Buenos Aires
Da bin ich nun also. In Auckland auf dem Flughafen sass ich noch gut 30 Minuten vor einer uebergrossen Weltkarte und versuchte mir klarzumachen, dass ich in Kuerze meinen letzten bewohnten Kontinent bereisen werde. So man denn Suedamerika als eigenstaendigen Kontinent betrachten kann und will. Dort war das ebenso irreal wie es jetzt hier ist. Bei lauem Wind sitzte ich mitten in der Nacht - ich glaube es ist 1 Uhr, komme zeitlich gerade gar nicht klar - 12 Stunden vor, 8 zurueck, wieder 2 dazugerechnet - es schwirrt im Kopf - in einem Strassencafe und versuche den gestrigen/heutigen/morgigen Tag - es schwirrt schon wieder - niederzuschreiben. Ein entspannter Flug - Doppelsitz - bring mich in dem sonst laut Aussage meiner oesterreichischen Zeit-Reisebegleiterin immer komplett ausgebuchten Flieger nach Santiago de Chile ueber die schon erwaehnte Datumsgrenze. Dort stellt sich die Frage einreisen und gleich mit 30 $ Gebuehr wieder ausreisen oder irgendwie Transit versuchen. Aber was ist mit dem Gepaeck? Das ist ja schon eingereist! Die Probleme eines Standbys werden von LAN Chile in Nullkommanix geloest - man habe ja schliesslich Personal, welches das Gepaeck dann fuer mich abholt und weiterschickt. (Ach Sebastian, der Du das hier eh nicht liest - wie soll ich Dir das alles je danken?)
So gehts gleich weiter nach Buenos Aires. Impraegniert - ein anderer Begriff passt nicht -von Warnungen - Internet, Freunde, Flughafenpersonal, Verwandte - gehe ich ultravorsichtig zum Ausgang und schon ueberfaellt mich der erste Taxianbieter. "Noe, will nicht", ist meine geradebrechte Antwort, denn die Warnungen bezogen sich explizit auf das Taxifahren in Buenos Aires. Also wieder zurueck in den Flughafen zum Nachdenken. Bin muede und die Stuetzstruempfe druecken fuerchterlich - will in ein Hotel. Also doch direkt in eine Taxe. Erste Spanischversuche: ob denn Barcelona sicher sei? Hae? Da bin ich so konzentriert aufs Sprechen, dass ich die Stadt nicht hinbekomme... Si klaro! Misstrauisch verfolge ich die Fahrt auf einer unbrauchbaren Strassenkarte, die ich im Flughafen ergattert habe. Vereinbarter Fixpreis: 60 Pesos/Dollares. Und ich rufe die Polizei, wenn das nicht eingehalten wird! Ankunft. Auf die 100-Pesosnote kann der Fahrer nicht rausgeben. So reduziert sich der Preis halt auf 50 Pesos. HALT! Betrug! Hm, nochmal die Definition durchdenken - Vermoegensschaden muesste vorliegen.. Upss.....
Am Hostel angekommen keine Reaktion auf die Klingel. Tuer verschlossen und kein Plan wie man da jetzt in Kontakt kommen koennte. Links schauen, Leute fragen, rechts schauen, Klingeln, klopfen. Nach 30 Minuten dann der Tipp es mal in einem anderen Eingang zu versuchen. Das ist die Loesung, doch leider sei man ausgebucht, es gaebe keinen Hinweis auf den versteckten Eingang, denn man benoetigte gar keine Oeffentlichkeit, man sei immer ausgebucht auch ohne Laufkundschaft und das sei im Uebrigen in allen Hotels in Buenos Aires so. Keine Chance. Nada!
Danke dafuer! So langsam dann doch leicht beunruhigt - das Dunkel naht - ziehe ich mit Sack und Pack weiter nicht ohne den nachgerufenen Hinweis, dass alles - todo! - ausgebucht sei und sowieso ewig weit weg - zur Kenntnis zu nehmen. Hey, ich will doch nur ein Zimmer - ist das unhoeflich hier???
Doch, siehe da, um die Ecke ein Familienhotel mit Oppa als Concierge - wuerde er nicht sprechen, waehnte ich mich bei Madame Tussaud - der mir ein Zimmer heraussucht. Das dauert zwar ewig - ich befuerchte er scheidet auf dem Weg zum 5 Meter entfernten Schluesselbord dahin, doch ich habe schliesslich meine Trutzburg fuer die naechste Nacht. Und alles auf Spanisch, was weit besser geht als befuerchtet. Und nun verstehe ich auch die Aeusserungen eines Freundes, der seine berufliche Zukunft in der Milliadaerwerdung durch das Produzieren von Klobuersten in Argentinien sieht! Es gibt hier kurz gesagt keine und die Wasserspuelung ist so konzipiert, dass sie schlichtweg einen "Vermeidungsstrudel" produziert, der nicht wirklich zur Beseitigung irgendwelcher "Probleme" beitraegt.
Es folgt die obligatorische Erstbegehung meiner neuen temporaeren Heimat und das ist schon klasse. Jede Menge Strassencafes laden zum Verweilen und Menschen beobachten ein. Alles erinnert sehr an spanische Grossstadt, allerdings mit indigenem Einschlag in Bezug auf die Menschen. Am Nebentisch sitzen vier aeltere Damen, die Haare wild hochtoupiert und in allerlei vormaligen Gardinenstoffen der 70er gehuellt, die mehr oder weniger vornehm ihren Kaffee schluerfen. Die restlichen Tische sind besetzt von allerlei Volk, Pause machend, feiernd, laut oder verhalten.
Beim Beobachten kommt mir der Gedanke, dass der liebe Gott das, was er zu wenig an Testosteron ueber Asien verschuettet hat, hier im Uebermass versprueht hat. Es geht schon sehr mediterran, machomaessig, maennlich zu.
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