Milchzähne
In einer längst vergangenen und vergessenen Zeit, vor zigtausenden von Jahren, flog eine Armada Jungdrachen, von ihren Eltern verstoßen, über das heutige China auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Im Süden, nicht weit von Ghuangzhou bei Guilin verloren alle Drachen auf einmal – mitten im Flug – ihre Milchzähne. Diese fielen auf die Erde und stecken seither, merkwürdigerweise genau so herum wie im Gebiss üblich, in den Reisfeldern Südchinas. Die Drachen mögen immer noch suchen oder mittlerweile gestorben sein (weiß ich wie lange so ein Tier lebt?), ihre Zähne jedoch sind nach wie vor zu sehen: in Yangshuo!
Würde man mich darum bitten, eine Entstehungsgeschichte zur Landschaft in und um Guilin zu schreiben, sie begönne so.
Eine normale Geschichte würde dieser sagenhaften Landschaft nicht annähernd gerecht. Der Ausdruck: „es verschlägt einem den Atem“ wird hier mit Leben gefüllt.
Sämtliche Asthmamittel der Welt versagen bei diesem Anblick: der Li-Fluss windet sich durch unzaehlbare Karstberge, die im Laufe von 200 Millionen Jahren entstanden sind. Das Meer reichte früher bis hierher, zog sich zurück und hinterließ Muschelkalkablagerungen, die im Laufe der Zeit erodierten und aus denen diese bizarre Landschaft entstand. Auf den mehr oder minder großen Flächen zwischen den „Milchzähnen“ grasen Wasserbüffel am Rande der vielen Reisfelder.
Auf der Zugfahrt hierher lernte ich zwei chinesische Studenten aus Foshan kennen, die der englischen Sprache mächtig sind und ganz erpicht darauf waren, diese auch anzuwenden. So bin ich mit Ihnen zusammen nach Yangshuo gefahren (Minibus ab Bahnhof Guilin). Jetzt sitze ich am Li-Fluss vor der erwähnten Szenerie und bin einigermaßen erschöpft, da ich auf der Zugfahrt schlecht geschlafen habe. Ich Trottel hatte die Ohropax falsch gepackt und konnte sie in der Dunkelheit nicht finden ohne das ganze Abteil aufzuwecken. Dummerweise waren auch spontan keine Ersatzstöpsel, wie z.B. Ibuprofen auf einer anderen Fahrt, greifbar. (Richtig im Ohr verkantet, ist Ibuprofen nicht nur ein hervorragendes Schmerzmittel!).
Das Warten scheint vergeblich, die beiden haben sich entweder schlafen gelegt oder sich abgesetzt. Nun, es ist ein kleiner Ort – ich werde es noch herausfinden.
Der gestrige Schulbeginn (Trockenübung: Konferenzen) bewirkt bei mir gerade zweierlei Gefühle. Einerseits kommt gerade das Gefühl: Ja, jetzt fängt die Freiheit wirklich und endgültig an. Andererseits fürchte ich, misstrauisch wie ich bin, dass jeden Moment eine SMS eingeht, dass alles nur ein bedauerlicher Irrtum sei und – ätsch! – ich sofort zurück kommen möge. Welch grausamer Gedanke! Ich werde doch lieber in der Ferne als auf Arbeit nicht verstanden!
Kaum vorstellbar, dass ich immer noch am Anfang bin – so vieles gibt es noch zu sehen und das Besuchen eines Ortes ist, wie beim Lernen auch, das Öffnen einer Tür. Öffnet man eine, findet man dahinter drei Weitere, die zu anderen unbekannten und spannenden Orten führen, und die es zu öffnen gilt. Gott, ist das stressig! Wie ruhig ist es doch dagegen auf Arbeit! :-) Meine Kollegen mögen mir diesen bösartigen Exkurs nachsehen, aber ein wenig muss ich doch auch in der Ferne versuchen in Übung und vor allem in Erinnerung zu bleiben.
Für alle anderen: es ist unglaublich heiß hier – schwitze wie der Teufel. Kleine Spitze zum „Jahrhundertsommer“ in Berlin. Stellt sich die Frage wer sich gerade in Überflutungsgebieten befindet! Meine bisherige Route hat jedenfalls noch keine Probleme verursacht. Auf die Frage: „wie es sich in den asiatischen Katastrophengebieten so lebt“, sei geantwortet: China allein ist so groß wie Europa und damit sei zurückgefragt: Was machen die Waldbrände bei Euch?
