Turbo
Und nun der eigentliche Eintrag:
An den Abenden am See könnte es ganz idyllisch sein. Die Sonne versinkt als strahlender Stern hinter einem Tempel und alles ist in schönes Licht getaucht. Könnte, denn es wird turbogechillt. Das jüngere Publikum wünscht Chilloutsounds und das möglichst phonstark. Das allein wäre nicht das Problem, doch liegen die Restaurants alle dicht nebeneinander und jeder will halt seine Gäste bechillen, so dass daraus eine unglaubliche Kakophonie vieler Titel wird, die einzeln eigentlich ganz nett sind. So misslingt der Ibiza-Chillout-Entspannungsversuch so ziemlich. Ich frage mich wie die das aushalten, muss aber nicht lange nach der Antwort suchen. Im Nachbarrestaurant findet gerade die Weltmeisterschaft der Jointbauer statt, in dem es gilt möglichst kreativ zu sein. Zunächst drückt sich das in schierer Größe aus. Die männlichen Teilnehmer übertrumpfen dabei deutlich die weiblichen – kennt man ja aus dem Autobereich. Nach der Verkostung der ersten Wettbewerbsbeiträge kann man jedoch eine deutliche Kreativitätssteigerung erkennen. Ganz nett ist der „Krummjoint“, den ein 45° Winkel prägt. Ob das nun dem Umstand geschuldet ist, dass die motorischen Fähigkeiten inzwischen eingeschränkt sind? Egal. Preisverdächtig der Origamijoint, dem alle möglichen zusätzlichen Blättchen anhaften – eine Art Engel entsteht, auch hier der Verdacht, dass das mit der Motorik zusammenhängt. Der gestrige Kollateralschaden, wieder mit einer Flasche Rotwein bewaffnet, trumpft mit dem Doppeljoint auf – ein Filter mit zwei Tüten. Zur Siegerehrung kommt es für die Kombattanten nicht mehr – sie werden es wohl vergessen haben.
Am Morgen nehme ich das Boot von Phnom Penh nach Siem Reap, meinem nächsten Ziel, wieder ist der Geruch verbotener Substanzen weit verbreitet. Trotz übler Strafen.
In 5 Stunden benötigt das Boot um die 150 Kilometer den Tonle Sap Fluss hinauf zu fahren. Der Bus dagegen braucht 8 Stunden, was einem einen Eindruck über die Straßenverhältnisse hier vermittelt. Die ersten 2 Stunden sitze ich mit den meisten Fahrgästen auf dem Dach und lasse die Landschaft an mir vorüber ziehen. Etliche Fischer sind unterwegs und kaum eine Bootsbesatzung winkt uns nicht zu. Immer wieder sieht man am Ufer deren Unterkünfte – Pfahlbauten, das einzige vernünftige Bauwerk im Kampf gegen die üblichen Überschwemmungen der Regenzeit in dieser sehr weiten flachen Ebene. Als wir nach 2,5 Stunden den größten Binnensee Südostasiens erreichen, den Tonle Sap, werden meiner Haut der Wind und die Sonne zu viel. So langsam hat sie große Ähnlichkeit mit der der Röstratte aus Laos und ich überstehe den Rest der Fahrt im unangenehm tief gekühlten Passagierbereich.
Etwa 10 Kilometer westlich von Siem Reap legen wir an und ein Tuktuk fährt mich, wiehernd den Weg frei räumend, in die Stadt. Sehr effektiv, denn sowohl Kambodschaner als auch Touristen springen verschreckt aus dem Weg. Meine Huptondownloadseite wird offensichtlich bereits genutzt.
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