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Es werden Posts vom Februar, 2008 angezeigt.

Auf der Polizeiwache

Na toll, bevor ich das entwendete Geld zurück erhalten kann (Kreditkartenbetrug, siehe Blog) muss ich den Vorgang doch hier anzeigen. Au Weia. Wie erkläre ich das bloß? Weiter als bis zur Frage ob jemand englisch spricht komme ich nicht, da hat sich meiner auch schon ein netter Polizei-Azubi angenommen, der mich durch den Vormittag geleitet. Fast wie auf einem Ausflug nur mit Einzelbetreuung. (Die neue Generation lässt auf eine sprachliche Wende hoffen). Mit Geleitschutz gehts zur Anzeigenaufnahmestelle, wo jede Menge Polizisten herumstehen, die total nett wirken, irgendwie als seien es nette Aufpasser, damit den Touristen nichts geschieht. Überhaupt wirkt die Polizei hier immer ganz lieb – einschließlich der Zollbeamten an der Grenze. Eher zum Knuddeln als zum Davor-Angst-haben. Mein Anliegen ist schnell gedolmetscht, doch zieht sich der Vorgang dahin, denn eine Anzeige hier beinhaltet zunächst einmal das Aufschreiben der Lebensläufe sämtlicher in der Polizeistation anwesenden Vorgese...

Wolfsrudel in Feuerland

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Der Welt bestes Hostel gibt es in Ushuaia. Der Blick aus der gemütlichen Küche geht auf die vorgelagerte Bucht am Beaglekanal, man kann die Wetterkapriolen aus der Dusche betrachten, wie der Nebel die Berge und Schiffe umwabert und sich so langsam die Sonne durchsetzt. Zudem: ich habe mir schon immer ma l gewünscht morgens in einem original Sarah-Kay-Zimmer aufzuwachen . Tuffige sonnengelbe Gardinchen flattern im Wind, eine putzige Porzellangans bewacht unseren Schlaf, an der Wand hängt ein Bild von Winnie Puh, auf dem Schreibtisch neben dem ornamentverzierten Kinderbettchen trötet ein Engelchen auf einem Kitschbild den Mond an und in einer großen Vase leuchten Kunststoffblumen. Einziger Haken: die Bettwäsche ist leider in himmelblau und nicht in rosa, aber man kann ja nicht alles haben. Nein, das Hostel ist wirklich klasse, sehr familiär, mit Nachmittagskaffee und -kuchen und super freundlichen Menschen. Auch etwas, wobei man sich in Argentinien immer wiederholt. Geradezu schwierig...

Das Ende der Welt...

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... ist eigentlich ganz rege. Es gibt Autos, Verkehr, Geschäfte – man kommt sich ein wenig vor wie in einem Alpenskiort, dem im Moment der Schnee fehlt und nun müssen alle sich die Ze it mit shoppen vertreiben. Die ganzen Passagiere der Anta rktiskr euzfahrten, die von hier starten, bevölkern die Straßen und wie der anonyme Kommentator von gestern treffend bemerkte gibts hier ausgezeichnete Internetverbindungen (tatsächlich sitze ich ein Jahr in meiner kleinen Kreuzberger Butze, recherchiere im Internet, spiel ein wenig mit Pho toshop und fake den ganzen Blog). Man könnte jetzt die Zivilisation verdammen und bedauern, dass selbst hier alles sehr zivilisiert zugeht, doch das soll sich im weiteren Verlauf des Tages noch als ausgesprochen nützlich herausstellen. Nach ausgiebigem Schlaf, Frühstück und Ort beschnüffeln, wagen wir uns auf eine kleine Wanderung in die an Ushuaia angrenzenden Berge. Von dort oben hat man einen fantastischen Überblick über die Stadt am Beaglekanal, dem let...

Grenzüberschreitungen

Ein entspannter Tag steht bevor, kein Auto, sondern Luxusbus mit Sitzabständen wie in der First Class im Flieger, einem Sitzkissen zu Mittag und viel Landschaft. Auf Sicherheit wird hier wert gelegt, zwei Busfahrer sind für die Fahrt nach Ushuaia im Einsatz und dazu ein Bordcomputer, der bei Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit anfängt zu piepen. Flott gehts zur argentinischen Grenze, wo der Pass seinen nächsten Ausreisestempel bekommt und nach etwa einer Stunde inklusive Drogenhundbeschnüffelung drei Kilometer weiter zur chilenischen Passkontrolle. Ich versuch heute mal Rechtsgrenzen auszutesten und zwei Äpfel zu schmuggeln, große Sünde und streng verboten. An der chilenischen Grenze auf dem Weg nach Puerto Natales wurde der Bus nicht kontrolliert und so lasse ich die Äpfel einfach oben im Bus liegen. Tja, nichts bleibt unbemerkt – werde vom Busfahrer angesprochen ob die Äpfel mir gehören würden – nö! Einmal gelogen sollte man dabei bleiben, Eine weitere Nachfrage ne halbe Stunde ...

