Dali

Etwa 350 km nördlich von Kunming liegt die Kleinstadt Dali. Der Bus dorthin benötigt 5 Stunden und fährt die ganze Zeit auf einer neuen, sehr gut ausgebauten Autobahn. Als einziger Blondschopf an Bord werde ich aufmerksam gemustert, aber ansonsten in Frieden gelassen. Auf dem Land ist die Körperhygiene etwas seltener, was sich in einem, höflich ausgedrückt, exotischen Geruch im Bus bemerkbar macht. Nicht dass es extrem müffelte, aber ein gewisser Odeur macht sich breit. Draußen schüttet es wie aus Eimern und ich hoffe, dass der Busfahrer das Prinzip des Aquaplaning kennt. Die Ankunft in Dali ist leider nicht die Ankunft in Dali, sondern in einem Nachbarort, was ich nicht wusste. So muss ich ein Taxi nehmen zu meinem im Internet auserkorenen Domizil, was mich meine letzten Nerven kostet – Sprachprobleme allerorten. Letztlich finden wir das Hostel doch noch und leider ist es weit weit außerhalb am See gelegen. Ganz idyllisch, aber zu sehr fernab der Zivilisation, so dass ich umgehend für den nächsten Tag beschließe umzuziehen. Auch die Tatsache, dass ich inzwischen sogar einen eigenen Kabel-Internetanschluss auf dem Zimmer habe, ändert meine Meinung nicht. Erstaunlich – jedes Kaff ist online.
Dali ist wunderschön, ein Ort, der noch weitestgehend so erhalten ist, wie vor 200 Jahren in China gebaut wurde. Man ist sehr bemüht die Bausubstanz zu erhalten und saniert nach und nach die alten Häuser. An jeder Ecke lauert ein Fotomotiv, die Restaurants, die Marktkarren, die Menschen – einfach alles ist sehenswert. Die Restaurants gleichen dem Gemüsestand von Kaisers. Unmengen an Gemüse sind aufgetürmt und man sucht sich dann das aus, was man gerne essen möchte. Das wird dann zubereitet. Gelegen ist Dali zwischen einem 40 Kilometer langen See und einer 4000 Meter hohen Bergkette.
Klimatisch ist es für mich hier problematisch, bin ich doch in keinster Weise auf Herbst oder Winter vorbereitet. Dumm, dass es den Ort Dali zwei Mal in China gibt und ich bei wetteronline immer den Falschen betrachtet habe, der, an dem es sonnig und warm ist. Der Abend ist denn auch mit Einkleiden ausgefüllt. Neue warme Regenjacke und vor allem wasserdichte Schuhe, denn es gießt weiterhin wie aus Kübeln. Die Preise sind hier zwar niedriger als in Deutschland, aber dennoch im Vergleich zum Rest Chinas extrem hoch. So sprenge ich – mal wieder – mein Budget. Aber dafür ist mir jetzt warm. Zwischendurch kommt mir der Gedanke Tibet vielleicht abzublasen, denn dort regnet es laut Wettervorhersage auch permanent. Allerdings kann ich das nicht noch weiter schieben, da es auf den Winter zugeht und ich nicht noch mehr Klamotten kaufen kann – mein Rucksack liegt hinsichtlich des Platzes in den letzten Zügen und ich weiß nicht, was ich noch wegschmeißen kann. Goldene Regel - für jeden Neuzugang muss etwas aussortiert werden. Na, dann mal schnell die Bücher lesen, die ich noch im Gepäck habe....

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Na, lieber Yobond, da ist die Deutsch-Jabi aber doch einigermaßen erstaunt, dass als erstes die Bücher aussortiert werden und Platz schaffen sollen durch Wegwerf und überhaupt- Goldene Regel-kenn ick janz anners: Was du nicht willst, das man dir tu...das füg auch keinem Büchlein zu!
Deine Deutsch-Jabi

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