Scheiterhaufen

Etwas morbides hat der Ausflug zum wichtigsten Hindu-Tempel von Nepal, der gleich am Stadtrand von Kathmandu liegt. Es ist der Tempel, in dem die Toten der Stadt beerdigt oder besser verbrannt werden. Der Tempel liegt am Fluss, stirbt jemand, so wird er noch am selben Tag zum Tempel gebracht, eine Messe wird zu seinen Ehren gegeben. Draußen sind die Unberührbaren bereits damit beschäftigt den Scheiterhaufen auf den Plattformen am Fluss aufzuschichten, nicht ohne ordentlich Brennpaste mit einzubauen. Die Leiche liegt in weißes Tuch gehüllt daneben und harrt ihrer weiteren Behandlung. Die Trauergemeinde nimmt Aufstellung und jeder bedeckt den Leichnam mit einem orangenen Tuch. Später, auf dem Holzstapel liegend geht der Abschied weiter. Alle Trauernden umkreisen den Leichnam drei Mal (und häufiger) im Uhrzeigersinn und geben ihm Geld und Getreidekörner mit auf den Weg. Der Sohn ist nun derjenige, der den Holzstapel anzünden muss. Ein unter die Haut gehendes Spektakel. Innerhalb von 3-5 Stunden, abhängig vom Wohlstand des Toten, ist dann der irdische Überrest in Asche aufgegangen auf dem Weg ins nächste Leben. Die Asche wird am Ende in den Fluss gefegt. Das wars....
Draußen fährt die Ambulanz vor und liefert den nächsten Toten. Direkt aus dem Krankenhaus, noch mit dem Tropf am Arm auf der Bahre. Alles geht hier ganz flott. Das Verbrennen am Tag des Todes lässt kaum Zeit für die Hinterbliebenen Abschied zu nehmen. Vielleicht ist das ja auch gar nicht so schlecht. Etwa 80% der Nepalesen sind Hindus und verlassen die Erde auf diese Weise. Sehr berührt von den Bildern wandere ich weiter durch die Tempelanlagen, die viele weitere Bilder liefern. Heilige Männer, die Sadus, hocken herum. Sie sind wild geschminkt, so dass es einen fast ängstigt, machen nicht wirklich etwas, vielleicht ein wenig die heiligen Kühe herumtreiben, und ansonsten sind sie vom vielen Kiffen breit. Auch nicht die schlechteste Perspektive als Profession....
Der Rest der Anlagen wird von den Affen bevölkert.
Nach so viel Tod und Verwesung ist der Abend dann wieder der Stadt gewidmet. Organisation der nächsten Tage und Besuch in meinem Stammrestaurant, einem Restaurant auf dem Dach eines 8-stöckigen Hauses. Man hat einen prächtigen Blick über die Stadt und die Berge. Nach all dem Tod heute sehr entspannend.
Die Niederlage meiner Abwehr in den gestrigen Meisterschaften scheint sich ein wenig zu legen. Jedenfalls bin ich zuversichtlich am Sonntag wieder fit zu sein. Dann nämlich ist eine 10-tägige Wanderung durchs Langtang-Gebiet geplant. Mit Führer und Träger. Sehr feudal.
Kathmandu vorübergehend zu verlassen ist mir gerade recht, denn die Maoisten machen mal wieder Ärger. Sie haben die 8 Parteien Koalition vor drei Tagen verlassen. Die ersten Demonstrationen sind bereits durch die Stadt gezogen und ich bin mir gerade nicht sicher wie es hier weiter gehen wird. Die Nepalesen sagen, dass das derzeit nicht besorgniserregend sei. So stand es auch in der Zeitung. Die Maoisten ließen die Touristen wissen, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gäbe. Sie stünden weiterhin zu ihrem Versprechen Frieden zu halten. Dennoch bin ich froh etwas aus dem Trubel herauszukommen.

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