Das Ende der Welt...

... ist eigentlich ganz rege. Es gibt Autos, Verkehr, Geschäfte – man kommt sich ein wenig vor wie in einem Alpenskiort, dem im Moment der Schnee fehlt und nun müssen alle sich die Zeit mit shoppen vertreiben. Die ganzen Passagiere der Antarktiskreuzfahrten, die von hier starten, bevölkern die Straßen und wie der anonyme Kommentator von gestern treffend bemerkte gibts hier ausgezeichnete Internetverbindungen (tatsächlich sitze ich ein Jahr in meiner kleinen Kreuzberger Butze, recherchiere im Internet, spiel ein wenig mit Photoshop und fake den ganzen Blog).

Man könnte jetzt die Zivilisation verdammen und bedauern, dass selbst hier alles sehr zivilisiert zugeht, doch das soll sich im weiteren Verlauf des Tages noch als ausgesprochen nützlich herausstellen. Nach ausgiebigem Schlaf, Frühstück und Ort beschnüffeln, wagen wir uns auf eine kleine Wanderung in die an Ushuaia angrenzenden Berge. Von dort oben hat man einen fantastischen Überblick über die Stadt am Beaglekanal, dem letzten bewohnten Ort vor der Antarktis, und die schneebedeckten Berge im Westen der Stadt. Auch hier wieder ein wenig alpines Gefühl, wenn auch die Pflanzenwelt differiert und dieses „weit, weit weg sein Gefühl“ wesentlich intensiver ist. Die Argentinier sind auch hinsichtlich der Wanderwege höchst sparsam was Beschilderung angeht. Man tastet sich so voran. Hin und wieder hilft eine gelbe Baummarkierung und später nur noch die eine oder andere Plastiktüte, die ein erfahrener (Vor-) Wanderer an markanten Punkten angebracht hat. Christian ist das schon frühzeitig nicht geheuer bzw. versinkt im Matsch mangels ausreichender Besohlung und kehrt um, aber ich habe gerade den Ehrgeiz oben anzukommen und will den dichten Buchenwald bezwingen (auch erstaunlich – hier gibts tatsächlich jede Menge Wälder). So hangel ich mich von Plastiktüte zu Plastiktüte und errate irgendwann nur noch irgendwie eine Art Weg, der dann auch im Nichts verschwindet, dem Plastiktütenwanderer sind hier die Tüten ausgegangen – keine Hinweise mehr. Hmm, zuviel Ehrgeiz ist nicht gut, also zurück, was überwiegend gut klappt, doch dann gibts einfach zu viele Gabelungen und ich weiß eines genau: ich bin nicht mehr auf dem Weg, den ich herkommen bin.... Leicht adrenalinlastig taste ich mich weiter und finde das jetzt gar nicht sooo komisch. Was soll ich im Notfall essen? Gut, es steht ab und zu mal ein Pferd im Wald (tatsächlich!), aber die bekommt man so schlecht in die Mikrowelle, die ich natürlich immer dabei habe. Der Ausweg ist der Zivilisationslärm. Von nun an immer den Pfaden folgend, die Richtung Autolärm, Dampfertuten und Hundebellen führen. So finde ich zurück und freue mich über die schöne beruhigende Zivilisation.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Am Ende der Welt den Weg nicht gefunden..............es geht doch nur noch zurück!!!!!!

Beliebte Posts aus diesem Blog

Delinquenten

Tartarugas

Einkaufsbummel