Auf den Spuren des Vietcong
Früh aufstehen ist ein Graus, auch auf Reisen. Aber der frühe Vogel fängt den Wurm bzw. den Vietcong, obwohl das die Amerikaner in Vietnam eben nicht geschafft haben und ich denke sie sind durchaus früh aufgestanden und wohl häufig auch erst gar nicht zum Schlafen gekommen. Denn der Vietcong war eigentlich überall. Das Tunnelsystem etwa 60 km nördlich von Saigon ist heute für die Touristen freigegeben und vermittelt einen guten Eindruck davon wie dieser Krieg damals gelaufen ist – den Rest lese ich mir im Bus an, denn hier gibt es so angenehm viele Buchverkäufer, die illegale Reiseführer, aber eben auch Geschichtsbücher verkaufen. Die Schwierigkeit der USA war eigentlich immer, dass gar kein Feind zum bekämpfen da war. Und wenn er da war, dann war er auch gleich wieder in den Tunneln verschwunden. Das erklärt sehr gut wie die Soldaten der US Armee über kurz oder lang zur Verzweiflung und eben leider auch zu den Massakern getrieben wurden, die sie schließlich angerichtet haben. Es gab nicht den konventionellen Stellungskrieg. Die im Süden kämpfenden Kommunisten – Vietcong getauft – haben sich über die Jahre seit 1945 ein ausgeklügeltes Tunnelsystem gebaut, welches sich in dieser Gegend auf 250 Kilometer bis in die Vororte von Saigon, dem Regierungssitz der von den USA unterstützten Südvietnamesen, erstreckte. Genutzt wurde es so ziemlich für alles im Krieg. Sie kommunizierten dadurch, Nachschub an Waffen und Sonstigem wurde darüber ermöglicht, aber es diente auch als Versteck und als Verbindung zu den Dörfern, die vom Vietcong im wahrsten Sinne unterwandert wurden. Die Erziehungsprogramme der US-Amerikaner und der südvietnamesischen Armee wurden tagsüber in den Dörfern durchgeführt und nachts kamen die Vietcong aus ihren Tunneln darunter und das ganze ging in eine andere Richtung, wobei die Vietcong nicht unbedingt so schwer dafür arbeiten mussten, denn die Sympathien lagen sowieso oft auf ihrer Seite. Teilweise erstreckte sich das Tunnelsystem auch unter US-Basislagern, so dass es ein Leichtes war schnell darunter zu krabbeln, alle abzumurcksen und wie Geister wieder zu verschwinden. Nachdem man das Tunnelsystem entdeckt hatte, versuchte man es natürlich zu vernichten, aber auch das klappte nicht, denn die Tunnel gingen bis zu 10 Meter in die Tiefe, so dass Bomben nicht den erwünschten Erfolg brachten. Die US Soldaten, die es wagten hinabzusteigen, wurden entweder sofort erschossen, fielen in Fallgruben mit angespitzten Bambuspfählen oder sie blieben schlichtweg stecken, denn die Vietnamesen haben die Tunnel so konzipiert, dass sie mit ihrer Körpergröße leicht hindurchwandern konnten, der gemeine Amerikaner aber nicht. An den engsten Stellen misst ein Tunnel gerade mal knapp 60 cm mal 60 cm. Für die Touristen hat man einen Tunnel auf 1,20m Höhe erweitert und man kann etwa 100 Meter hindurchkriechen. Es ist grausam und nichts für Menschen mit Platzangst. Für das Kind im Mann und alle anderen, die nicht willens oder in der Lage sind aus dem gerade gelernten und gesehenen sinnvolle Konsequenzen zu ziehen, gibt es gleich nebenan einen Schießstand, auf dem man(n) einmal schießen kann. Sehr pervers!
Inzwischen sind die Beziehungen beider Länder wieder annähernd normalisiert und man ist wieder dabei militärische Ratschläge zu geben. Dieses Mal allerdings nicht von Seiten der Amerikaner an die Vietnamesen, die US-Armee lässt sich im Dschungel- und Guerillakampf von den Vietnamesen unterrichten....
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