Carlos, der Pinguin


Das auf dem Bild ist er. Er lebt etwa 140 Km südöstlich von Rio Gallegos in Argentinien und man muss schon sehr lange fahren, um ihn besuchen zu können. Es gibt nur eine Straße in seine Heimatstadt und die ist noch nicht mal geteert. Drei Stunden Rüttelmassage und vier Bandscheibenvorfälle später ist man dann in Pinguinera angekommen. Carlos hat eine sehr sehr große Familie, neben ihm wohnen seine ca. eine Million Onkels, Tanten, Brüder und Schwestern. Die Lage der Pinguinstadt ist erstklassig, direkt am Atlantik an der Einmündung der Magellanstraße, mit Sträuchern im Hinterland, in denen die einzelnen Großfamilien campen. Zum Abhängen hält sich der größte Teil der Bevölkerung am Strand auf – verständlich. Da laufen dann die Partys ab. Wenn es dann aber intimer werden soll, heißt es geschwind einen Strauch im Hinterland gesucht, das Erdreich ein wenig vertieft, die Gattin gesucht und schon kann es losgehen mit der Gründung einer Großfamilie. Die meisten sind quasi-monogam, d.h. sie ziehen fast jedes Jahr mit derselben Partnerin ihre Küken groß, wobei es strikt emanzipiert abgeht. Die erste Zeit wird der Nachwuchs immer von einem Partner beaufsichtigt, während der andere beim Fischen ist. Dabei wird sich täglich abgewechselt. Muss hier auch so eine Art Herdprämie und/oder Erziehungsgeld geben. Später, wenn die Kleinen größer sind, gehen beide auf Futtersuche, denn für einen ist es kaum zu schaffen den Nachwuchs so fett zu füttern, dass er auf der Wanderschaft, wenn er knapp ein Jahr alt ist, überleben kann.

Quasi-monogam bedeutet, dass Carlos derzeitige Gattin Jutta auch gut im nächsten Jahr durch die Moni ausgetauscht werden kann und danach wieder Jutta als Partnerin an seiner Seite steht. Erinnert ein wenig an einen großen Swingerclub.

Höchst beeindruckend diese riesige Pinguinkolonie in den Büschen und am Strand zu beobachten. Wie sie den Eindruck erwecken vollkommen unbeholfen zu sein und einfach nur so in der Landschaft herumstehen und nichts, so gar nichts, machen. Wenn sie mal für Königstiger müssen, dann wird sich schnell leicht gebückt und swutsch wird in einem horizontalen Schweif der Boden vollgeschwallt. Mit einem Geräusch, in etwa identisch mit dem einer Ketchupflasche, die kurz vor der Neige ausgedrückt wird. In hygienischer Hinsicht eine einzige Katastrophe. Es müffelt gewaltig, eine Kanalisation existiert nicht.

Natürlich sollen auch all die anderen Tiere wieder Erwähnung finden, die wir auf dem Weg gesehen haben. Schafe und Guanacos sind ja klar, aber heute gabs noch Massen von Wildgänsen und Horden einer Art Emu dazu. Noch nie habe ich dermaßen viele Tiere auf einmal in freier Wildbahn gesehen.

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