Wie wird man ein Auto los?

So ganz wohl war mir ja die ganze Zeit nicht bei dem Gedanken, dass wir das Auto an einem Sonntag abgeben müssen. Aber bisher war ja alles ganz relaxed, so dass ich nicht weiter darüber nachgedacht habe – bis zur heutigen Rückfahrt nach Rio Gallegos. Weite, Wolken, Unendlichkeit, das Übliche, und viel Zeit zum Nachdenken. Die Gedanken schweifen zur Autorückgabe. Besser ne Stunde früher da sein – als Deutscher hat man ja einen Ruf zu verlieren. Und was ist: geschlossen! Hm, Ines, die Hoteleuse war letztens schon so hilfreich und versuchts auch dieses Mal. Die Handynummer der Sachbearbeiterin – besetzt. Ich lerne den spanischen Begriff für Anrufbeantworter (= contestador) und S.... (= mierda). Die Zentrale in Buenos Aires – Vertiefung des bisher gelernten: Anrufbeantworter. Aber in Argentinien kennt man sich, Telefonbuch aufgeschlagen und erst mal die Mutter der säumigen Sachbearbeiterin angerufen – letzte Waffe: Mama, die jedoch auch nicht weiter helfen kann, als die Adresse des Arbeitg...

Bei den Eisflamingos

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Nach so vielen blauen Eindrücken ist uns nach rosa. Am See vor El Calafate gibt ein kleines Vogelschutzgebiet, in dem man allerlei Fluggetier betrachten kann und ganz erstaunlicherweise: Flamingos. Die hatte ich, ich wiederhole mich, eigentlich in Florida oder zumindest in Ländern m it ähnlichen klimatischen Bedingungen verortet. Falsch gedacht, sie leben tatsächlich auch hier – der gemeine argentinische Eis-Flamingo. Auch er ist vom vielen Krabben futtern rosa und bildhübsch im tiefblauen Wasser anzuschauen. Unverhofft kommt oft. Ansonsten ist in diesem Ober-Touristenort heute shopping angesagt. Läden gibts genug, die allerdings glatt mal die europäischen Preise verlangen. Insgesamt erinnert der Ort eher an einen Skiort in den Alpen, mit Schoki-Läden, Funktionswäscheeinkaufsmöglichkeiten und Ansichtskartenverkauf. Einziger Unterschied sind die Parkuhren. Sie sind orange, sprechen und laufen einem hinterher. Sprich, das Kassieren überlassen die Argentinier nicht den Maschinen, sondern ...

Noch mehr Eis

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Der nächst e Gletscher. Noch mehr Eis und wieder spektakuläre Ansic hten am Perito Mereno Gletscher, eigentlich der schönste Gletscher von allen hier, doch das großartige Erlebnis fällt dieses Mal ein wenig kleiner aus als beim Upsala-Gletscher. Beim ersten Mal ist halt alles am schönsten. Mag aber hauptsächlich daran liegen, dass der Gletscher unter Wolken liegt und damit weniger Schattenspiele zu beobachten sind. Dafür erleben wir hier alle 5 Minuten eine Geburt. Es ächzt und knarrzt gewaltig und dann fällt ein Gletscherstück mit einem mordsgetöse ins Wasser. Und, war ja zu erwarten: Gletscherkinder sind blau! Hier werden die Schlümpfe geboren. Dann war der Berg gestern doch Gargamels Heimstatt! Man sollte meinen, dass bei diesem Geburtstempo irgendwann nichts mehr von der Gletschermama übrig bleiben würde, doch weit gefehlt. Trotz Erderwärmung wächst der Gletscher weiter. Angies und Siggis Bemühungen – hier wirken sie offensichtlich. Nachdem nach drei Stunden das von mir erwartete...

