Atmosphäre und Charme am Durbar Square
Diese Stadt ist schon aufregend. Keine 2 Meter und man kann wieder die nächsten 10 Minuten vor neuen Ansichten verweilen. Von den mittelalterlich anmutenden, engen Gassen führt mitunter eine sehr flache Tordurchfahrt auf einen kleinen Platz, um den herum windschiefe Häuser angeordnet sind. Manchmal findet man dort auch eine Stupa. Diese Durchfahrt ist der einzige Zugang und man fragt sich wie der Transport auf den Hof überhaupt möglich ist. Nach jeder Gasse eröffnet sich wieder ein kleiner Platz, auf dem so gut wie immer ein kleiner Tempel oder eine Statue steht. Neugierige Kinder kommen auf mich zugelaufen. Zücke ich meinen Fotoapparat, stehen sie stocksteif und posieren, um sich fotografieren zu lassen. Gespannt sind sie dann auf das Ergebnis.Wollte ich in China noch als Panda wiedergeboren werden, so wuerde ich hier in Nepal gerne die Kuh waehlen. Man wird dick und rund gefuettert, waehrend die Menschen selbst mitunter sehr abgemagert sind.
Ich mache mich auf die Suche nach dem Durbar Square. Das ist nicht einfach, denn Straßenschilder existieren nicht und der Stadtplan gibt nur ungefähr jede Straße an. Erschwerend kommt hinzu, dass man durch Matsch und Pfützen läuft. Aber die Nepalesen sind sehr hilfsbereit und viele sprechen englisch oder gar deutsch. Der Durbar Square ist zum Weltkulturerbe erklärt worden und ich verstehe warum. Eigentlich sind es drei Plätze, die ineinander übergehen, und um die herum jede Menge Tempelbauten angeordnet sind. Durbar heißt übersetzt Palast. Dementsprechend ist der alte Königspalast hier zu sehen. Alles erweckt den Eindruck, dass es genau so seit hunderten von Jahren dort steht. Kein Mac Donalds am Platz, keine Modekette oder gar Juweliere. Die Menschen scheinen hier heute noch so wie seit Jahrhunderten zu leben. Das macht die Atmosphäre dieser Stadt aus. Der Westen mit seine
n „Errungenschaften“ ist hier noch nicht sehr weit eingedrungen. Einzig die Autos erinnern an die Neuzeit. Auf den Tempeln sitzen Alte, Junge, Gläubige, Muslime, Hindus, Buddhisten, Frauen, Männer. Wieder dieses unglaublich bunte Bild. Stunden kann man damit zubringen auf einem der Tempel – sie sind sich nach oben verjüngend viereckig mit Stufen aufgebaut. Langsam kommt auch die Sonne wieder hervor – in der Nacht hat es geschüttet – und der Fotoapparat kommt wieder zum Einsatz. Immer wieder sprechen mich Nepalesen an um mir allerlei Dienste zukommen zu lassen. Der Bitte meinen Rucksack zu reparieren (Reißverschluss und Tragegurt) entgegne ich mit Ablehnung und der Antwort, dass ich einen neuen kaufen würde. Doch er lässt nicht locker und repariert tatsächlich für nen Appel und n Ei die Schäden. Der gemeine Mitteleuropäer kann sich ja inzwischen gar nicht mehr vorstellen, dass man so etwas auch reparieren kann! Auch ich bin ein Kind der Wegwerfgesellsch
aft. Der Rucksack ist tiptop, das gesparte Geld kommt dem nächsten bettelnden Kind zu Gute. Zunächst versehen mit 5 Rupien lässt es nicht locker. Kann man so unglaublich traurig gucken? Oh ja, man kann! Also der nächste Gang in den Supermarkt. Und heute ist es für mich etwas preiswerter. Die Cola lehne ich ab – bin ja Pädagoge – wir einigen uns schließlich auf getrocknete Früchte. Und wieder diese unglaubliche herzerweichende Freude. Ich weiss, eigentlich sollte man nichts geben, denn es erzieht die Kinder zum Betteln, aber es faellt schon schwer selbst 300 Rupien – ein Witz fuer einen Restaurantbesuch - fuers Essen auszugeben und dann einen Bettler zu ignorieren....Die Menschen insgesamt sind sehr offen und lächeln mich an. Kein böses Zurückschauen, nicht unbedingt ist das Geld gemeint. Nun, sicher ist es das häufig, aber auf eine charmante Art und Weise. Weit weniger aggressiv als in China und an anderen Orten dieser Welt, die ich kenne. Ein Lächeln gibt es hier noch ohne Bezahlung.
Ohne, dass ich mich sehr weit vom Hotel fortbewegt hätte verbringe ich 6 Stunden auf den Straßen und lasse es für heute gut sein.
Kommentare
Lieber Jürgen, die Straßen werden sehr lebendig und in meinem Ohr höre tausend Stimmen des beschriebenen Straßenlärms...
Liebe Grüße Kirsten