Illegal

Viele Arbeitnehmer hier auf der Insel, aber auch in anderen Teilen des Landes leben illegal in Thailand: Laoten, Burmesen, Kambodschaner. Zum Teil seit Jahren oder Jahrzehnten – immer in der Furcht von der Polizei aufgegriffen und abgeschoben zu werden. Ohne auch nur ein gültiges Papier. Nichts was wir in Deutschland nicht auch hätten, allerdings komplett ohne Rechtsweg. Festnehmen, Bahn- oder Busfahrt, Heimatland, Fertig. Gestern lernte ich einen Laoten kennen, der hier seit 6 Jahren lebt und seither die Insel nicht verlassen hat. Wie auch, reicht das Gehalt doch gerade so zum Überleben. Zum Leben zu wenig - zum Sterben zu viel – etwa 80 Euro im Monat. Davon geht dann noch ein Viertel an die Familie in Laos. Bedenke ich, dass etwas mehr als die Hälfte davon meinem Tagesbudget entspricht, komme ich mir höchst dekadent vor. Das Paradies hat große dunkle Flecken! Man sollte annehmen, dass da der Wunsch nach fürchterlich viel Geld auch extrem groß sein müsste. Dem ist aber nicht so. Geschäfte macht man, zumindest auf unterer und unterster Ebene nicht zum Schaden des Nächsten. Hat eine der Massagedamen am Strand noch keinen Auftrag gehabt an diesem Tag, die anderen aber schon, so ist sie diejenige, die als nächstes dran ist. Dieses Geschäft um jeden Preis gibt es, jedenfalls was ich sehen kann, nicht. Aber zugegeben, es ist eine sehr eingeschränkte Sichtweise und keinesfalls repräsentativ.
Bei den illegalen Einwandern gibt es übrigens Zuwachs. die Herren Li, Wang und Zhang, meine chinesischen Flöhe von der Bootsfahrt auf dem Yangtze, haben sich in mein Gepäck geschlichen. Sie haben sich noch nicht mal bei mir gemeldet. Lediglich an ihren nächtlichen Eskapaden, sie kommen römischen Orgien gleich, habe ich überhaupt herausgefunden, dass sie illegal eingereist sind. Ich bin mir auch gar nicht so sicher ob die drei noch allein sind. Ich vermute, sie haben sich jeweils thailändische Floh-Ladies angelacht und sich kräftig vermehrt. Mein Körper sieht jedenfalls aus wie ein Schnittmusterbogen aus dem Hause Burda. Vielleicht möchte man mich ja für Industriespionage missbrauchen. Wenn ich das Land wieder verlasse schmuggel ich unbewusst die neuesten Hosenschnitte der Firma Levis. Nein, jetzt reicht es. Das Problem hat sich heute Nacht hoffentlich ein für alle Mal erledigt. Herr Wang ist seiner Völlerei erlegen, als er es nicht mehr schaffte sich rechtzeitig vor meiner Körperdrehung in Sicherheit zu bringen. Ein riesiger Blutfleck mitsamt plattem Floh zeugt davon. Der Rest der Bagage befindet sich jetzt auf der Flucht!

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