Fitz Roy

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Ein gigantisches Bergmassiv mit dem Fitz Roy erhebt sich hinter El Chalten, einem Ort, der erst 1985 gegründet wurde. Über 100 Kilometer fährt man direkt auf den Fitz Roy zu und man hat das Ge fühl, dass dort irgendeine böse Macht, die man aus den vielen Fanta syfilmen kennt, wohnt. Ein Heer der Ringe-Zauberer oder Lord Voldemort aus Harry Potter. Das Massiv mit dem Fitz Roy erscheint dabei als sei es frei stehend. Dabei ist er aber immer von Wolken umhüllt, als hätte er einen Mantel an und oben rauchts wie aus einem Schornstein, wenn die Wolken über die Spitze ziehen und sich dann verflüchtigen. Die Ur einwohner hielten diesen Berg denn auch für einen Vulkan. Im Sekundentakt verändern sich die Wolken und es lohnte sich bestimmt einfach nur einen Tag mal zu schauen welch unterschiedliche Gestalten dieses Bergmassiv so annehmen kann. Wir haben die ganze Zeit nach Wörtern gesucht, die diesen Gipfel angemessen beschreiben könnten, monströs, mega, ultra usw. und wir sind bei majestätisc...

Ground Control to Major Tom

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„Das ist ja wie in der Schule!“, ist das erste was ich am Morgen aus dem Nachbarbett höre nachdem der Wecker das vierte Mal in Folge so früh geklingelt hat. Auf zu den Gletschern, die E rwartungen sind hoch und werden nicht im mindesten enttäuscht, es ist unbeschreiblich und atemberaubend welch spektakuläre Ansichten der heutige Tag für uns bereit hält. Ich dachte ich hätte so ziemlich alle Variationen von spannenden Landschaften schon gesehen, aber das übertrifft schon wieder alles. Mit dem Katamaran fahren wir über den Lago Arg entino zum Spegazzini- und Upsala-Gletscher. Der erste ist der höchste mit 60-80 Metern an der Abbruchkante, der andere ist hinsichtlich der Fläche der größte hier im Gletscherpark, in etwa halb so groß wie Berlin. Zu erst gibts „nur“ See mit Berg zu beobachten, doch dann geht es los. Ground Control to Major Tom – auf welchen Planeten hats mich denn nun schon wieder verschlagen? Vollkommen unnatürlich geformte und vor allem gefärbte Eisfiguren dümpeln sche...

Outsourcing

Der Programmpunkt chilenisches Patagonien wäre nun (vorerst) abgehakt und es geht zurück nach Rio Turbio. Sicherlich gäbe es noch den einen oder anderen Ort zu besichtigen, aber in Argentinien eben auch. Ach, die Welt ist zu groß. Es fällt schwer die netten Chilenen schon wieder zu verlassen. Auch im Bus sind wir wieder umgeben von ihnen. Kleines Gespräch hier, viel Geduld, viele Umschreibungen, neue Worte, Korrekturen. Und immer ganz lieb lächelnd. Kurz vor der Grenze zu Argentinien holpert das etwas altersschwache Gefährt so massiv, dass der Fahrer sich doch bequemt mal kurz zu schauen worin die Ursache liegt. Dumm gelaufen, der Reifen ist platt. Um die 3 Km zur Grenze noch zu schaffen, wird kurzerhand ein Lastenausgleich im Wagen durchgeführt. Und zwar „Methode chilenoise“. Dazu nehme man möglichst viel Fahrgastbiomasse und verteile sie einseitig auf der linken Seite. Derart in Schieflage sind die letzten Meter zur Grenze kein Problem. Doch was dann? Der Fahrer versucht mit einem ...

Mit Wow und gruen

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Nun sind wir wirklich in Patagonien angekommen, jedenfalls so wie wir uns das erträumt hatten. Umgeben von schneebedeckten hochaufragenden Berggipfeln, absurd geformten Felsspitzen, die den Eindruck erwecken sie fielen jede Sekunde um, und Gletschern, gejagt von Pumas, Condoren, Raubvögeln, Guanacos, Füchsen und Wölfen, bedroht von kalten Wassermassen der B ergseen bzw. Fjorde und orkanartigen Winden (Kyrill war ein Witz dagegen)machen wir eine Fototour durch den Nationalpark Torres del Paine. Gestern noch schnell gebucht, die Chilenen sind bestens organisiert und sprechen sogar englisch, gehts zu unchristlicher Stunde um 7.30 Uhr vom Hotel los in einem Kleintransporter mit einem älteren chilenischen Fahrer und einem Schüler, der sich etwas Geld in den Ferien dazuverdient und gleich noch sein Englisch aufzubessern versucht, als Führer. Dazu eine äußerst sympathische Amerikanerin, eine Mischgruppe Spanisch/Amerikanisch und ansonsten alles spanisch sprechende Mitreisende. Ein Chilene b...

