Wie ist Vietnam?

Landschaftlich ist es wunderschön, Hanoi ist traumhaft, für das Auge gibt es Unmengen an Eindrücken, Hügellandschaften, Flusslandschaften usw. oder seien es nun das bereits erläuterte Essen, oder aber auch die vielen skurrilen Ansichten was Vietnamesen alles auf dem Moped transportieren. Auf den Gepäckträger einer Vespa passt ein ganzer Wasserbüffel, zusammengeschnürt zu einem UPS-Paket und das, dumm für den Büffel, sogar lebend. Schweine werden in runde, längliche Körbe eingepfercht und dann auf dem Gefährt zum Dutzend gestapelt. Geflügel wird in Drahtkäfige gestopft. Passen Schnäbel und Flügel nicht ganz rein, so erledigt sich das Problem fix an der nächsten Straßenlaterne, die zu knapp passiert wird. Für den Europäer mit seinem Hang zum Tierschutz kein schöner Anblick, der geht dann manchmal stark ins rötliche... Weniger spektakulär sind da schon die anderen Warentransporte. Ich vermute, dass die Motorradindustrie sämtliche Belastungstests ihrer Gefährte in Vietnam durchführen lässt.

Als Tourist ist man ganz anderen Belastungen ausgesetzt. Es gibt einen Begriff, der den Vietnamesen vollständig unbekannt ist, und der heißt: Nein. Er wird weder in der verbalen, noch in der nonverbalen Variante verstanden. Das macht das Reisen hier mitunter ausgesprochen beschwerlich, wird man doch auf Schritt und Tritt belästigt. Den Moped- oder Rikschafahrern verständlich zu machen, dass man im Moment einfach nur selbst spazieren gehen möchte, ist schier unmöglich. In Mui Ne folgte mir ein Mopedfahrer eine geschlagene halbe Stunde bei meiner Hotelsuche und bot seinen Dienst im Minutentakt an. Einzige Möglichkeit für mich das zu ertragen war mir vorzustellen ich hätte einen großen Bambusstock für die Speichen. Penetranz in Reinform – ein Mitreisender meinte, man würde in Vietnam durchgängig penetriert. Sitzt man im Restaurant oder Cafè, bekommt man ununterbrochen Wackeldackel, Wackelgiraffen, Federbüschel, Bücher oder alles was man sonst nicht braucht ins Gesicht gehalten. Wenn man nicht aufpasst, endet man mit einer Banane in der Nase! Gestern Abend ist mir dann die Geduld ausgegangen, ich habe ein besonders lästiges Exemplar von Straßenverkäufer zusammengebrüllt – ich habe es nicht mehr ertragen. Danach ging es mir besser, obwohl der Herr selbst den Ausbruch mit einem süffisanten Lächeln quittierte. Kurz und knapp, ich weiß nicht so richtig, was ich von diesem Land halten soll. Auf der einen Seite ist es sehr exotisch und spannend, aber eben auch in höchstem Maße stressig, von Entspannung kann keine Rede sein. Jeder hier will verständlicherweise ein Stück vom großen Kuchen haben und als Blonder ist man diesem Wunsch annähernd schutzlos ausgeliefert. Und ist man nicht Willens freiwillig ein Stück abzugeben, wird dem mitunter auch schon mal nachgeholfen. Vorne lächelt eine Vietnamesin freundlich, während der Begleiter hinten an meinem Rucksack herumnestelt. Der ausgemachte Preis für eine Taxifahrt verdoppelt sich unerklärlicherweise, der Kaffee, in der Karte mit 12000 ausgepreist, kostet tatsächlich 15000, weil das eben die Karte von vor drei Jahren sei und der Preis natürlich gestiegen sei. Es handelt sich immer noch um für mich lächerlich geringe Beträge, aber es ist trotzdem lästig und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, zumal das eigentlich permanent so ist. Leider, denn das Land ist eigentlich sehr schön.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Mein armer großer Blonder, komm nach Hause. Hier hast Du Höchstpreise in Reinform, zu rütteln gibt es daran nichts. Dein Lörchen aus dem Osten

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