten sind vielfältig. Oft sind es ganze Familien, die ein solches Straßenrestaurant betreiben. Vor einem Einkaufszentrum oder sonstwo wird das öffentliche Stromnetz gekapert, der Gaskocher eingeschaltet und dann bruzzelt und brodelt es bis in die Nacht hinein. Klapptische und Plastikstühle werden aufgestellt, Vater und Mutter kochen und sind für die Oberaufsicht zuständig. Die Tochter bedient oder kassiert oder schnippelt – was halt gerade so anfällt. Die Söhne 1 bis 23 fegen, wischen, räumen usw. Die Gosse dient als Abfluss und Waschbecken in einem, das Frischwasser kommt aus großen Kanistern. Söhnchen 14 gelt derweil sein Haar in der kleinen Waschecke – also vor dem Spiegel an der Straßenlaterne. Natürlich nach den neuesten modischen (westlichen)Vorgaben. Lecker Nudelsuppe – mal wieder. Man zeigt auf die Zutaten, die man haben möchte. Diese werden dann in einem Sieb in das kochende Wasser getunkt – sehr kurz – alle wichtigen Nährstoffe bleiben erhalten. Das ganze in eine Plastikschüssel, Brühe drüber, frisches Blattgemüse dazu, ein Löffel Chili, ein wenig Chili-Essig und fertig ist ein wunderbares Gericht für um die 50 cent. Mittlerweile liebe ich das scharfe Essen. Mitbringsel aus China. In der Ecke sitzt dann der jüngste Sohn und schaut fern oder macht Hausaufgaben. Wohnen, arbeiten, leben vor Ort.
Man lernt besser das Essen mit Stäbchen, sonst bleibt man hungrig oder muss – wie unhygienisch – die Finger benutzen. Besteck gibt es jedenfalls in den seltensten Fällen. Zwar bin ich noch immer kein Meister beim stäbeln, aber meine Technik funktioniert leidlich.
Variante zwei ist die Matrone auf dem Moped mit Beiwagen, wobei auf dem Beiwagen alles Notwendige für eine Garküche (Gaskocher, Neonröhre, Riesentöpfe, Glaskasten mit Regal) aufgebaut ist. Auch hier gibt es ein paar Tische und Vatter, ein echter Pantoffelheld, der bedient. Bei dieser Dame habe ich die bisher leckerste Suppe gegessen. Dominant wie sie erscheint hätte ich mich auch nicht getraut etwas anderes zu denken geschweige denn zu sagen. Auch hier werden Nudeln und Gemüse kurz in das kochende Wasser getunkt, die Brühe jedoch scheint schon seit Monaten vor sich hin zu köcheln. Entsprechend kräftig und absolut lecker schmeckt sie dann auch.
Variante drei sind stationäre Garküchen, meist in einem kleinen Raum, der wie ein OP-Saal gefliest ist, wobei er nicht annähernd an dessen hygienischen Standard heranreicht.
Meine Bedienung heißt übrigens Puuki und ist sehr angetan von mir. Lustige Zeitgenössin. Bis zum Heiratsantrag braucht sie gerade mal 10 Minuten. Bisheriger Rekord! Die Frisörin gestern hat immerhin 30 Minuten benötigt, wobei bereits ihre erste Ansprache „Darling“ klar machte wohin der Frisörbesuch aus ihrer Sicht führen sollte. Große Nasen sind hier schwer beliebt – demzufolge habe ich hier alle Chancen der Welt - mich toppt da keiner so schnell :-)
Puuki heißt natürlich nicht wirklich Puuki – es ist ein Spitzname, so wie alle hier einen Spitznamen haben. Die Namen der Thailänder sind meist so lang, dass selbst die deutschen/europäischen Bürokratenbegriffe dagegen wie Abkürzungen erscheinen. Da sich keiner diese langen Namen merken will, geschweige denn die Zeit hat diese auch noch vollständig zu artikulieren, nutzt man halt Spitznamen, die häufig dem Englischen entlehnt sind. Ratchadamsipornkompadisukhorn – in welches Formular soll man das hineinschreiben?
Zum Abschluss der kulinarischen Genüsse läuft mir ein Bekannter aus Bremen über den Weg. Ein Volleyballer, der hier seit 5 Jahren lebt – die Welt, ein Dorf!

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Hey Reisender,

na Mensch is den Polygamie in Thailand erlaubt? Vielleicht solltest du dir aber eine reiche alte Frau suchen, dann kannst du mich adoptieren und ich komme mit dem nächsten Flieger, das müssen echt paradisische Zustände sein.
Denk an Dich Lg Chris
Anonym hat gesagt…
wer ist denn der volleyballer?

ein weiterer exvolleyballer aus bremen, achim

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