Im Mehkong Delta
Südlich von Saigon beginnt das Mehkong Delta, in dem sich der Mehkong quasi zerfasert bevor er das südchinesische Meer erreicht. 9 Nebenarme, unzählige weitere Flüsse und Kanäle durchziehen die Landschaft und man befindet sich eigentlich andauernd entweder auf einer Brücke oder einer Fähre. Um die Landschaft besser zugänglich zu machen sind mächtige Brücken im Bau, die das gesamte Gebiet sicherlich bald verändern werden. Das derzeit beschwerliche Reisen wird ein Ende haben und Tourismus und Industrie werden Einzug halten. Es ist die Reiskammer Vietnams. Vier Ernten pro Jahr sind dort möglich. Sicherlich der größte Beitrag dazu, dass Vietnam zum zweitgrößten Reisexporteur der Welt aufgestiegen ist. Zwei Tage bin ich mit einer organisiserten Tour für einen Appel und ein Ei durch die Kanäle und Flüsse geschippert und habe dabei gelernt wie Bienen Honig produzieren – etwas was ich immer schon mal wissen wollte – wie Reisnudeln hergestellt werden, schon interessanter, und habe einfach vom Boot aus das Leben der Menschen beobachten können. Faktisch dreht sich alles ums oder besser im Wasser. Die Märkte werden auf den Flüssen abgehalten, die Wäsche darin gewaschen, das Gemüse ebenfalls. Aber leider wird auch die menschliche Notdurft in eben diesem Wasser verrichtet, was die Häufigkeit von Turboverdauung bei Touristen und Einheimischen erklärt. Sehr anschaulich führte das ein Vietnamese am Ufer vor Augen, der seine Hose auszieht, rückwärts, die Kniekehlen in das Geländer eingeklemmt, seinen Allerwertesten über dem Wasser platziert und (ab)drückt. Die 10 Meter weiter im Wasser spielenden Kinder stört das nicht, diese den sich Befreienden ebensowenig. Aber es hat schon etwas sehr Eigenes, durchaus exotisches ein derartiges Schauspiel zu bewundern. Zugegeben ist das nicht die Exotik, die viele erwarten. Man müsste sich jetzt noch einmal die Definition für diesen Begriff anschauen....
Ein schöner Ausflug mit vielen Bootstouren, gemütlichen Mittagspausen einschließlich Fototermin mit Riesenschlange um den Hals – ja, ich habe es gewagt und wäre fast ohnmächtig geworden!! – und schönen Eindrücken vom Land und den Menschen. Alles angeführt von Mr. Lovely, unserem sich selbst so nennenden Reiseführer-Gigolo. Beim Gehen breitbeiniger als jeder Fußballer und die Arme auf permanentem Rasierklingenabstand. Schon fast süß in seiner Lächerlichkeit - also doch "lovely". Ich habe selten ein dermaßen überzogenes Selbstbewusstsein erlebt.
Aber ein organisierter Ausflug ist etwas wunderbares, weil ich dann nicht planen muss. Nun ist dieses Übel wieder notwendig und ich muss mal heute abend schauen was mir so einfällt was die Weiterreise betrifft.
Kommentare