Der Welt hoechster See
Ein wenig scheine ich mich an die Höhe zu gewöhnen. Dank der chinesischen Kräuterkapseln vielleicht? Ganz fit entspringe ich dem Bett um zu meiner heutigen Tour zum Lake Namtso aufzubrechen. Dorthin sind es etwa 200 km und daher geht die Reise sehr früh los. In der Nacht hat es in Lhasa gewittert und heute früh sind die Gipfel der Berge ringsherum mit Schnee bedeckt. Sehr hübsch. Es ist kühl, die gestern eingetauschten Schuhe (meine gerade erst vor einer Woche Erworbenen drücken fürchterlich) sind die Anschaffung wert. Eine Winterhose ist dann wohl heute Abend an der Reihe. Die Fahrt geht durch verschiedene Täler nördlich von Lhasa. Ich fühle mich als würde ich gerade auf dem Weg in den Skiurlaub sein - es ist bewölkt und im Hintergrund sieht man die schneebedeckten Gipfel in den Wolken verschwinden. Nach und nach lockert die Bewölkung auf und die Sonne kommt vereinzelt durch. Erster Stopp an einer heißen Quelle. Dort sitzen die Einheimischen und verkaufen frisch in der Quelle gekochte Eier. Ein sehr touristisches Schauspiel, fürs Fotografieren wird kräftig abkassiert. Da hat sich die Anschaffung eines Teleobjektivs ja gelohnt. Teilweise gelingen mir tolle Aufnahmen. Die Reise führt weiter durch unendlich weite Grassteppen, bevölkert von tausenden Yaks, den Kühen mir der Langhaarfrisur, Ziegen und Schafen. Zwischendurch queren sie immer wieder die Straße. Nach stundenlanger Fahrt immer weiter bergauf erreichen wir endlich den See, ein weiterer Superlativ, denn es ist der höchstgelegene der Welt. Auf einer Höhe von 4678 Metern über dem Meeresspiegel erstreckt er sich zwischen Grassteppe und schneebedeckten Bergen. Ein wahrhaft spektakulärer Anblick. Überhaupt ist hier alles Postkarte. Mir kommt der Gedanke, dass die Postkarten der Welt alle hier produziert werden. Kamera hinhalten und schon hat man ein vorzeigbares Bild - selbst ohne das Können eines Profis. Hilfreich sind die Tibeter, die hier alle Bildmotiv spielen. Big Business. Von der "zahnlosen Alten" über Typ "schmuddliges Kind" bis zur Variante "Yak an Spiegel vom See vor Berg an Hauch von Schnee" ist alles zu haben. Wieder ein sehr touristisches Spektakel, wobei das auch okay ist - Touri hat sein Motiv und Tibeter sein Geld. Allerdings muss man sich schon vorsehen, sonst wird man arm. Und das Zahlen zu verweigern endet mitunter in einem Steinwurf Zielrichtung Kopf des Gläubigers. In zwei Stunden ist mein Kameraspeicher jedenfalls schon wieder voll und diese Mal werde ich alles sofort auf DVD brennen. Die Luft hier oben ist um einiges dünner als in Lhasa und es strengt sehr an herumzuwandern. Meine drei Liter Wasser sind schon alle und zu kaufen gibt es dummerweise nichts. Ich bin am Verdursten. Aber auch wieder gut, denn dann muss ich nicht wieder so dringend aufs Örtchen, wie auf der Hinfahrt. Da war ich kurz vorm Platzen und habe arg gelitten. Zurueck durchs tibetische Hochland an den Yaks vorbei wundere ich mich wie diese Tiere hier ueberleben koennen, denn Gras ist uebertrieben, es handelt sich eher um Moose und sehr kurze Graeser. Sie gedeihen aber dennoch praechtig, was man in den Schlachtereien sehen kann. Sehr fleischig und sehr unhygienisch. Alles wird auf dem Boden, manchmal mit alten Kartons als Unterlage, zerteilt und dann aufgehaengt. Einige Teile werden zu Hackfleisch verarbeitet. Ich fuer meinen Teil habe jedenfalls beschlossen, dass ich die naechste Zeit Vegetarier sein werde.
In Lhasa angekommen fuehle ich mich sehr sehr schlecht. Meine Erkaeltung wird immer schlimmer und die Hoehe hat mich heute umgehauen. Kopfschmerzen, Konzentrationsstoerungen, allgemeines Genervtsein. Werde morgen zusehen, dass ich eine Loesung finde. Weiterfahren auf niedrigeres Niveau – sprich Nepal.
In Lhasa angekommen fuehle ich mich sehr sehr schlecht. Meine Erkaeltung wird immer schlimmer und die Hoehe hat mich heute umgehauen. Kopfschmerzen, Konzentrationsstoerungen, allgemeines Genervtsein. Werde morgen zusehen, dass ich eine Loesung finde. Weiterfahren auf niedrigeres Niveau – sprich Nepal.
Auch meinen technischen Geraeten bekommt das Klima nicht. Jetzt hat sich auch mein Ipod verabschiedet. Bitte wenden sie sich an den Kundendienst. Zu guter Letzt ist auch mein USB-Stick nicht mehr verwendbar...
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Liebe Grüße S.