Sprache

Mein Vorhaben: jeden Tag ein neuer Begriff, ein neuer Satz. Seit einer Woche arbeite ich jetzt daran. Meiner Schwester sei dank befindet sich seit Monaten eine CD-ROM mit einigen wichtigen Thai-Phrasen und Fragen in meinem Besitz. Die habe ich jetzt herausgekramt und veranstalte mithilfe meines Ipods Gehirnwäsche. Kaum eine Minute, in der ich die CD nicht höre, in der Hoffnung, dass irgendetwas davon hängen bleibt. Mitunter versuche ich dann auch das eine oder andere anzuwenden, was allerdings überwiegend erfolglos bleibt. In den angesprochenen Gesichtern lese ich meist riesige Fragezeichen. Mehrfach variiert, was die Tonhöhe betrifft, kommt es vor, dass dann ein Verstehen zu erkennen ist, gefolgt von nochmaliger Aussprache dessen, was ich bereits gesagt habe. Daraufhin ein Verstehen in allen Gesichtern – dabei habe ich das doch vorschriftsgemäß genau so ausgesprochen und kann überhaupt keinen Unterschied zu dem erkennen, was ich gesagt habe. Menno! Aber welch Höhenflug, wenn man gerade so mit dem Ipod im Ohr durch den Markt stapft und „Was kostet das?“ hört. Abrupter Stopp und direkt am Stand, sei es auch ein Stand, der geröstete Maden und Kakerlaken im Angebot hat, auf Thai anwenden: „Nii thauray, khrab?“ Und: es kommen Zahlen als Antwort! Wow, Schlussfolgerung: Gegenüber hat verstanden, denn Zahlen verstehe ich. Die folgenden Thai-Wortschwalle verstehe ich dann jedoch schon wieder nicht. Und so richtiges Interesse an den angebotenen Heuschrecken und Kakerlaken existiert meinerseits nicht wirklich. Eine Norwegerin, die ich einst hier traf, lernte Thai und konnte die Sprache auch ziemlich gut sprechen, doch auch nach einem Jahr gab es bei ihr Wörter, die sie nicht hinbekam. Ich weiß nicht mehr was sie ausdrücken wollte, heraus kam jedoch immer „Kakerlake“. Mitunter klingen die Begriffe höllisch ähnlich und sind für das europäische Ohr einfach nicht zu unterscheiden. Ma kann zum Beispiel „Kommen“, „Hund“ und „Pferd“ heißen, je nachdem wie man es betont. Ba dagegen „Tante“ oder „verrückt“. Jetzt laufe ich herum und sprech die ganze Zeit Mama ba. Richtig artikuliert ergäbe das dann so etwas wie „komm verrückter Hund“. Schwere Sprache, aber es macht sehr viel Spaß, wenn hin und wieder mal etwas gelingt. Vermute einen Zusammenhang zwischen Thai verstehen und scharfem Essen – werde mir noch mehr Chili ins Essen kippen!


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