Spass in Turbonien

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Heute sind wir in der 250 Km westlich von Rio Gallegos gelegene , Hauptstadt Rio Turbio der seit 2 Wochen unabhängigen autonomen Republik „Turbonien“ angekommen. Und der Na me ist Progr amm. Das Le ben verläuft hier i n einer gewaltigen Geschwindigkeit. Es handelt sich um eine aufstreben de Ferienregion in traumschöner Landschaft mit allen Finessen für den anspruchsvollen Touristen. Ein modern gestalte tes Zentrum mit Rathaus und schickem Dorfplatz zum Sehen und Gesehen werden laden ebenso zum entspannten Verweilen ein wie auch die zahlreichen Topend-Restaurants und die abstrakt gestalteten Ladenpassagen. Man a chte auf die a rc hitektonisch en Beson d er heiten dieser Gebäude, die sich dem geübten Betrachter bereits auf den zweiten Blick offenbaren. Den kunstorientieren Re isenden stehen zahlr eiche Kunsthandwerkstätten sowie die welt berühmte Ausstellung „Pilo 2007“ offen. Ein Besuch auf dem örtlich e n Fernsehtu rm bietet einen atemberaubenden Blick über die pittoreske Alts...

Carlos, der Pinguin

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Das auf dem Bild ist er. Er lebt etwa 140 Km südöstlich von Rio Gallegos in Argentinien und man muss schon sehr lange fahren, um ihn besuchen zu können. Es gibt nur eine Straße in seine Heimatstadt und die ist noch nicht mal geteert. Drei Stunden Rüttelmassage und vier Bandscheibenvorfälle später ist man dann in Pinguinera angekommen. Carlos hat eine sehr sehr große Familie, neben ihm wohnen seine ca. eine Million Onkels, Tanten, Brüder und Schwestern. Die Lage der Pinguinstadt ist erstklassig, direkt am Atlantik an der Einmündung der Magellanstraße, mit Sträuchern i m Hinterland, in denen die einzelnen Großfamilien campen. Zum Abhängen hält sich der größte Teil der Bevölkerung am Strand auf – verständlich. Da laufen dann die Partys ab. Wenn es dann aber intimer werden soll, heißt es geschwind einen Strauch im Hinterland gesucht, das Erdreich ein wenig vertieft, die Gattin gesucht und schon kann es losgehen mit der Gründung einer Großfamilie. Die meisten sind quasi-monogam, d.h. sie...

Orgatag

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Einen Wagen zu organisieren geht verhaltnissmaessig schnell, nur drei Stunden und der naechste Corsa steht uns zur Verfuegung. Doch es ist die Summe der Organisationsgeschichten, die den Tag fast ausfuellen. Dabei habe ich meinen kleinen Kopf-Bibliothekar heillos ueberfordert. So viele Vokabeln, die der da oben ganz schnell aus den Regalen ziehen sollte. Dabei ist er irgendwann von der Leiter gefallen und hat zu guter Letzt noch alle Buchregale mit sich gerissen. Mit dem Ergebnis, dass erst einmal eine Stunde aufraeumen, sprich Schlaf noetig ist. Aber wir schaffen am Nachmittag dann doch noch einen kleinen Ausflug in Richtung Sueden der Stadt und trotz der Tatsache, dass man sich hier wirklich verloren und einem die Landschaft gottverlassen vorkommt, gibt es allerorten Leben. Guanacas, eine Lama-Art springen durch die Steppe, Tarnkappen-Schafe futtern die kargen Reste von Gestraeuch. Man muss genau hinsehen, denn die Schafe haben fast das Aussehen der Landschaft angenommen, so dass m...

