Ausreise - Einreise
Überpünktlich bin ich am Flughafen, obwohl das als Standby nicht unbedingt notwendig ist, da die Entscheidung über die Mitnahme eh erst kurz vor Abflug entschieden wird. Nun gestaltet sich aber mein heutiges Unterfangen etwas schwieriger, da ich ja überhaupt kein Ticket für KTM-BKK habe, sondern von Delhi nach Bangkok. (Einfach liegt mir eben nicht!) Am Check-In Schalter die erwartete gefurchte Stirn und dann der Marsch durch die Institutionen. Sicherheitsaspekte werden für mich Sonderfall offenbar ganz beiseite geschoben. Ich wandere über das Transportband am Check-In Schalter durch alle möglichen Flughafensperrgebiete um den Thai Airways Vor-Ort-Verantwortlichen zu sprechen. Kein Problem sagt er und gibt damit die von mir erhoffte Antwort. Ich warte also wieder und werde dann erstaunlich früh zum Einchecken aufgefordert. Das Ticket wird also akzeptiert. Freude. Auf zur Ausreise, die mir einen Hakenkreuzstempel in meinem schönen Pass einbringt. Adieu ihr Daheimgebliebenen, nun kann ich nicht mehr nach Deutschland einreisen ohne direkt festgenommen zu werden. Schließlich gehts noch durch eine ganze Batterie von fragwürdigen Sicherheitsmaßnahmen und irgendwann dann auch quer über das Rollfeld zum Flieger. Schön, ihn mal aus der Nähe zu sehen. Diese Bordbrücken verbergen immer die Mächtigkeit eines großen Flugzeugs. An Bord mache ich es mir gemütlich, verteile meine Siebensachen für den Flug und halte einen netten Plausch mit meinem indischen Sitznachbarn. Jetzt kann ich ja auch schon mal das thailändische Geld umpacken. „Sind Sie Herr Schultz?“, tönts von rechts. „Ja“, antworte ich. „Haben Sie ein Gepäckstück aufgegeben?“ Wieder antworte ich: „Ja“. „Dann packen Sie bitte Ihre Sachen ein und kommen Sie mit“. Vollständig vor den Kopf geschlagen packe ich meine Sachen und dann laufen alle möglichen schlimmen Szenarien durch meinen Kopf. Jetzt werde ich festgenommen! Offensichtlich denke nicht nur ich so, die anderen Passagiere beginnen schon zu tuscheln! Au weia. Aber was habe ich verbrochen? Ist etwas von Muttis Hanfplantage in mein Gepäck geraten? Bin ich versehentlich zum Fluchthelfer für einen Blutegel geworden? Hat mich ein Kind angezeigt, weil es bei meinen Spenden zu kurz gekommen ist?
Mein „Entführer“ klärt mich auf, dass sie einen Fehler gemacht hätten und nun ein Platz an Bord fehle. Der Kapitän weigere sich mich auf einem Jumpseat (Platz der Flugbegleiter) mitzunehmen und so müsse ich das Flugzeug wieder verlassen. Bittere Enttäuschung! Weniger über die ausbleibende Festnahme als über die geplatzte Reise....
Nun muss mein Gepäck entladen werden. Da ist man hier pragmatisch. Ich kann schließlich selbst am schnellsten sagen welcher Rucksack meiner ist. So stehe ich auf der Laderampe und schalte die sonst üblichen Zwischenstationen der Gepäckausgabe mal aus. Stehe sozusagen an der „Mutter aller Gepäckausgaben“. Hübsch, doch die Enttäuschung ist mir anzumerken.
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