Partykrach

Wenn Chinesen essen gehen, dann ist das für den westlichen Zuschauer ein Erlebnis der besonderen Art. Gestern durfte ich Zeuge sein. Mit einem weiteren, sehr sehr netten dänischen Pärchen, das ich bei den Pandas traf, ging es in ein klassisches chinesisches Restaurant. Wie beschreibt man das? Man nehme die Geräuschkulisse eines Lehrerzimmers in den Pausen. Jeder ist dort Mittelpunkt und muss das mithilfe von Lautstärke unter Beweis stellen (wie ruhig ist es dagegen normalerweise in den Klassen selbst!). Nicht anders bei den Chinesen. Man spricht nicht miteinander – man schreit sich an! Man hat eigentlich gar keine andere Möglichkeit sich verständlich zu machen. Sollte im Hintergrund Musik laufen – keine Chance diese auch zu hören. Alle sitzen entweder an einem großen runden Tisch, der bis zu 10 Personen fasst oder mitunter auch an kleinen 4 Personen Tischen. In den hier häufig anzutreffenden Hot Pot Restaurants ist in der Mitte eine Vertiefung eingelassen, in die ein Gaskocher eingebaut ist. So eine Art Vorrichtung für ein Fondue. In die Mitte wird dann eine große Schüssel mit dem „Fondue“ gestellt. Sehr beliebt ist eine heiße ultrascharfe Chilisauce. Die köchelt dann so vor sich hin und man schmeißt alle Zutaten nach und nach hinein. Jeder fischt dann das ihm Genehme mit den Stäbchen aus der Schüssel. Man sagt den Chinesen nach, dass sie alles essen was vier Beine hat – mit Ausnahme von Tischen und Stühlen. Sollten Knochen vorhanden sein – kein Problem: es gibt ja den Fußboden! Dort landet alles, was nicht erwünscht ist oder essbar ist: Servietten, Zigarettenkippen (warum sollte man einen Aschenbecher schmutzig machen?), allerlei Essensreste und vieles mehr. Im Laufe des Abends entsteht aus diesem Unrat dann ein prächtigerMittelgebirgszug, der anschließend flink von den Unmengen an Kellnern wieder abgetragen wird. Spielregeln beim Essen: keine! Alles ist erlaubt – der Nikotinangriff auf den noch essenden Nachbarn, die Schlürfattacke im Kampf gegen die sich wehrende Nudel, die Verwendung der Hände im Fall, dass die Teigtasche auch nach dem hundertsten Versuch wieder aus dem Stäbchen-Zangengriff herausrutscht. Rotzen und Rülpsen konnte ich nicht ausmachen, was aber nicht heißen muss, dass es nicht stattfand. Vielleicht habe ich es schlichtweg überhört. Derweil wird gebrüllt was die Kehle hergibt. Vorzugsweise direkt in die Schüssel unter sich, da man möglichst nahe am Essen sein will und muss – wird dadurch doch der Transportweg abgekürzt (das arme Huhn – nu isses schon tot und wird auch noch zusammengebrüllt). Zu guter Letzt schaufelt man eigentlich nur noch die Reste mit den Stäbchen direkt in das Mundwerk. Nicht wirklich verwunderlich, dass so manches europäische Hotel inzwischen dazu übergegangen ist den Essensbereich in ihrer Einrichtung aufzuteilen – ein Bereich für die Chinesen und einer für alle anderen….
Als ich das Restaurant verlasse klingeln mir die Ohren und ich bin froh wieder lediglich von der Huperei des Straßenverkehrs umgeben zu sein. Wir werden von der Bedienung verfolgt und schließlich eingeholt. Sie bringt uns die 4 Yuan, die wir als Trinkgeld zurückgelassen hatten. Sie gibt uns das Geld und wehrt sich dagegen es anzunehmen. Erstaunt nehmen wir zur Kenntnis, dass es absolut unüblich, ja sogar unerwünscht ist, Trinkgelder zu geben. Dabei haben wir für drei Personen für ein mondänes Essen über fast 4 Stunden insgesamt nur 11,30 Euro bezahlt.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Ja, genau dieser Jedanke kam mir ooch schon; Pausen sinn echt anstrengender als der Unterricht selbst, und ick jehe viel heiserer ausse Pause als ausn Unterricht und jenau deswejen finde ick, sollten wir balle een Wok in unsern schicken Tisch einlassen, denn unappetitlich, verschmiert, bekleckert iss er sowieso und darunter erst! Die von dir beschriebenen Häufchen kann ick dir ooch zeijen - also das neue Restaurantprinzip wird denne wohl Lehrer und Chinesen separieren vom kulturvollen Rest der Menschheit.
Jrüße vonne Deutsch-Jabi
Anonym hat gesagt…
DE JABI WAR SCHNELLER; HAT ABER ALLES JESACHT, WAT ZU SACHEN IS
DEENE SAUNATANTE

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