Im Milford Sound


Freudig überrascht habe ich in Te Anau eine bezahlbare Unterkunft gefunden. Ein Backpackers auf dem Campingplatz. Alles was der Reisende so benötigt ist vorhanden. Sogar eine Heizung. Und die ist auch bitter nötig, wird es abends doch so richtig schattig. Nach bald einem Jahr ohne richtige Kälte, mal abgesehen von Nepal, macht es richtig Spaß im lauschigen Zimmerchen zu hocken und Email schreibend heißen Tee zu trinken. Wärmeumwabert entschlafe ich süß, werde nur nachts von den Teeresten geweckt. Also halb nackelich schlaftrunken auf Örtchen. Dumm nur, dass ich mein Problem mit Schlössern und Schlüsseln noch immer nicht gelöst habe. Die Tür ist zu, der Schlüssel drin und ich ziemlich wach draußen! Und das nachts um 3. Aber so manch Nachlässigkeit erweist sich dann auch wieder als Vorteil. Das Fenster ist nämlich nur angelehnt und ich kann auf einem komplizierten, aber immerhin erfolgreichen Weg zurück ins Bett. Nur gut, dass mich niemand sieht. Das Glück ist mit den Vergesslichen.

Heute gehts in den Milford Sound, einem weltberühmten Fjord, der mir auf dem 120 Km langen Weg dorthin viele Erinnerungen beschert, war er doch schon 1989 der Grund für mich auf die Südinsel fahren zu wollen, was jedoch die damalige Winterlage nicht erlaubte. Nun ist es endlich so weit. Der Weg dorthin ist bombastisch – ich wiederhole mich – heute dann mal so richtig satt durchs Hochgebirge mit steilen Hängen, nackten Felsformationen, Schneegipfeln natürlich, Serpentinen und fürchterlich vielen Aussichtspunkten auf dem Weg, so dass ich kaum vorankomme, da ich immer wieder quasi zum Halten gezwungen werde. So benötige ich viereinhalb Stunden für eine verhältnismäßig kurze Strecke und komme ganz erschöpft im Milford Sound an. Und ich bin wirklich so fertig, dass erst einmal eine Stunde Schlaf im Auto von Nöten sind (vielleicht aber auch die Nachwirkungen meines nächtlichen Abenteuers). Die Zeit reicht noch für die letzte Bootstour des Tages. Der Milford Sound ist 16 Km lang und verfügt über eine einzigartige Flora und Fauna. Insbesondere die Unterwasserwelt ist einzigartig, da das Wasser durch Pflanzenreste so grün ist, dass das Licht extrem absorbiert wird und in 30 Metern Tiefe Lichtverhältnisse herrschen wie sonst nur auf mindestens 70 Metern. Entsprechend haben sich so ganz andere Tierchen angesiedelt. Davon bekomme ich natürlich weniger mit. Stattdesse genieße ich ein einzigartiges Panorama aus Berggipfeln, die direkt aus dem Wasser zu wachsen scheinen, von deren Wänden sich (halb) monströse Wasserfälle in den Fjord ergießen. Dazu gibt es meine erste Live-Robben-Kleinkolonie. Faule, fette Tiere, die sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Und noch ein erstes Mal: Delphine (oder grausamer nach der Rechtschreibreform: Delfine), die neben den Booten ihre Sprünge absolvieren. Irgendwie erweckt das immer den Eindruck als wären sie dressiert.

Sowohl meine Kamera als auch ich sind voll bis obenhin mit Bildern und ich versuche möglichst ohne viel anzuhalten zurück zu fahren, was mir natürlich nicht gelingt....

Bild ist verspätet und zeigt Geißenpeter im Mount Aspiring Park

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Hallo Jürgen,
Dir auch erstmal ein gesundes und glückliches neues Jahr! Wie es sich anhört, ist es in NZ sehr entspannt und einfach nur schön.
Genieße es!
In Berlin ist alles wie gehabt.
Ich freue mich auf unsere Ski-Woche, die nächsten Samstag beginnt.
Wir wünschen Dir noch viele schöne Eindrücke und ganz liebe Grüße
von Birko + Peter
Anonym hat gesagt…
De Erfahrunge roichat dir et. Schau reacht, das de gefensterlet hosch und scheee, dass es klappt hot.
a liabs Griaßle

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