Kanton

Kanton war der große Umschlagplatz für Opium unter den Engländern im 19. Jahrhundert. Diese Droge wurde hier fleißig gehandelt, wobei die Briten schweinereich wurden und die chinesischen Staatskassen sich arg schnell leerten. Unzufrieden darüber verfügte der chinesische Kaiser den Stopp des Opiumhandels. Sehr zum Missfallen der Briten, die dann auch prompt einen Krieg vom Zaun brachen. Als Folge des ersten Opiumkriegs, den die Chinesen verloren, ergaunerten sich die Briten im Vertrag von Nanjing die Rechte an Hongkong als Kronkolonie, die Öffnung weiterer Städte (z.B. Shanghai) für den freien Handel und den Handel mit Opium.
Noch heute sichtbares Zeichen dieses Sieges der Briten ist eine kleine Insel (etwa 1 km lang und vielleicht 400 Meter breit) – die Insel Shamian. Dort findet man jede Menge Prachtvillen im Kolonialstil. Wunderbar anzuschauen, direkt im Perlfluss gelegen. Mein nachmittäglicher Spaziergang führt mich unter anderem dorthin und ich werde morgen definitiv umziehen!
Diese Stadt ist insgesamt wunderschön. Zwar gibt es auch hier diese großen Magistralen, auf denen der Verkehr auf 6 Spuren fließt, doch nur wenige Meter weiter befindet man sich in einem Labyrinth von kleineren Straßen, von denen wiederum ganz kleine Gassen von vielleicht 2 Metern Breite abgehen. Die Bürgersteige sind fast durchgehend überbaut, wie man es aus den Altstädten in Kairo oder Havanna kennt. Säulengänge allerorten. Ein schweres Gewitter, wie gestern Abend, übersteht man daher trocken ohne Regenschirm. Viele Straßen haben ein zweites Stockwerk, sprich sind von einer Hochstraße überbaut. Die Stadt insgesamt erscheint sehr geschäftig und ziemlich cruisy. Im Stadtpark zocken die Chinesen wie üblich Karten gegen Geld, es wird musiziert oder Federball gespielt. Regnet es, so finden sie Unterschlupf in den eingestreuten Pavillons – ähnlich denen der Pavillons für Kurkonzerte in Bad sowieso. Eine Gruppe Chinesen spielt dieses Spiel, bei dem man im Kreis steht und einen kleinen Stoffball mit dem Fuß hochschießt, ihn dabei möglichst lange über dem Boden hält. Zuschauen führt zur Aufforderung mitzuspielen, was ich tue und elendig schwitze. Keiner der Spieler kennt einander – man spielt einfach mit. Nach gut 10 Kilometern Spaziergang heute eine Herausforderung. Zudem versäume ich die letzte U-Bahn, die hier schon um 23.00 Uhr fährt. Also ab ins Taxi – doch stellen sich dieses Mal gleich zwei Probleme: Erstens ich spreche kein Chinesisch, zweitens, selbst wenn, ich weiß nicht wie mein Hotel heißt! Shit kennt der Taxifahrer dann doch, allerdings nicht Metro, Subway, Underground. Gibt es noch mehr englische Begriffe für U-Bahn? Ich weiß nur ungefähr die Richtung. Zum Glück habe ich mich, wie immer, eingenordet und den Stadtplan so halbwegs im Kopf und erkenne die Straße mit dem Hotel wieder. Goldene Regel: Beim Verlassen des Hotels sich so oft wie möglich umschauen und sich diese Perspektive ebenfalls einprägen.

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