Es grüßt Jürgen
PS: Ich erwarte jetzt viele böse Kommentare :-)
Würde man mich darum bitten, eine Entstehungsgeschichte zur Landschaft in und um Guilin zu schreiben, sie begönne so.
Eine normale Geschichte würde dieser sagenhaften Landschaft nicht annähernd gerecht. Der Ausdruck: „es verschlägt einem den Atem“ wird hier mit Leben gefüllt.
Sämtliche Asthmamittel der Welt versagen bei diesem Anblick: der Li-Fluss windet sich durch unzaehlbare Karstberge, die im Laufe von 200 Millionen Jahren entstanden sind. Das Meer reichte früher bis hierher, zog sich zurück und hinterließ Muschelkalkablagerungen, die im Laufe der Zeit erodierten und aus denen diese bizarre Landschaft entstand. Auf den mehr oder minder großen Flächen zwischen den „Milchzähnen“ grasen Wasserbüffel am Rande der vielen Reisfelder.
Auf der Zugfahrt hierher lernte ich zwei chinesische Studenten aus Foshan kennen, die der englischen Sprache mächtig sind und ganz erpicht darauf waren, diese auch anzuwenden. So bin ich mit Ihnen zusammen nach Yangshuo gefahren (Minibus ab Bahnhof Guilin). Jetzt sitze ich am Li-Fluss vor der erwähnten Szenerie und bin einigermaßen erschöpft, da ich auf der Zugfahrt schlecht geschlafen habe. Ich Trottel hatte die Ohropax falsch gepackt und konnte sie in der Dunkelheit nicht finden ohne das ganze Abteil aufzuwecken. Dummerweise waren auch spontan keine Ersatzstöpsel, wie z.B. Ibuprofen auf einer anderen Fahrt, greifbar. (Richtig im Ohr verkantet, ist Ibuprofen nicht nur ein hervorragendes Schmerzmittel!).
Das Warten scheint vergeblich, die beiden haben sich entweder schlafen gelegt oder sich abgesetzt. Nun, es ist ein kleiner Ort – ich werde es noch herausfinden.
Der gestrige Schulbeginn (Trockenübung: Konferenzen) bewirkt bei mir gerade zweierlei Gefühle. Einerseits kommt gerade das Gefühl: Ja, jetzt fängt die Freiheit wirklich und endgültig an. Andererseits fürchte ich, misstrauisch wie ich bin, dass jeden Moment eine SMS eingeht, dass alles nur ein bedauerlicher Irrtum sei und – ätsch! – ich sofort zurück kommen möge. Welch grausamer Gedanke! Ich werde doch lieber in der Ferne als auf Arbeit nicht verstanden!
Kaum vorstellbar, dass ich immer noch am Anfang bin – so vieles gibt es noch zu sehen und das Besuchen eines Ortes ist, wie beim Lernen auch, das Öffnen einer Tür. Öffnet man eine, findet man dahinter drei Weitere, die zu anderen unbekannten und spannenden Orten führen, und die es zu öffnen gilt. Gott, ist das stressig! Wie ruhig ist es doch dagegen auf Arbeit! :-) Meine Kollegen mögen mir diesen bösartigen Exkurs nachsehen, aber ein wenig muss ich doch auch in der Ferne versuchen in Übung und vor allem in Erinnerung zu bleiben.
Für alle anderen: es ist unglaublich heiß hier – schwitze wie der Teufel. Kleine Spitze zum „Jahrhundertsommer“ in Berlin. Stellt sich die Frage wer sich gerade in Überflutungsgebieten befindet! Meine bisherige Route hat jedenfalls noch keine Probleme verursacht. Auf die Frage: „wie es sich in den asiatischen Katastrophengebieten so lebt“, sei geantwortet: China allein ist so groß wie Europa und damit sei zurückgefragt: Was machen die Waldbrände bei Euch?
Es grüßt Jürgen
PS: Ich erwarte jetzt viele böse Kommentare :-)
Kommentare
Lg Chris