Marktsonntag
So ein Treffen mit Besuch aus der Heimat wirft einen ja völlig aus der Bahn. Mal nicht mit den Hühnern ins Bett gegangen und schon ist der Schlafplan durcheinander. Bekomme sogar ein verspätetes Geburtstagsgeschenk und, danke an Achim und Jose, mein Gepäck ist wesentlich leichter. Besitz ist auf Reisen eigentlich etwas lästiges. Ich bin immer froh wenn es weniger wird und selbst jetzt habe ich viel zu viel Ballast. (Okay, die Kreditkarte ist als Besitz schon wichtig und gut, aber eben auch sehr leicht).
Wer hätte gedacht, dass ich noch die Gelegenheit bekomme in Saigon ein wenig mehr zu sehen und zu erleben. Im chinesischen Viertel etwa 5 Km von der Backpackergegend entfernt findet man ein ganz anderes Saigon. Voller Märkte, wieder mit allem was ein Tier so hergibt bzw. allen Tieren, die die Natur so hervorgebracht hat und kleiner Gassen. Wieder diese Märkte. Bunt, spannend, einladend zum Verweilen. In den Klamottenmärkten kann man alle Markenklamotten kaufen. Um den globalen Vorschriften was Markenschutz betrifft nachzukommen, heißen die Levis Jeans hier halt Lehvies. Sehr erfinderisch, aber ob das die Firma Levis zufriedenstellt? Anprobieren geht leider nicht. Die 30er „Lehvies“ sei aber für mich perfekt. Zweifelnd und um eine 32er bittend heißt es dann wieder: passt perfekt. Ich denke eine Kinderlatzhose und ein Babystrampler hätten dieselbe Antwort hervorgebracht. So kaufe ich leider keine Hose, obwohl das dringend nötig wäre.
Den ganzen Tag über scheint die Sonne und wirft ein unglaublich schönes Licht auf die Dinge, so dass der Fotoapparat heiß läuft.
Vor dem Abendessen gehts zur Massage, die Achim aufgetan hat. Eine Blindenschule lässt ihre Schüler als Masseure arbeiten, was ich eine gute Idee finde. Eine Stunde kostet 1,30 Euro und es ist eine gute Massage, fast brutal. Nebenan wird Achim verprügelt und mein Masseur quält mich einmal komplett.
Am Abend heißt es dann auch schon wieder Abschied nehmen, aber Heimweh habe ich nicht wirklich, vor allem wenn ich dieses grottenschlechte Deutsche-Welle-Programm betrachte. Horst Köhler hält eine Rede zum Totensonntag – WEN interessiert das? Die Welt? Bestimmt nicht! Es ist unglaublich was für ein Mist auf DW-TV gesendet wird. Was beneide ich die Briten mit ihrer BBC. Nein, aus Deutschland wird Betroffenheitsfernsehen um die Welt gesendet – immer schön politisch korrekt mit europäischen Beiträgen – sind ja Mustereuropäer –und halt allerlei Kleingartenkolonie-Nachrichten. Da kommt dann auch mal der Vereinsvorsitzende des Pudelzüchtervereins Britz Süd e.V. zu Wort oder die Sprecher diverser Selbsthilfegruppen. Grottig.
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