Patagonien

Hilfe, ich komme gerade gar nicht mehr hinterher wo ich gerade bin. Nun also von Rosario per Auto 300 Kilometer nach Buenos Aires, Auto abgeben, Flieger besteigen und ab nach Rio Gallegos in Patagonien. Redundant zu erwähnen, dass wir durch viel Grasland und Nichts fahren. Aber wer will sich beklagen, wenn alles problemlos funktioniert. Naja, nicht alles. Irgendwo muss meine Kreditkarte kopiert worden sein, denn mein Konto leert sich durch irgendeine „Air Miami“ kontinuierlich ohne mein Zutun. Kleine Aufregung bei der Kontenkontrolle am Morgen. Wahrscheinlich finanziere ich gerade irgendwelche Flüge von Drogenbossen von Miami auf die Cayman Inseln, wo sie ihr Geld in Sicherheit bringen können. Sieht so aus, als ob Kreditkartenbetrug tatsächlich existiert und die öffentlich-rechtlichen Ratgebersendungen sich dieses nicht nur zur Programmfüllung ausdenken. Karte ist nun gesperrt, aber ich hab ja in weiser Voraussicht weitere Karten dabei, so dass es erst einmal weitergeht. Und da sind ...

(fast) Gar nichts mehr

Nu isses mit Abwechslung vollständig vorbei. 700 Kilometer bis nach Rosario und nichts als Grassteppe, vorne, hinten, links und rechts. Das einzig bemerkenswerte sind noch die verstreuten Baumwollfelder und Sojafelder, der eine oder andere Gaucho auf dem Pferd durch die Steppe reitend und die paarundfünfziger Polizeikontrollen. Heute auch tatächlich wieder mit anhalten und Vollkontrolle, wenn auch ohne „Ich-bin-Polizist -wichtig-und-daher-zu-bezahlen-Allüren“ Im Gegenteil wirklich nette Staatsdiener mit viel Geduld und sogar einem charmanten Lächeln im Gesicht. Unsere letzte Schlafstadt – Corrientes – war ganz hübsch, viel alte französische und italienische Kolonialarchitektur, wenn auch diese Stadt wie alle Städte hier exakt nach Schachbrettprinzip angelegt ist. Sogar die Namen der Straßen sind identisch. Das Stadtzentrum liegt immer am Plaza de 25 de Mayo und nebendran findet man garantiert Straßen mit den Namen: B. Mitre, Santa Fe oder Alvear und weitere. Das ist insofern praktisc...

Viel nichts und ein bißchen

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So sieht es also westlich von Iugazu aus. Heute mit Sicht, denn die Sonne strahlt prächtig vom Himmel, lediglich in den Hügeln halten sich einzelne Nebelfelder und Wolken, die jedoch im Laufe des Vormittags verschwinden. Und das hätte jetzt auch die Wettervorhersage der Tagesschau sein können, oder? 700 Kilometer liegen vor uns, aber auf der Hälfte der Strecke gibts noch einen Stopp in San Ignazio an einer der zahlreichen Jesuitenmissionen hier im Dreiländereck. Anfang des 17. Jahrhunderts erbauten die Jesuiten im Norden Argentiniens sowie in Brasilien und Paraguay Missionen auf, in denen sie die Indianer zu erziehen gedachten. Hauptsächlich zur richtigen Religion, jedoch auch in der Lebensweise der Europäer, wobei sie aber die Eigenheiten der Kultur der Indianer tolerierten. Diese Erziehungsstationen waren aber nicht nur zum Nachteil der Indianer, sondern auch zu deren Schutz vor den spanischen und portugiesischen Kolonialisten gedacht, denn dadurch, dass sie nicht mehr als „Wilde“ ...

Von Nasenbären, Vogelspinnen, Jaguaren und Wasserfällen

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Endlich befinden wir uns im Refugium der Nasenbären und endlich empfinde ich mich unter Meinesgleichen – umgeben von Langnasen! Aber diese kleinen possierlichen Tiere, die an den Wasserfällen leben und die Mülleimer sowie mitunter auch die Taschen der Touristen plündern sind keineswegs offen oder, wie angekündigt, mitunter aggressiv „outgoing“, sondern eher in sich gekehrt oder bestenfalls ignorant. Sie wühlen sich so durchs Leben und kümmern sich wenig um die Touristenhorden. Auch Jaguare, hier heimisch, treffen wir nicht, was vielleicht auch besser so ist, entspannt es doch unsere Schutzengel. Die Vogelspinne lässt sich zwar sehe n, will jedoch inkognito bleiben und weigert sich fotografiert zu werden. Dafür gibt es Wasserfall satt! Nachdem wir gestern schon auf der argentinischen Seite der Wasserfälle waren und dort spektakuläre Ansichten, wenn auch in eher trübem Licht, genießen durften, sind wir heute überglücklich auf der brasilianischen Seite im strahlenden Sonnenschein diese ...

