Grenzüberschreitungen

Ein entspannter Tag steht bevor, kein Auto, sondern Luxusbus mit Sitzabständen wie in der First Class im Flieger, einem Sitzkissen zu Mittag und viel Landschaft. Auf Sicherheit wird hier wert gelegt, zwei Busfahrer sind für die Fahrt nach Ushuaia im Einsatz und dazu ein Bordcomputer, der bei Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit anfängt zu piepen. Flott gehts zur argentinischen Grenze, wo der Pass seinen nächsten Ausreisestempel bekommt und nach etwa einer Stunde inklusive Drogenhundbeschnüffelung drei Kilometer weiter zur chilenischen Passkontrolle. Ich versuch heute mal Rechtsgrenzen auszutesten und zwei Äpfel zu schmuggeln, große Sünde und streng verboten. An der chilenischen Grenze auf dem Weg nach Puerto Natales wurde der Bus nicht kontrolliert und so lasse ich die Äpfel einfach oben im Bus liegen. Tja, nichts bleibt unbemerkt – werde vom Busfahrer angesprochen ob die Äpfel mir gehören würden – nö! Einmal gelogen sollte man dabei bleiben, Eine weitere Nachfrage ne halbe Stunde später führt auf Seiten des Busfahrers zur selben Antwort. Komme mir vor wie ein Schwerverbrecher und werde das bestimmt nie wieder tun. Hätte ich doch bloß mein Lehrbuch heute früher zu Rate gezogen. Dort darf ich heute auf Spanisch lernen: „Menschen, die Fehler machen, kommen häufig auf den elektrischen Stuhl“! Ups... Was man nicht so alles wissen muss in einer anderen Sprache.

Kurze Zeit später überqueren wir per Fähre die Magellanstraße, die zumindest hier nicht sehr spektakulär erscheint. Ein wenig spüre ich innerlich dann aber dem Namensgeber dieser Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik nach. Der Legende nach begegneten Magellan und seine Besatzung den Ureinwohnern und waren ganz verwundert über deren große Füße (Sie trugen Mokassins), so dass sie diese Menschen pata (Pfote, Fuß) gonias (groß) nannten, woraus dann auch der Name von Patagonien geworden ist. Die Menschen haben inzwischen wieder kleinere Füße, aber die Steaks stehen immer noch in der Tradition der großen Schuhsohlen.

Weiter gehts durch Chile zur Grenze und wieder die Prozedur Ausreise Chile, Einreise Argentinien. Wenn die doch wenigstens platzsparend arbeiten würden. Aber nein, Leere Seite auf und KAWUMM den Stempel reingeknallt. Mein Pass gerät an seine Grenze. Dafür gehts relativ flott weiter nach Rio Grande, wo wir die nächsten Grenzen kennen lernen – nämlich die von Auto- bzw. Busmotoren. Ein anderer Bus ist Schrott und unser Bus muss retten fahren. Erstaunlich wie langsam hier doch 5 Minuten vergehen. Warten, warten, warten und gleich mal die eigenen Grenzen der Geduld austesten. Die beiden nach eineinhalb Stunden dem öffentlichen Nahverkehr entzogenen Kleinbusse, die uns dann endlich die restlichen 200 Km nach Ushuaia bringen sollen, sehen auch eher grenzwertig aus und unterwegs sieht es zumindest einmal so aus, dass einer von beiden schlapp macht. Aber alles wird gut und nach 14 Stunden sind wir in Ushuaia / Feuerland angekommen, dem Ende der Welt...


Kommentare

Anonym hat gesagt…
am Ende der Welt.....und immer noch eine Verbindung zu allen. Genial
Anonym hat gesagt…
es ist eine minute nach zwölf! wo bleibt dein blog?? wir hungern!
Anonym hat gesagt…
faszinierend ist dieses warten - am Ende der Welt wirst du dankbar sein
liebes Grüßle

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