King Luis


Der zweite Tag in Angkor Wat ist weniger mit Masse als mit Klasse gefüllt. Erst zum Nachmittagslicht gehts zu den Tempeln und ich schlendere so vor mich hin. Denkt man zunächst lediglich an den bekanntesten Tempel – Angkor Wat – ist man bass erstaunt darüber, dass der Besuch hier niemals in einem Tag zu erledigen ist, will man auch nur ansatzweise etwas sehen, denn tatsächlich erstreckt sich das Angkorgebiet über eine Fläche, die etwa halb so groß wie die Berlins ist. Man kann Wochen-, 3-Tages- und Ein-Tagestickets erwerben, letzteres wäre jedoch ein Verbrechen. Man schätzt, dass zur Hochzeit etwa 1 Million Menschen hier lebten in der für damalige Verhältnisse größten Menschensiedlung der Welt. Von hier wurde das Reich der Khmer regiert, welches große Teile Südostasiens umfasste. Aus welchem Grund dieses Weltreich unterging, darüber streiten sich die Gelehrten – eine Vermutung ist, dass das ausgeprägte Bewässerungssystem, davon zeugen noch heute zwei große künstliche Seen, über die Jahre verrottete und schlicht das Geld fehlte dieses instand zu halten, so dass weniger Reisernten möglich wurden und schließlich schlicht Nahrung fehlte um diese Stadt am Leben zu halten. Dann kam die Natur und hat sich die Tempel zurückerobert. Riesige Urwaldbäume wurzelten inmitten der Tempel und sprengten quasi in Zeitlupe Mauern und Plätze so lange bis schließlich die gesamte Fläche wieder mit Wald bewachsen war. Dabei war Angkor nie wirklich unbesiedelt und vergessen, die Khmer lebten weiter in der Gegend. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts „entdeckte“ ein Franzose die Ruinen und man begann diese frei zu räumen. Noch heute hat man lange nicht alles erschlossen. Viele kleinere Tempel harren noch ihrer Entdeckung.

Der mit Abstand schönste Tempel Ta Phrom, in dem Tombraider und Indiana Jones gedreht wurden, ist halb verfallen und einfach grandios mystisch durch die nach wie vor vielen Bäume, die exakt AUF dem Tempel wachsen und ihre riesigen Monsterwurzeln, schlangengleich über das gesamte Gebäude verteilen, bevor sie Richtung Erdboden auslaufen. Es eröffnen sich fantastische Fotomotive, wenn die Millionen Chinesen, Koreaner und Deutsche nicht dort wären. An die Macher von Photoshop: bitte eine Touristenentfernfunktion ins nächste Programm einbauen. Der Autor des „Dschungelbuchs“ muss ein Khmer gewesen sein, denn man fühlt sich wie King Luis aus dem Film. Ich hangel mich von Ast zu Ast, dann von Stein zu Stein und betrachte meine Affenmeute, denn auch die Touristen sind wieder zahlreich erschienen. Endlich König! Jupdiduu, dubidubidubidubduduu.....

Teil zwei ist das Warten auf den Sonnenuntergang in Angkor Wat. Während ich meinen Kaffee trinke und warte überfällt mich in kurzen Abständen ein Verkäufer nach dem anderen, aber es ist einfach anders als in Vietnam. Hier will man charmant an mein Geld. Want a book? It costs only a dollar. No, thank you. You want some water, only a dollar! There is nothing i need. Okay, then buy nothing, costs only 2 dollars. Ich schaffe es ihn auf einen runterzuhandeln. Aus dem jungen Mann wird noch mal was.

Oh je, zu viele Wolken. Ein schwerst besorgter Kanadier läuft herum und zeigt allen was für ein tolles Foto er letztes Jahr hier gemacht hat - er hat tatsächlich ein Fotoalbum dabei - und ist nun sehr enttäuscht, dass er das Bild dieses Jahr nicht wiederholen kann.

Tja, ich denke er kann es zwar nicht wiederholen, aber eindeutig ein mindestens ebenso schönes Bild machen: s.u. Wieder ein asthmatisches Erlebnis. Die Betitelung erspare ich mir heute – das könnt ihr ja dieses Mal tun.





Kommentare

Anonym hat gesagt…
hi, mein Lieber - nicht zu lange unter der Wurzel verweilen. Sonst.....
Anonym hat gesagt…
Wahnsinn - den Spiegel hast du bestimmt ganz lange poliert.Danke für deine lebendigen Beschreibungen und die tollen Fotos. Habe dich gleich wieder erkannt. @ folgt demnächst ein golden girl

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