Schoene Landschaft und eine Belohnung

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Landschaftlich wird es jetzt richtig schön. Die Hügel von gestern setzen sich östlich von Pasados fort. Zunächst Weidehügel mit vereinzelten Bäumen, die mehr und mehr erst in Eukalyptuswälder und dann kleinere Aucarienwälder, einem südamerikanischen Nadelgehölz, das hier für die Holzwirtschaft angepflanzt wird, übergehen. Am Horizont türmen sich Wolkenberge und es dauert nicht lange dann jagt ein Monstergewitter das nächste. Kompletter Weltuntergang. Die Sicht tendiert über bestimmt 100 Kilometer gegen null. Es gießt wie aus Eimern und wir überlegen uns schon ob wir nicht besser eine öffentlich-rechtliche Dokumentation des Nordens von Argentiniens in Deutschland angeschaut hätten. Dann wüssten wir zumindest wo wir sind und vor allem wie es dort so landschaftlich aussieht. Aber alles hat ein Ende, auch der Regen. Kurz vor Puerto de Iugazu stoppt der Regen und wir befinden uns mittlerweile in den Tropen, vollständige verwachsene Wälder überziehen hier die Hügel. Am Straßenrand reihen...

Korruption in der Pampa

Und weiter gehts durch die unendlichen Weiten Nordargentiniens immer entlang am Rio Uruguay. Nach einer Nacht nur so halb schlafend, weil auf dem zentralen Platz vor unserem Hotel eine Horde grölender Argentinier Fahnen schwenkend und feuerwerkend irgendeinen Fussballsieg feiert. Die verrückte Fussballnation halt. Hehe, da kann man mitunter so den einen oder anderen Stachel in den Nationalstolz treiben indem man an das Fussballspiel Argentinien-Deutschland erinnert.... Die Landschaft verändert sich nicht großartig, dafür kann man Straßenschilder studieren. Von der Maximalgeschwindigkeit 110 geht es immer wieder abrupt runter auf 40, die nicht sehr sinnvoll erscheinen, an die wir uns aber zunächst halten, doch außer uns scheinen die niemanden zu interessieren. Um nicht als Verkehrshindernis aufzufallen, halten wir uns halt auch nicht dran. Obwohl ich dabei ein etwas ungutes Gefühl habe. Alle paarundfünzig Kilometer muss man durch Polizeikontrollen, an der ich heute auch tatsächlic...

Kleine Welt, grosse Welt

Auf dem Weg zum heutigen Frühstücksrestaurant sehe ich einen jungen Mann, der so aussieht wie Markus, einem langjährigen Bekannten aus Berlin. Er sieht so aus wie Markus, er läuft wie Markus, er spricht wie Markus... Es IST Markus! Unglaublich, was die Welt so an Zufällen bereit hält. Mitten in Buenos Aires, ganz weit weg. Das verzögert natürlich die Abreise Richtung Norden heute enorm, denn erst einmal muss man solche Begegnungen feiern – wir sind ja schließlich in Argentinien, wo es wichtigere Dinge gibt. Die Welt ist klein. Und dann ist er da der Moment – der große – es geht in die Pampa. Wieder erweitere ich mein Wissen und verbinde Bilder mit altbekannten Redewendungen, die der deutsche Wortschatz so bereit hält. Nach dem Ort des Pfefferwuchses im Dezember bin ich jetzt also in der Pampa. Der liebe Gott hat davor aber noch die Aufgabe gestellt aus Buenos Aires herauszufahren oder besser zu finden. Und das ist gar nicht so leicht, denn zwar gibt es Regeln im Straßenverkehr, die w...

Con Christiano

Ein Tag des Wartens, des Neuen und des Abschieds. Schon toll, heute Abend kommt Christian an und dann gehts den ganzen Februar gemeinsam durch Argentinien. Da muss ich mich ja direkt mal zusammenreissen und die Macken ablegen, die sich so in 7 Monaten des alleine Reisens angesammelt haben, unterdrücken. So viele sind es nicht, das wird leicht. Im Grunde besteht der gesamte Tag aus Warten, ein Kaffee hier, ein wenig Shopping dort und dann in den Flughafenbus, der gleich mal fast so viel kostet wie ein Taxi. Am Flughafen dann die Überraschung. Argentinien hat die Sommerzeit eingeführt und dabei vergessen es der Welt mitzuteilen. Jedenfalls scheint Iberia und somit deren Fluggäste nichts davon zu wissen. So ist die Ankunft nicht um 21.00 Uhr, sondern eine Stunde später. Macht nichts, ich mag Flughäfen, bedeuten sie für mich inzwischen doch immer eine neue Überraschung, ein neues Land, obwohl ich heute natürlich nicht selbst fliege. Auch sind Flughäfen für mich immer Orte, an denen ich res...

