Organisationschaos


Tibet ist anstrengend. Den gesamten Vormittag und den halben Nachmittag bin ich damit beschäftigt die nächsten Tage zu organisieren. Um in den Potala zu kommen braucht man – logisch – ein Ticket. Das aber kann man nur im Voraus erwerben, also nicht am selben Tag kaufen und hineingehen. Das oft Befürchtete bewahrheitet sich nun für China-Tibet: Schlange stehen, eine Disziplin, in der ich noch nie gut war. Gottseidank sind für die Warterei Bänke aufgestellt, so dass die 2 Stunden erträglich sind. Man erwirbt sich jeweils am Vortag eine Kaufoption über ein Ticket zu einer bestimmten Uhrzeit für den folgenden Tag. Das hätte ich schon mal erfolgreich erledigt.
Weniger erfolgreich sind meine Bemühungen eine Reise zur nepalesischen Grenze zu organisieren. Es gibt die Möglichkeit eine Tour mit 3 weiteren Reisenden in einem Jeep mit Fahrer bei einem Reisebüro zu organisieren. Die Organisation wird aber den Reisenden selbst überlassen. Man muss an Pinnwänden Gesuche studieren, dann per Email Kontakt aufnehmen und eventuell erfolgreich eine Vierergruppe auf die Beine stellen. Erst wenn das alles komplett ist, organisiert das Reisebüro die behördliche Genehmigung in diesem Polizeistaat. Das geht natürlich nur Wochentags zwei Tage im Voraus. Außerdem muss der Jeep im Voraus gebucht werden, was allerdings erst geht wenn 1. alle Reisenden zusammengetroffen sind und 2. das Permit vorhanden ist. Das Permit beantragt das Reisebüro aber erst, wenn der Jeep gebucht ist. Eine solche Tour zu organisieren kann also gut zwei Wochen dauern. Kurz: Die Reise ist immer dann einfach, wenn sie in einem Schaltjahr gebucht wird und gleichzeitig am 15. Mai minus 20C herrschen und die Osterglocken blühen! Ich verabschiede mich von der Idee eine solche 3-5 Tagestour zu unternehmen und beginne nun nach einer Ein-Tages-Direkttour zu fragen. Wann denn ein Jeep fährt? Antwort: Das kommt drauf an. Frage: Worauf? Antwort: auf den Fahrer. Frage: Inwiefern? Antwort: Ob der Lust/Zeit hat. Frage: Wie finde ich das denn heraus? Antwort: Der Fahrer kommt vielleicht die Tage vorbei. Frage: Könnten Sie das vielleicht in Erfahrung bringen? Antwort: Nein.
Nach 5 Reisebüros platzt mir der Kragen! Ignorante A.......... Tibet als Individualreisender zu erkunden kostet einen Zeit und Nerven, die ich beide derzeit nicht habe, denn ich muss bis Donnerstag China verlassen haben.
Immer noch malat kostet mich das all meine Energie und ich versuche mich im Hotel auszukurieren. Die Entscheidung fällt beim Abendessen mit drei einschlägigen Herren und einer Deutschen. Ihre Erfahrungen decken sich mit meinen. Die vier haben sich zufällig schnell gefunden, so dass deren Tour steht, doch sie haben von vielen Touristen gehört, die sehr enttäuscht wieder abreisen. Auch ich werde mich Morgen um einen Flug nach Kathmandu bemühen. Dort gibt es auch schöne Berge und die Dienstleistungsgesellschaft ist wesentlich ausgeprägter als hier. Schade eigentlich. Ein so unglaublich schönes Land und es wird einem nicht ermöglicht dieses auch frei zu erkunden. Ein Polizeistaat halt. Was man in China selbst kaum nicht so offensichtlich mitbekommt – hier ist es allgegenwärtig: Überwachung, Polizeikontrollen, kleine Menschen, die plötzlich ganz groß sind und ihre Macht auskosten. Allerdings muss erwähnt werden, dass die schärferen Kontrollen erst wieder seit Mai eingeführt worden sind, da ein paar US-Amerikaner der Meinung waren mithilfe des Verbrennens einer chinesischen Flagge in Lhasa die Demokratie in Tibet einführen zu können. Tja die lieben Amis - weltweit aktiv...
PS: kleiner Landschaftseindruck vom See von gestern

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