Gefahren

Ich schaue fern, Nachrichten, und der Sprecher berichtet von einem neuerlichen Ausbruch der Vogelgrippe in Süddeutschland. Uiiih, Deutschland scheint ein gefährliches Land zu sein – da sollte ich besser nicht hinfahren!
Halt, irgendwas ist hier verkehrt, was war das noch? Moooooment! Muss das nicht anders heißen? Ausbruch der Vogelgrippe in Südchina oder so? Der Nachrichtensprecher spricht kein deutsch, sondern englisch und ja, ich habe richtig gehört, und ja, ich bin in China und höre von einer schlimmen Epidemie in Deutschland. Verkehrte Welt.
Welch herrlicher Witz doch in einer Nachricht stecken kann!
Europa, der Kontinent mit den vielen Gefahren. Waldbrände und nun auch noch Geflügelpest. Wahrscheinlich wird dort auch noch vergiftetes Spielzeug verkauft. Da bin ich doch froh hier zu sein und entscheide mich nun doch den Heißluftballon zu buchen. Etwas überteuert, aber in dieser Landschaft sicherlich ein tolles Erlebnis. Bisher hatte ich ja ob der Sicherheitsfragen gezögert, aber was soll es.
Blendendes Wetter – die Sonne prallt vom Himmel – und irgendetwas muss ich an dem bis jetzt faulen Tag doch noch unternehmen! Der kabellose Internetzugang in dem Ufercafè verleitet mich schon zu lange zum Dauersurfen und Lesen ohne mich groß zu bewegen. Gebucht und los geht’s. Ein altertümlicher Jeep – Trecker träfe es auch – bringt mich und eine holländische Familie in die Nähe eines kleinen Dorfes auf eine große Wiese, auf der bereits der Ballon mit Heißluft gefüllt wird. Die Zuversicht schwindet leicht angesichts der großen Flicken im Ballon und des übersichtlichen Korbes. 4 große Gasflaschen, 4 Passagiere und ein Pilot sollen dort hinein passen? Der gemeine Chinese ist nicht groß, aber wir sind immerhin Europäer! Dem Spruch des Holländers: „runter kommen wir auf jeden Fall, hahaha“ kann ich auch nicht so viel Beruhigendes abgewinnen. Weit mehr wird die Zuversicht getrübt im Angesicht des schwarzen Himmels, der – da hört man es schon – von Donner erfüllt wird! Schutzengel – bei Fuß!
Der Korb reicht mir bis zur Mitte meiner Oberschenkel und Gurte hat das blöde Ding auch keine. Irgendwie sagt mir meine, leider bereits in der 10. Klasse abgebrochene, physikalische Grundbildung, dass hier Anziehungskräfte und Hebelwirkung von besonderer Bedeutung sein könnten. Ich entscheide mich für intensives Klammern am Korbgestänge! Es wackelt ein wenig, es macht einen Ruck und…. und… und…. Das Ding hebt vom Boden ab! Geht doch gar nicht, sagen die einen – geht ja wohl spricht es irgendwo in einer Werbung.
Was mich letztlich tatsächlich zum Schwitzen bringt, die Gasbrenner zwei Zentimeter links meines Ohrs, gefährlich nahe meiner blonden Haarpracht, oder doch die Tatsache, dass die Menschen unter mir immer kleiner werden, ich werde es wohl nie erfahren. Jedenfalls fliegt das Ding und erhebt sich über dem Tal mit dem Fluss und im Hintergrund verschwinden schier unendlich die Hügel im Dunst….
Wow, beeindruckend. Meine Kamera läuft heiß – auch hier werde ich den Grund: Gasbrenner oder übermäßiger Gebrauch, wohl nie erfahren. Ich komme kaum dazu mir bewusst zu machen wo ich gerade bin, aber ein Blick nach unten klärt mich dann doch unangenehm direkt und schnell über die Fakten auf. Ich vermisse einen Rucksack mit Fallschirm auf meinem Rücken. Aber es ist ein unglaubliches Gefühl, nur minimal getrübt von dem Geruch angesengter Haare, in der Luft zu schweben und diese phantastische Landschaft von oben zu sehen. Berge, Flüsse, Felder, Dörfer soweit das Auge reicht. Erstaunlich, und dem Herrn sei insbesondere dieses getrommelt und gepfiffen, wie schnell das Steigen geht, denn der Berg vor uns wäre sicherlich standhafter beim Aufprall als wir. Alles ist eingehüllt von Dunstschwaden. Die Schwaden hinter uns gleichen dann aber doch eher gut ausgebildeten Gewitterwolken. Blitze zucken, Donner grollt.
Auch das Sinken funktioniert, dem Herrn sei wieder Dank, schneller als ich dachte. Kurze Zeit keine Flamme und es geht verhältnismäßig schnell hinunter. Die Berge liegen zwar hier gerade alle hinter uns, dennoch finde ich den Boden nicht gerade einladend. Zwei größere Seen/Teiche, einige Reisfelder und kleinere Flächen mit Gestrüpp. Kawumm – erster Aufsetzer. Ballon wehrt sich, bläht sich auf und wir fliegen wieder. Und noch einmal: Kawumm – zweiter Aufsetzer, abheben zum großen Finale. Rumms! Geplant war das sicher nicht - von der Stunde ist erst die Hälfte um, aber das Gewitter, so erfahre ich später, kam schneller als erwartet, so dass wir diese unsanfte Landung irgendwo in der chinesischen Agrarlandschaft hinlegen mussten. Drei Tümpel und fünf Hecken später finden wir als Wetterschutz eine Steinhütte der Reisbauern, die uns die nächsten 45 Minuten im strömenden Regen trocken hält. Die Fliegercrew ist derweil eingetroffen – wir sind gerettet!

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Ich will die Fotos sehen... und sie haben Post....
lg Chris
Anonym hat gesagt…
manchmal gibt es wirklich Rettung dank der Schutzengel.
Kenine Sorge, Haare wachsen nach
liebe Grüße rosanna

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