Dorfleben und Landschaft

Ein Tag in der Natur und bei den Menschen des Landes. Im wahrsten Sinne. Mit meinem Moped mache ich es wie Stallone und karre entlang eigentlich nicht befahrbarer Dschungelpfade, durch ausgetrocknete Flüsse und zerkratze mir die Arme und Beine, damit ich, nachdem meine Zipperlein (Rücken und Erkältung) gerade erst geheilt sind, ja wieder etwas zu pflegen habe. Tatsächlich befinde ich mich auf der Suche nach den ganzen Höhlen und Lagunen, die in dieser Gegend zu finden sind. Auf dem Weg zur ersten Höhle begegne ich zwei derberen Damen im Military-Look. Man (er-)kennt sich und grüßt. Und um wieder die üblichen Vorurteile abzuarbeiten: sie sitzen auf Motorrädern! Sehr nettes Paar. Die Höhle ist eher enttäuschend. Bis auf einen – hier eigentlich obligatorischen – Buddha sowie zwei Fledermäusen darin gibt es nicht viel zu sehen. Eine Höhle halt. Noch weniger zu sehen gäbe es ohne den geschäftstüchtigen Laoten, der Autobatterien mit einer kleinen Lampe daran vermietet und dabei auch noch seine drei Worte englisch los wird: Bat, Buddha, watch head. Die Autobatterie um den Hals, leicht gekrümmt, trotte ich ihm – eigentlich immer noch nicht soo viel sehend – hinterher. Jedenfalls ist die Höhle nicht gerade dazu angetan meinen Blutdruck ansteigen zu lassen, höchstens im Hinblick auf das Fehlen jeglicher Sicherheitsmaßnahmen, wie z.B. Geländer vor dem 5-Meter-Abgrund.

Also auf zur Lagune! 3 Kilometer weiter weist ein Schild auf eine Lagune und meine Erwartung ist in etwa, dass ich jetzt dort mindestens eine Bo Derek dabei beobachten kann wie sie sich im türkisfarbenen Wasser räkelt. Bo Derek ist es dann nicht, was wahrscheinlich auch besser so ist, bedenke man, dass sie seit ihrer Inbetriebnahme schon einige Jahre auf dem Buckel hat, sondern 5 trichterbrüstige, leptosome Briten, denen es offensichtlich einen Heidenspaß macht Badeanstalt zu spielen. Immer hübsch rauf auf die Palme und hinab ins ungewisse Wasser. Nicht ganz unamüsiert nutze ich das als Hintergrundfilm für mein Mittagessen. Natürlich ist auch die Lagune trotz des bedeckten Himmels hübsch anzuschauen. Eine absurde Wasserfarbe – sieht so blau aus wie Schlumpfeis, irgendwie chemisch. Der Rückweg führt durch 3 Dörfer, fast vollständig unberührt vom Fortschritt, sieht man mal von den Strommasten ab. Die traditionelle Bauweise besteht darin auf Stelzen einen Wohnraum aus Bambusmatten oder Holzbrettern zu installieren. Unten tummelt sich das Vieh, Hühner, Truthähne (ich hasse Truthähne!), Kühe und Ziegen. Vorteil dieser Bauweise: Ungeziefer wird vom Wohnraum fern gehalten. Fast der gesamte Ort scheint nur aus Kindern zu bestehen – alle unter 10 Jahren alt – kaum Erwachsene dazwischen. Die Menge an Kindern ist schon sehr auffällig, sollte das etwas mit den Theorien von Fürstin Gloria zu tun haben, die ja eigentlich nur für die Schwarzen gelten? Alle Menschen, denen ich begegne, grüßen freundlich und sind ungemein nett und offen für Begegnungen. Ich bin mir sicher, würde mein Moped versagen und kein Transport zurück vor Einbruch der Nacht möglich sein, ich müsste nicht draußen schlafen oder hungrig ins Bett gehen.

Den zu viel getankten Sprit verfahre ich dann am späten Nachmittag auf den von den Japanern gesponsorten Straßen in einem dunstigen (Himmel ist bewölkt), dämmrigen Licht einfach so drauf los. Eine eigenartige Stimmung überkommt mich – ich könnte jetzt so weiter fahren, ohne Ende, einfach den Karstbergen und all den folgenden Landschaften entgegen. Die Laoten sieht man am Straßenrand Volleyball, Federball, Fussball spielen. Väter verhätscheln ihre Kinder, Mütter sitzen beisammen und beenden den Tag mit intensiven Gesprächen. Kinder laufen mit ihren selbst gebastelten Harpunen dem Fluss entgegen. Etwas weiter sitzen drei Jungen am Lagerfeuer, sind schon einen Schritt weiter und braten den gerade frisch gefangenen Fisch. Niemand erscheint angesichts seiner Armut unglücklich, eigentlich eher das Gegenteil....

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