Un poco loco en La Boca

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Caminito heißt die Straße in La Boca, die früher mal ein wenig die Reeperbahn von Buenos Aires war mit ollen Spelunken und leichten Damen auf der Straße und wo der Tango getanzt wurde. Heute ist der Stadtteil La Boca ein wenig wie Berlin-Kreuzberg. Viele Künstler haben sich hier niedergelassen, ihre Ateliere rund um Camenito eröffnet und die Gegend ist zu einem Touristenmagnet geworden. Die Häuser erstrahlen in allen Farben des Regenbogens, von den Balkonen winken alle möglichen Berühmtheiten aus Pappmaché, von Maradonna über Evita bis zu vielen anderen, die ich nicht kenne. Ein Cafe reiht sich an das nächste und die Atmospäre ist wunderschön, wenn auch der Kaffee hier gleich mal das do ppelte kostet. Vor den Cafes wird der Tango au fgeführt, was dann wieder an den Kurfürstendamm zu seinen besseren Zeiten erinnert, weniger hinsichtlich des Tanzens als vielmehr wegen der Aufführungen. Da kann man in der Hauptstadt der Psychotiker (nicht von mir recherchiert) schon mal selbst zu einem we...

Rückkehr

So langsam bin ich in meinem Lehrbuch bei den existentiell wichtigen Lehrsätzen angekommen. Ein Beispiel: übersetzen Sie: „Mein Vater ist vom Balkon gefallen“. Lange schon gräme ich mich, dass ich das nicht sagen konnte! Und die Mitfahrer auf der Überfahrt zurück nach Buenos Aires wissen jetzt, dass deutsche Reisende sehr laut und schallend lachen können. Ich fahre auf einer Fähre, die schnell ist, aber leider kein Aussendeck hat, was sehr schade ist, denn so ist es nur der halbe Spass eingesperrt wie in einem Flugzeug. Es ist schön zurück in Buenos Aires zu sein. Jetzt ist es hier schon fast wie nach Hause kommen. Mein neues Bangkok. Im Vergleich zu Montevideo ist die Stadt wesentlich schöner und vor allem lebendiger. Zudem heute auch wesentlich wärmer (35°) als letzte Woche, so dass ich, nachdem ich einen lustlosen (auf Seiten des Frisörs) Frisörbesuch absolviert habe, die halbe Nacht auf einem wunderschönen Platz im Künstlerviertel San Telmo sitze. Und nach so langer Suche und schon...

Doch nix mit Karneval

Menno, da hab ich drei Tage am Kostüm genäht und nu gibts doch keinen Karneval wie in Rio und ich muss mich mit den Nachrichten aus Köln und Düsseldorf begnügen. Kein wirklicher Trost, sind dort doch alle angesichts der Temperaturen vollständig angezogen. Bei 32°C, die es hier gerade hat, wäre das sicher anders. Also muss ich heute wieder durch die Stadt wandern, dieses Mal am Stadtstrand entlang. Sieht genau so hässlich aus wie die Strände am Mittelmeer. Zugebaut mit Plattenbauten. Aber dennoch ein schöner Ort zum Lernen. Heute 3 Stunden. Danach: Frustration, denn ich verstehe beim Busticketkauf kein Wort! Hmpf. Aber mir fallen mehr und mehr Worte ein, um zumindest meinen Standpunkt halbwegs klarzumachen. Schade, dass ich die Antwort der Leute nie verstehe und dann immer nur dämlich aus der Wäsche schauen muss. Einzig der Apotheker, bei dem ich Briefmarken kaufe – komische Vertriebswege hier – baut mich auf und lobt mich... Demnächst bitte ich sie alles aufzuschreiben. Das funktionier...

