Im Reich der Khmer

Zunächst noch ein Nachtrag zum Reich der Thai. Neben den unsäglichen Weihnachtsvorbereitungen - innerhalb weniger Stunden ist wirklich jede Palme in der Stadt mit Leuchtgirlanden umwickelt und stehen an jeder nur denkbaren Stelle blaue, grüne und rote Monsterplastikweihnachtsbäume - bereitet sich die Stadt auf ein weiteres, noch größeres Fest vor. Seine Majestät wird am Mittwoch 80. Aus diesem Anlass werden die noch nicht weihnachtsbesetzten Plätze mit dem Konterfei des Königs plakatiert. Von der Wiege bis zur, nun noch nicht zur Bahre, aber bis zum hohen Alter, alle Wege des Königs werden nachgezeichnet. Dabei ist es echt schwierig noch Flächen zu finden, die nicht sowieso schon ganzjährig blumikohlisiert sind. Alle paareinhalb Meter dasselbe Bild, ein verkniffen dreinschauendes Gesicht mit erhobenem Arm in Königsrobe schaut auf seine Untertanen. Jede Blumenrabatte wird frisch bepflanzt, mit gelben Blumen, der Farbe des Königshauses – rosa Blumen waren wohl nicht so schnell verfügbar - und überhaupt wird alles aufgemotzt. Ein Personenkult mit unvorstellbaren Ausmaßen. Allerdings zu Gunsten einer Persönlichkeit, die wirklich und ehrlich alles erdenkliche für das Volk tut. Eigentlich die Idealvariante in einem Staat – der gute Monarch. Es muss komisch sein sich andauernd selbst betrachten zu können. Angefangen bei den Geldscheinen bis hin zu den Porträts in jeder Hütte bis in die letzten Landeswinkel. Es ist jetzt natürlich schade, dass ich diese Festivität verpasse, aber es wird ja hoffentlich nicht sein letzter sein. Ich hoffe es für die Thais, denn wenn der schlimmste Fall eintritt, dann bricht hier das Chaos aus.

Nun also zu den Khmer. Dazu muss ich vor dem Aufwachen aufstehen. Boaaaah, unangenehm, is ja wie Schule! Aber zu solch früher Stunde ist man in nullkommanix am Flughafen. Heute mal nicht Thai Airways, sondern Air Asia. Billigairlineabzocke. Der Grundpreis ist mit 12 Euro im Internet hoch attraktiv, doch mit wenigen Klicks wurdens auf wundersame Weise plötzlich 55, inklusive irgendwelcher dubioser Steuern, Versicherungen und Nagelpflege, was kein Mensch braucht. Und trotzdem immer noch preiswerter als andere Airlines. Dennoch gibts einen weiteren Anschlag aufs Reisebudget. Maximum an Gepäck: 15 Kg. Darüber pro Kilo „nur“ 4 Euro, womit ich mit meinen 20 Kg noch einmal mehr zahlen soll als den ursprünglichen Ticketpreis. Aber nicht mit mir! Fix umgepackt und punktgenau schaffe ich es auf die maximalen 15 Kg. Leicht gebeugt mit numehr prallstem Handgepäck gehts zum Flieger mit dem festen Vorsatz mich selbst noch einmal extra schwer zu machen! (Burger King ist da sehr hilfreich) Vorsichtshalber noch einmal im Flughafen aufs Klo, denn bestimmt haben die eine Klofrau an den Bordtoiletten, die dort Hygieneartikel und Ehehilfsmittel verkauft und hübsch Eintritt kassiert.

Der Flughafen Phnom Penh International hat etwas die Größe des Flughafens Zuffenhausen Süd und International bezieht sich auch nur auf die unmittelbaren Nachbarländer. Das Visasystem ist ausgereift, links anstellen und Antrag mit Passfoto abgeben – hat man keines kostets 1$ extra. Rein darf man trotzdem. Das ist immer so entlarvend – reine Geschäftemacherei. Der Pass wird dann wie am Fließband durch die Hände von 10 Offizieren des Einreisekaders gereicht. Rechts darf man dann bezahlen und erhält den Pass zurück, wieder ist eine Seite voll. Viel Platz ist nicht mehr.

Erster Eindruck – wunderbar! Warum? Die Weihnachtsdeko fehlt. Ich habe da ein ganz neues Bewertungssystem entwickelt. Naja, ein paar weitere Argumente gibts dann schon noch, doch dazu mehr in einem späteren Blog. Der Taxifahrer ist sehr redselig. Auf meinen Kommentar zum tollen Wetter, kommt ein „Ist doch Winter!“. Logisch, hätte ich auch selbst drauf kommen können. Dann hält er während der Fahrt eine Vorlesung zum Thema politische Geschichte Kambodscha der letzten 100 Jahre, sehr detailgenau mit allen möglichen Jahreszahlen unter Nennung sämtlicher Lokalpolitiker von 1899 bis 2007. Hätte ich mich nicht bereits ein wenig eingelesen, so wäre ich heillos überfordert. So aber wird es eine lehrreiche Taxifahrt. Eine schöne Einstimmung auf die Backpackergegend in Phnom Penh. An der Ostseite eines natürlichen Sees sind viele Hostels entstanden, von denen auf Holzstegen unzählige Restaurants/Cafès ins Wasser hinein gebaut wurden. Der See ist selbst überwiegend von Wasserpflanzen zugewuchert – so ergibt sich im „Winterlicht“ ein tolles blau mit grün gemischt. Dazwischen paddeln Kinder, die eine Bootsfahrt verkaufen möchten. Mein Fotoalbum erweitert sich durch das Motiv „Kind auf See in Boot zwischen Grün an Elendsviertelbruchbude vor Sonnenuntergang“. Auf der Straße wollen die Kambodschaner ebenso wie die Vietnamesen alle mit mir Moped fahren – warum eigentlich? – aber sie verstehen ein Nein. Gottseidank. Endlich wieder gechillte Grüße vom Vagabunden.

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