Zug nach Kunming

Die Zugreise beschert mir dieses Mal eigentlich ein eigenes Abteil. Eigentlich, weil die dritte Klasse das Abteil mitten in der Nacht lautstark kapert, denn ich Dussel habe nicht abgeschlossen. Am nächsten Morgen erst wird es durch das Zugpersonal entdeckt und die Herrschaften werden rausgeschmissen.
Leider gibt es keine Möglichkeit die Klimaanlage abzustellen oder zumindest runterzudrehen. Meine Erkältung wird daher wohl noch ein paar Tage länger anhalten. Zu berichten gibt es nicht so viel, denn die Zugfahrt unterscheidet sich nicht wirklich von den anderen, bis auf die Tatsache, dass sie dieses Mal bedeutend länger dauert – 18,5 Stunden bei 1422 Kilometern nach Kunming. Warum das trotz der Tatsache, dass ich in einem Schnellzug sitze, so lange dauert, wird mir erst am nächsten Morgen klar. Die gesamte Strecke führt durch Berge hinauf auf Hochebenen. Bis der Zug sich erst einmal da hinauf gequält hat vergeht einige Zeit. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass wir eigentlich beständig eine leichte Steigung nehmen. Jedenfalls hänge ich immer in einer leichten Neigung im Bett. Man sollte vielleicht vorher mal genauer über den Ort nachlesen, an den man reist. Dann hätte ich vorher bereits gewusst, dass Kunming auf 2000 Metern in einer Hochebene liegt. Nach meinem Bergdorf mit knapp 1000 Metern nun eine Verdoppelung. Mein Tibettraining schreitet voran. Bei dem Tempo könnte ich ja fast morgen schon nach Lhasa weiter reisen.
In den letzten drei Stunden führt die Reise fast ebenso häufig durch Tunnel wie durch offene Landschaft. Kunming selbst entspricht dann dem derzeit sehr herbstlichen Berlin. Grauer Himmel mit Nieselregen und „kühle“ 20°C. Etwas ganz Neues für mich, denn in den letzten 2 Monaten hatte ich immer so um die 30°C. Auch mal hübsch. Da bin ich doch entzückt über die Tatsache, dass die heiße Dusche im Hostel funktioniert. Mein Pullover – schwer vernachlässigt – kommt wieder zum Einsatz. So langsam muss ich wohl im Hinblick auf die weiteren Stationen über die Anschaffung von Winterklamotten nachdenken.
Erstaunlich ist die Preisentwicklung der letzten Woche. An jedem Ort wurde es noch einmal eine Idee billiger. Das Hostel kostet hier nur noch 9,50 € für ein schönes, sauberes Doppelzimmer.

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