Ausflüge
Da es hier im Moment fürchterlich kalt ist, zumindest für südostasiatische Verhältnisse, nähern wir uns doch der 20°C Marke, bin ich dem Herrn im Himmel dankbar dafür, dass ich für die 2stündige Bootsfahrt meinen Pulli mitgenommen habe. Recht gemütlich tuckern wir auf dem Mehkong durch hüglige Landschaft Richtung Norden. Dabei ist eigentlich der Weg das Ziel, und der ist selbst bei bedecktem Himmel idyllisch, denn das tatsächliche Ziel ist nichts weiter als eine Ausstülpung im Berg, nicht weiter bemerkenswert für den ignoranten West-Touristen. Für die Laoten ist es allerdings ein kleines Heiligtum. Als Luang Prabang noch Hauptstadt und Sitz des Königs war (bis 1975) führte jedes Jahr eine Prozession des Königs zu den Höhlen um Buddha zu huldigen. So sind in den Höhlen im Laufe der Zeit an die 2000 Buddhafiguren aufgestellt worden. Sehr kleine muss dazu gesagt werden. Im Jahre 1975 fand in Laos die Revolution der Kommunisten statt, die, die Russen haben es vorgemacht, den König mitsamt Familie Richtung Norden entführten. Seitdem hat man nichts mehr von ihnen gehört. Sein ehemaliger Palast in Luang Prabang beherbergt inzwischen das Nationalmuseum. Die Handelsbeziehungen zu der UdSSR verbesserten sich in der Folgezeit dann schlagartig, die Bevölkerung wurde um viele Russen erweitert. Zeitweise machten sie 30% der Bevölkerung von Vientian aus. Vom Kommunismus allerdings bemerkt man nicht wirklich etwas, weder existieren irgendwelche Reisebeschränkungen, noch ist der Handel eingeschränkt.
Zurück in Luang Prabang bleibt gerade mal Zeit für einen kurzen Snack und dann gehts in die andere Richtung mit dem Minibus zum Wasserfall. Die Landschaft ist wunderschön, jede Menge Teakholzplantagen liegen am Weg und man fährt durch die äußerst primitiven Ortschaften. Wenig erwartend bin ich höchst erfreut eine absolute Perle an Natur zu sehen. Es ist nicht nur ein Wasserfall, der sich zunächst aus etwa 100 Metern gen Erdboden ergießt, vielmehr plätschert er weiter in mehreren Stufen dem Tal entgegen. Auf jeder Stufe ist dabei ein kleiner Pool entstanden, dieses Mal tatsächlich in türkis schimmernd, in dem man baden kann. In den Pools planschen heute etwas beleibtere Herren.
Das Naturspektakel ist schon der Wahnsinn. Jetzt wird mir klar woher die von Tropical Island und all den anderen Spaßbädern ihre Ideen herhaben. Alles wirkt künstlich und ist doch Natur pur. In Laos wird der Anspruch gepflegt ökologisch reisen zu können. Vieles hat irgendeinen Ökoanteil. Sei es nun, dass Bären gehätschelt werden, Tiger gerettet oder die ganzen arbeitslosen Elefanten (mit Ökosiegel auf dem Rüssel) auf Hartz IV in Ökocamps zusammengepfercht werden.
Um mich herum gedeihen Weihnachtssterne und Engelstrompeten. Absurd! Sollte ich jemals den Wunsch gehabt haben Weihnachten doch in Europa zu verbringen, so ist dieser jetzt gestorben. Die Weihnachtssterne habe ich auch hier und aus den Engelstrompeten kann man sich ja so einen fantastischen Sud brauen.
Meine Freunde, die Blutegel, treffe ich übrigens hier im Dschungel wieder, allerdings stehen heute auf ihrem Speiseplan leckere deutsche, angehende Grundschullehrerinnen, frisch aus dem Froster (gerade aus Europa eingeflogen). Über diese Missachtung meiner Person bin ich jedoch nicht unglücklich....
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