Strahlender Sonnenschein

Na, geht doch: Früh morgens scheint die Sonne blendend vom Himmel. Da kommen meine Pläne ja vollständig durcheinander: hatte wie die letzten beiden Tage mit Regen gerechnet, so dass ich am Vormittag den Nachmittag und die nächsten Tage hätte planen können. Muss ich spontan los, greife meinen Kompass und wandere immer Richtung Westen. Und das geht hervorragend. Ich treffe auf den Affentempel, der seinen Namen, ihr dürft raten, den Affen verdankt. Wilde Horden durchstreifen die Anlagen und wenn man sie so beobachtet – wir Menschen sind ihnen erschreckend ähnlich. Ich erinnere mich an eine mir gut bekannte Profession!

Die Tempelanlagen besuchen des Morgens die Frauen mit einem Tablett. Sie servieren kein Frühstück, sondern bringen dem Allerwertesten Opfergaben. Damit der dort oben, unten oder wo er auch immer stecken mag, das auch mitbekommt, hängen bequemerweise vor der Opferstelle Glocken, die dann geläutet werden. So läutet es über den gesamten Tag in der ganzen Stadt, denn sie ist, wie schon beschrieben, voll von Tempeln. Eine praktische Angelegenheit das mit den Glocken – so wird man nicht übersehen. Wobei ich glaube, dass die Gottheit dann, angesichts der tausenden von Glocken, die er zu beachten hat, schnell überfordert sein dürfte – ist ja nicht mehr ganz jung. Und wenn er dann tatsächlich schaut sind die Opfergaben auch schon wieder weg – geplündet von den Affen.

Um zu meinem nächsten Ziel, nach Potan, der südlich an Kathmandu grenzenden Stadt zu kommen, nehme ich mir einen Schuhkarton. Man nehme den Fiat Panda und halbiere ihn – heraus kommt die Suzukitaxe, die hier durch die Straßen brettert. Als Fußgänger hat man hier schlechte Karten. Benötigte man in China nur einen 180° Radar, ist nun die Eulentechnik gefragt: Kopf um 360° rotieren lassen. Die Motorradfahrer – die schlimmsten – haben links und rechts vom Knie alle ein Stahlgestänge als Aufprallschutz vor den gerammten Hüften, Köpfen, Armen usw. Da hilft nur Fatalismus. Kopf rotieren lassen und hoffen, dass man schadlos davon kommt. Überfährt man hier einen Menschen, dann muss man eine Geldstrafe zahlen, das war es.

In Potan gibt es ebenfalls einen Durbar-Square. Der sieht auf den ersten Blick aus wie der in Kathmandu, ist allerdings noch eine Idee ursprünglicher und weniger überfüllt. In einem kleinen Restaurant auf dem Dach eines der angrenzenden Häuser esse ich zu Mittag. Ich esse hier nicht, ich fresse! Alles ist so unglaublich schmackhaft. Ebenso wie die Menge der Ethnien hier sieht die Küche aus. Für 10 Euro am Tag esse ich drei Mal mondän und zwar jedes Mal so viel, dass ich – ich! – nicht alles aufgegessen bekomme. Die pubertäre Speckrolle, gerade in Lhasa abgebaut, wächst schon wieder. Beim Wandern durch die Gassen wird man auf Schritt und Tritt ans Essen erinnert. Es riecht wunderbar nach allen möglichen Gewürzen, nach Räucherstäbchen, gekochtem, gegrilltem, geräuchertem. Einfach lecker. Das ist das Drama, dass man das noch nicht mit auf ein Foto bekommt. Die Atmosphäre gleicht in vielerlei Hinsicht den arabischen Städten und Märkte. Dabei sind die Nepalesen jedoch weit weniger aggressiv. Sie kommen oft auf einen zu und wollen etwas verkaufen/anbieten. Aber es ist immer charmant vorgetragen und witzig, eher wie ein Flirt. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Die Menschen sind faszinierend. Der Friseur schneidet mir die Haare für 50 Cent, wobei ich schon einen 50%igen Aufschlag bezahle. Meine Angst, dass ich dann auch nach 50 Cent aussehen werde, bewahrheitet sich überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ohne viel Gedöns – Schermaschine, Puder, Fön oder gar Haargel – schnippelt er mit einer etwas stumpfen Schere mit stoischem Blick und ohne dummes Gequatsche, dabei, ob meines misstrauischen Gesichts, ein verschmitzes Grinsen im Mundwinkel, in kürzester Zeit einen wunderbaren Schnitt.

Die Sonne ist untergegangen, der Strom ausgefallen, aber die Sonne strahlt immer noch...

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Hallo Jürgen,nur um mal wieder die Deutsch-Jabi raushängen zu lassen: jute Lektüre für Affenfans= R.Musil "Die Affeninsel", ansonsten jehts mir bei deiner Lektüre immer wie in früheren Kinderjahren, als ick die "Fünf Freunde" gelesen habe... ständig tropft mir der Zahn un ick krieje so dermaßen Jeschmack...HUNGER!

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