Vom Essen
Faul sein und nichts tun bedingt wenige Erlebnisse, außer dem Essen. Das muss man ja immer mal wieder und leider in den letzten Wochen etwas zu häufig. Würde ich die in Saigon herumlaufenden Menschen mit ihren Standwaagen, aus denen die Musik vom Untergang der Titanic dudelt, konsultieren, kämen mir wahrscheinlich die Tränen. Und das dann sicherlich nicht aufgrund der Trauermusik. Ein Blick in den Spiegel reicht aber leider auch schon aus. Noch trauriger dürften jedoch die Frösche sein, die lebend über den Schenkeln festgezurrt und in mehreren Stockwerken in den Straßenrestaurants direkt neben dem Grill hängen und ihrem gerade bestellten Kumpel ein letztes jämmerliches Quak auf den Scheiterhaufen hinterherrufen. Den Schlangen wird es ähnlich gehen, aber sie sind wenigstens schon tot – zumindest habe ich keine lebenden gesehen. Fischen sagt man ja eh nach, dass sie keine Gefühle hätten, Garnelen ebensowenig – sie dümpeln schwerst asthmatisch in ihren Becken vor sich hin und dem baldigen Ende entgegen. Schnuckelig die kleinen Goldfischgläschen auf den Tischen. Ich bin mir nicht so sicher, ob die jetzt das Entree darstellen sollen oder ob sie nicht doch einfach nur Deko sind. Man kennt ja die landeseigenen Gepflogenheiten nicht. Die Essgewohnheiten sind schon gewöhnungsbedürftig. Das Nudelgericht war heute Abend hübsch verquirlt mit allem was man in Tierbäuchen so findet. Leber und Magen konnte ich noch identifizieren, das andere Gewabbel nicht mehr. Da sollte ich meine anatomischen Kenntnisse mal auffrischen. Aber spannend ist es schon wie viel man von den Tieren doch so alles sehen kann. Was uns in Deutschland alles industriegerecht im Fischstäbchenformat zurecht geschnitten serviert wird, hier kann man es noch bewundern. Der Schweinekopf geröstet, die Entenköpfe im Dutzend, natürlich auch wieder die Hühner- und Schweinefüße, die Schweineohren – original, nicht als Gebäck. Ganz apart waren auf einem Markt in Laos die mit dem Nudelholz geplätteten und dann luftgetrockneten Ratten. Der leckere Snack beim Fernsehen oder zwischendurch bei der Feldarbeit oder in der U-Bahn. Sicherlich gesünder als eine Tüte Kartoffelchips. Die Herren der Werbeagentur möchte ich sehen wie sie eine Werbekampagne für Ültje entwerfen mit den neuen Röstratten. Alles eine Frage der Erziehung – mein neuer Inhalt im Fach Ernährungslehre: die physiologischen Eigenschaften der gemeinen Berliner Stadtratte!
Kommentare
vini
Du regst unsere Fantasie ungemein an...