Sonntagsvergnügen

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Gestern abend war die Innenstadt dann doch noch einigermaßen bevölkert. Die Urugayanesen verbringen den Sonntag damit im Park zu sitzen und Mate zu trinken. Sehr viele Urugayesen laufen mit einem Gerät herum, was so aussieht, als sei es eine übergroße Pfeife. Darin werden die Teeblätter hineingegeben und das Ganze mit Wasser aus der Thermoskanne, die jeder geschultert hat, übergossen. Um den Tee ohne störende Teeblätter trinken zu können, hält man ein pfeifenähnliches Mundstück in das Gefäß, das unten ein Sieb hat. Auf dem Bürgersteig tanzen derweil mindestens 30 Senioren Tango und Walzer zur Musik aus dem Ghettoblaster. Fußgänger bilden einen großen Kreis und klatschen. Nur zu sitzen ist langweilig, also gehts später auf Erkundungstour in Stadtteile, die nicht mehr wirklich gepflegt aussehen. Prompt werde ich angesprochen ob ich nicht einen Joint rauchen möchte. Nachdem, was ich mit meinen schlechten Sprachkenntnissen verstanden habe, soll das angeblich legal sein. Na, ich weiß ja n...

Montevideo

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Tagsüber erscheint Montevi d eo extrem verlassen, was sich jedoch nach Einbruch der Dunkelheit ändert. D ann herrscht plötzlich, nun, nicht dichter Verkehr, aber weit mehr als am Tage. Die Hauptstraße der Altstadt ist der Magnet für Touristen und Uruguayesen (oder wie auch immer die sich nennen). Mehrere Casinos und Clubs mit so einfallsreichen Namen wie „Lolita“ laden zum stilvollen Verweilen ein. Mein Ziel sollen Orte der Liberalität werden. Leider habe ich keinen Stadtplan und muss den im Internet recherchierten Plan so halbwegs im Kopf behalten. Na, ist nicht so schwer, denn die Altstadt ist zum einen schachbrettartig angelegt, wie in so vielen Städten, was die Orientierung erleichtert und zum anderen ist sie von drei Seiten durch den Atlantik/Rio de la P lata begrenzt. So richtig v erlaufen kann man sich also nicht. Das erste Ziel ist schnell gefunden, doch gibt es weder ein Schild an der Strasse, noch eine Klingel oder eine offene Tür. Mission misslungen. Das zweite Ziel finde ...

Kein Berg zu sehen

Die Landschaft zwischen Colonia und Montevideo ist ausgesprochen langweilig. Plattes Land soweit das Auge reicht, kein Hügel, auch nicht in Montevideo, wo man es dem Namen nach doch eigentlich vermuten könnte. Nun bin ich also nach 2 Stunden Fahrt in der Hauptstadt in meinem vorgebuchten Hotel angekommen. Ich werde so langsam altmodisch – Hotel im Voraus buchen und so. Ist sonst nicht meine Sache, ist jedoch sehr bequem und man hatte mir wegen des Karnevals hier schon Angst gemacht, dass man kein Zimmer bekäme. So sitze ich hier in meinem Zimmer mit Onlineverbindung, was jedoch in diesem Hotel das einzige ist, was man als annähernd neu bezeichnen kann. Mal abgesehen vom Personal, denn das ist frisch, erweckt das gesamte Hotel den Eindruck, als sei es irgendwann vor 50 Jahren einfach vergessen worden. Unter einer dicken Schicht alter Farbe und Staub findet man sicher irgendwann den Glanz längst vergangener Epochen, doch da müsste man wohl einige Zeit kratzen. Einige Accessoirs im Zimm...

Ein Tag bei Paulo

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Nach meinen organisatorischen Unternehmungen bin ich hoch erfreut ein superschönes Cafe mit schneller Internetverbindung gefunden zu haben. Egal wo, meine ersten Blicke sind auf die Suche nach Internetmöglichkeiten ausgerichtet. Der Inhaber des Cafés/Hotels heißt Paulo und begrüßt mich in fließendem deutsch. Schön einers eits, kann ich mich doch unterhalten, blöd andererseits, werden doch meine Sprachkenntnisse nicht erweitert. Paulo ist 7 Jahre in Europa gewesen, zunächst auf den Kanaren als Animateur und später in der Schweiz und Deutschland als Securitymensch am Eingang einer Diskothek. Ich denke, dass das so ungefähr einen Eindruck von Paulos Aussehen vermittelt. Jetzt ist er halt wieder zurück in der Heimat und führt mit seiner neu gegründeten Familie ein Hotel von dem Ersparten. Zusammen mit einem weiteren langzeitreisenden Deutschen wirds ein bunter Abend mal wieder mit Bier, nach 4 Wochen totaler Enthaltsamkeit. In Neuseeland hat Alkohol irgendwie nicht gepasst, aber hier bei ...