Urlaub auf chinesisch
Mangels attraktiver Besichtigungsmöglichkeiten in Manila mache ich das, was meine chinesischen, japanischen und koreanischen Mitreisenden hier überwiegend, neben dem Kauf von Viagra, tun: ich fröne der Spielleidenschaft und gehe ins Kasino. Da in China das Spielen verboten ist, findet man in ganz Südostasien Casinos, die dieses Defizit ausgleichen helfen. Ganz gesittet mit umgerechnet 15 Euro ausgestattet tue ich es den Chinesen gleich und verbringe ein paar spannende Stunden damit diesen Betrag zu vermehren. Ganz nebenbei ergeben sich nette kleine Beobachtungen. Zum einen ist die Spielsucht offensichlich weltweit zu finden und die Auswirkungen ähnlich. Ein wenig verspüre ich Mitleid mit den verschwitzten, nervös auf die Spieltische starrenden und ihre Urlaubskasse reduzierenden Spielern. Wobei ich zugeben muss, dass mir diese Symptome durchaus in Ansätzen vertraut sind.
Ich wusste gar nicht, wie viele Spielchips ein einziger Roulettetisch fasst. Stapelweise werden jedenfalls auf das große Glück gesetzt, was wie immer das große Glück der Bank ist. Und kurz bevor die Kugel fällt werden blitzschnell weitere Stapel gesetzt als hätte man just in diesem Moment noch DIE Eingebung und könnte das Glück erzwingen. Meine Spielerei bringt mir ein Tagesbudget ein – immer schön gesittet auf 50:50 Chance. Das mag aber auch an den sehr unfähig wirkenden Croupiers liegen, denen man ihre Schwierigkeiten beim Rechnen förmlich ansieht. Es wirkt jedenfalls wenig professionell wie hier agiert wird, denn die Auszahlung dauert sehr lang. Immerhin beherrschen sie anscheinend die Spielregeln, ist ja auch schon etwas. Alles wirkt wenig professionell. Die Roulettetische erwecken den Eindruck als seien sie vor 30 Jahren in Las Vegas aussortiert worden.
Immerhin, das teure Hotel in Manila wird durch meinen Gewinn etwas relativiert. Den Rest des Tages verbringe ich mit Fernsehen. Al Dschazirah oder wie immer man den Sender schreibt, bietet mir eine vollständig andere Sichtweise auf die Welt, die argumentativ gar nicht so schlecht ist. Zwar schließe ich mich nicht unbedingt der Argumentation an, aber eines wird auf unangenehme Weise klar: man könnte es auch so sehen! Entsprechend kann man die Berichterstattung der westlichen Medien auch als Manipulation sehen.
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