Bei Onkel Ho

Der obligatorische Besuch bei Onkel Ho steht heute auf dem Programm. Ein Blick in das Deutsche-Welle-Programm nach dem Aufwachen treibt mich noch schneller als sonst aus dem Hotelzimmer: Karel Gott im Gespräch und, an Boshaftigkeit nicht zu überbieten, auch noch im Duett mit Dieter Thomas Heck. UAHHH, zum davonlaufen - gruselig! Ist das die nächste brutalstmögliche Aktion um potentielle Einwanderungswillige abzuschrecken? Drehen die jetzt vollständig ab? Die Asylanträge, sowieso schon zahlenmäßig im Keller, dürften jetzt gegen Null gehen. Wer will da schon noch nach Deutschland?

Und es wirkt – ein Rundgang durchs Botschaftsviertel von Hanoi beweist es. Vor der tschechischen Botschaft ein riesiger Menschenandrang, gähnende Leere vor der deutschen Botschaft.

Das Wetter: der Oberwahnsinn – Sonne satt! Ich lasse mich durch die Straßen treiben und lande schließlich vor dem sozialistischen Museumsmonstrum für Onkel Ho. Der Personenkult schlechthin um diesen Menschen. 1990 zu seinem 100sten Geburtstag mithilfe von Geldern der UdSSR fertiggestellt wirkt es wie eine schlechte Darstellung eines Betonufos. Drinnen nicht besser – sozialistische Jurassic-Park-Kulissen rund um das Leben des Revolutionärs. Onkel Ho bei den Bauern, auf dem Parteitag, dem soundsovielten, auf Bulgarienreise usw. usf. In Schaukästen sind die Geschenke der sozialistischen Bruderstaaten ausgestellt. Die Vase der DDR ist, nun, elegant trifft es nicht ganz. Wäre sie ein Weihnachtsgeschenk von der lieben Verwandschaft würde sie das ganze Jahr über wahrscheinlich ein ziemlich einsames, staubiges Dasein auf dem Dachboden fristen und nur zu den verwandtschaftlichen Besuchen wieder in die Wohnung gelassen. Überboten wird sie nur noch von der Vase der Tschechoslowakei.

Ansonsten jede Menge Devotionalien von Ho Chi Minh – seine Latschen, sein Hut, ein Hemd, ich vermisse das Pflaster, das sein Knie bedeckte nachdem er als 9jähriger gestürzt war. Auch ein Nachbau des Zimmers, in dem er während seiner Pariser Zeit lebte, sowie ein Modell des gesamten Hauses sind zu sehen. Kurz: nicht so der Knaller und eigentlich keine wirklich wichtigen Informationen des Menschen, der durchaus glaubwürdig für seine Ziele stand. Nicht zuletzt erkennbar daran, dass er, anstatt im kolonialen Präsidentenpalais zu wohnen, sich lieber eine Pfahlhütte im Park zimmern ließ und dort lebte. Gerne hätte ich ihn in seinem Mausoleum bewundert, doch die sozialistischen Führer scheinen derzeit alle zur Frischzellenkur zu sein. Wie schon Kumpel Mao in Peking ist auch Onkel Ho derzeit zur Aufhübschung, waschen, legen, fönen, ein wenig Botox, Maniküre usw. Armer Kerl, er hatte ausdrücklich in seinem letzten Willen verfügt, dass er ganz normal beerdigt werden möchte. Jetzt ist er dazu verdammt ständig angestarrt zu werden.

Und hier mal wieder, auf Wunsch eines Herren meine Wenigkeit in Touri-Pose. Dazu (endlich) die laotische Nationalblume...

Kommentare

Anonym hat gesagt…
So Jürgen-vielleicht bin ich ja gemeint gewesen-dann wäre es der zweite Versuch Dir etwas zu schreiben. Musik hier besser-aber Wetter? Na ja, da hast Du irre Vorteile. Würde gern mal mitreisen. Aber werde erst einmal heute beginnen mit der Entspannung. Liest Du noch mails?
Alles Liebe aus Haselhorst
Anonym hat gesagt…
Det sieht juuut aus - det Blümelken und du uffm Fodo. Hier is Schnee anjesacht und icke muss inne Sauna eenen andern mitnehm.
Anonym hat gesagt…
Danke - hier sehe ich deutlich ein Loch in der Jeans und abgelatschte Schuhe - aber schnieker Jürgi. Ich habe es einfach ausgedruckt ; - leider nur in sw
Hier ist es doof kalt - habe gleich Schnupfen und muss an diese komischen Vietnam-salben denken in den kleinen roten Döschen - die die anderen deutschen Mitbürger als China-Salbe kennen. Mit der Vase verstehe ich nicht - haben die keine von Bollhagen geschickt?
Und ist der Dieter T. Heck nicht schon gestorben?
Annette

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