Manila Day and Night

Was schreibe ich nur, um diese Stadt angemessen zu beschreiben? Flach, meist maximal zweistoeckig und eigentlich komplett ohne Flair. Vereinzelt steht mal ein Hochhaus, welches dann aber ohne den ganzen Glitter der westlichen Hochhaeuser auskommt. Klingt boese, ist aber so. Der Muell tuermt sich in den Strassen, die Menschen betteln, ob alt ob jung ob gut ob schlecht gekleidet. Insgesamt ist dieser Eindruck der staendigen Gefahr gewichen, aber schoen ist diese Stadt dadurch dennoch nicht. Es fehlt diese Exotik, die die meisten Laender/Staedte aufweisen, dieses Neue, sei es durch Fahrzeuge, sei es durch die Menschen. Lieblos traefe es wohl auch. Das einzig faszinierende ist hier, dass alles wirklich spanisch anmutet, nur gefuehlt streckenweise wie Kuba oder die Domrep, aber lange nicht so voller Stimmung und Farben. Kleine langgezogene Busse, die wie gestauchte LKWs aussehen durchfahren die Strassen und die sehen dann wirklich ein wenig exotisch aus. Rikschas gibts in abgewandelter Form, kleine Drahtgestelle, die seitlich an ein Fahrrad oder Motorrad angeschweisst sind. Aermlich und wenig einladend.
Zum Abend gehts dann in das Nachtleben, welches hier sehr verbreitet aus der bezahlten Form der aktiven horizontalen Voelkerverstaendigung besteht. Mein Genre wird durch die Moeglichkeit angereichert in die Disse zu gehen, in der sich das Ganze dann durchmischt, also auch die Moeglichkeit der unbezahlten Voelkerfreundschaft eroeffnet. Ich darf die beste Dragqueen, die ich bisher gesehen habe, bei ihrem Auftritt bewundern. Zwar mag ich derlei nicht mehr sehen - Uebersaettigung - aber die war jetzt wirklich gut. Der Rest ist business as usual. Diese Form des Nachtlebens ist wohl identisch auf der gesamten Welt. Und da ist er auch schon, der philippinische Matrose! Es ist wirklich so. Etwa 10 Millionen Philippinen sind permanent ausser Landes auf See. Dieser dient als Kellner auf der AIDA und versorgt vornehmlich alte Deutsche auf Kreuzfahrten. Nun hat er 4 Wochen frei bevor es wieder fuer 11 Monate auf See nach Europa geht.
Alte Deutsche, aber auch die Alten (und sicher auch Juengeren) anderen Einwohner der westlichen Welt versorgt auch ein anderer Kandidat, der sich mit mir unterhaelt. Wenn auch die "Versorgung" in diesem Fall etwas anders gestaltet ist. Stolz erzaehlt er mir von seinem Werdegang, dass er mit 13 sein "business" begann und seither mehrfach nach Europa, in den Schwarzwald und nach Helsinki, eingeladen worden sei. Nun ist er 17, sieht aber immer noch aus wie 14 oder so. Derweil hoffe ich instaendig, dass nicht gerade jetzt irgendso ein deutsches Fernsehteam dabei ist eine Reportage ueber die Philippinen zu drehen!
Kurz und knapp - ich bin den ganzen Abend brav, amuesiere mich praechtig und gehe brav alleine nach Hause.

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