Altweibersommer
Fast erscheint es mir als sei ich derzeit in einer europäischen Stadt im September/Oktober bei diesem herrlich weichen und warmen Sonnenlicht. Es fehlt lediglich die Laubfärbung und auch die vielen Asiaten um mich herum stören das Bild ein wenig. Bei 25°C tagsüber und „lauen“ 20°C am Abend lässt es sich aushalten. Mein Hotel wechsel ich am Morgen und siehe da – massenhaft erschwingliche und schöne Zimmer. Soll ich wirklich ins „Asia-Queen“ ziehen? Eigentlich passend, aber ich entscheide mich fürs „Prince“. Ein ausgiebiges Frühstück in einem Straßencafè stärkt für den Tag. Auf einem gefühlten Sonntagnachmittagsspaziergang erkunde ich die Stadt, lasse mich eine Stunde von einem netten Rikschafahrer durch die Gassen und Straßen kariolen und sauge die Eindrücke auf. Leider auch die Abgase der Mopeds... Mir ist irgendwie nach Eis, warum eigentlich? Bis mir schließlich auffällt, dass die Glocke der Rikscha genau denselben Klang hat wie der Eismann. Die Töne der verschiedenen Fahrzeuge sind mitunter gewöhnungsbedürftig. Ein Moped hinter mir hat die Tonanlage eines LKW eingebaut – vor Schreck mache ich einen Hüpfer, ebenso mein Herz. Der Gesundheit zuträglicher ist da der Hahnenschrei des nächsten Mopeds, denn Lachen ist ja gesund. Es gackert auf der Straßenkreuzung. Auch nicht schlecht ist der Bus, der beim Rückwärtsfahren Jingle Bells trällert, obwohl es nicht gerade weihnachtlich anmutet in diesem Teil der Welt. Nichts ist hier reguliert. Jeder baut seinen eigenen Hupton ein. Eine Geschäftsidee fürs Internet – Huptöne zum runterladen. Ich würde derzeit Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ verwenden. Drückt ein wenig meinen Seelenzustand aus. In Deutschland im November wäre „This is the end“ von den Doors passend. Ach, absurde Welt manchmal - dank Deregulierung.
Von so viel Tönen animiert folgt ein Stopp in der Eisdiele am See. Weiter gehts zu Fuß durch größere Straßen hin zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Oper – könnte auch in Paris stehen – irgendwelche Theater und Museen, ebenfalls wie in Europa. Szenenwechsel: wieder in die Altstadt, in der man alles kaufen kann was das Herz begehrt – überflüssig die vielen Schuhe zu erwähnen. Leider bin ich was das Einkaufen betrifft furchtbar eingeschränkt. Klagen kann man ja immer über irgendetwas.
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