Doppeldownunder

Sehr sehr erschöpft bin ich „under Down under“ angekommen. Dabei ist der Flug eigentlich das luxuriöseste, was ich bisher erlebt habe. Thai Airways hat sich mal wieder selbst übertroffen. Nicht nur, dass ich zügig eingecheckt werde, so dass für die Dutyfree Geschichten genug Zeit bleibt. Nein, auch eine komplette Sitzreihe steht zur Verfügung, zumindest dort wo ich sitze. Da hätte ich die Stützstrümpfe auch im Rucksack lassen können. Wie lässt sich jetzt die Option eine richtige Nacht im Liegen zu verbringen damit kombinieren auf einem persönlichen Bildschirm aus etwa 30 Filmen neueren und älteren Datums wählen zu können sowie eine Anzahl weiterer Medien wie Computerspielen und Musik nutzen zu können? Overkill! Ich arrangiere also erst einmal eine halbe Stunde die drei Decken und Kopfkissen bis sie in etwa meinem Couch-Liegeverhalten entsprechen. Dann ergreife ich die drei Fernbedienungen für die drei Monitore und stell erst einmal alles auf mein persönliches Medienverhalten ein. Heraus kommt Multitasking. Ein Bildschirm für die Flugdaten, Position, Entfernung usw, ein Bildschirm für die neueste Hollywoodproduktion und ein Bildschirm auf Standby für einen Folgefilm, damit das später nahtlos und ohne Zeitverzögerung mit dem nächsten Film weitergeht. Großer Luxus: die Filme sind auch auf deutsch abrufbar. Ratatouille ist großartig – Ocean 13 ganz nett und dann schlafe ich leider ein. Der Flug könnte auch länger dauern...

Nun, zum Glück dann doch nicht, denn mir steht noch einiges bevor. Frohen Mutes komme ich in Auckland an und überlege mir nach tausenden Warnhinweisen im Flieger und im Flughafen „200 $ Strafe und bis zu 2 Jahre Gefängnis bei Nichtdeklarierung“ dann doch meine Wanderstiefel, die ich in Nepal schon getragen hatte in meinem Zollformular einzutragen. Das bereue ich umgehend, wird daraus doch eine 2-stündige Gesamtbeschau meines Gepäcks mit tausenden von Fragen zu meinen Aufenthaltsorten, Flugtickets, Drogenkonsum, Kinderkrankheiten, Elternhaus, Armlaenge, Unterwaeschengroesse etc. etc. Das Gepäck wird zur Krönung noch einem Drogentest unterzogen, es könnte ja schon einmal für Transportzwecke verwendet worden sein. Völlig übermüdet ertrage ich diese Prozedur nur gerade so. Die Neuseeländer haben unglaubliche Angst, dass ihr „sicherstes Land der Welt“ durch irgendwelche Einwirkungen beschädigt werden könnte. Sehr sehr lästig, wenn auch verstaendlich. Allerdings fuehlt man sich durchweg ein wenig als Verbrecher.

Und auch das lebe ich gleich anschliessend aus. Kurzentschlossen entscheide ich mich schnell noch nach Christchurch auf die Südinsel zu fliegen. Das klappt ganz wunderbar und so bin ich jetzt nach langer Suche – alles ist so richtig teuer und ausgebucht – in einem hübschen Hostel untergekommen. Einem umgebauten Gefaengnis! In meiner Einzelzelle kann ich aussuchen ob ich oben oder unten schlafe. Vorteil der massiven Bauweise: es ist ruhig. Aber beim Einschlafen rufen mich die vielen geplagten Seelen, die meine Zelle vor mir bewohnt haben....

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