Ground Control to Major Tom

„Das ist ja wie in der Schule!“, ist das erste was ich am Morgen aus dem Nachbarbett höre nachdem der Wecker das vierte Mal in Folge so früh geklingelt hat. Auf zu den Gletschern, die Erwartungen sind hoch und werden nicht im mindesten enttäuscht, es ist unbeschreiblich und atemberaubend welch spektakuläre Ansichten der heutige Tag für uns bereit hält. Ich dachte ich hätte so ziemlich alle Variationen von spannenden Landschaften schon gesehen, aber das übertrifft schon wieder alles. Mit dem Katamaran fahren wir über den Lago Argentino zum Spegazzini- und Upsala-Gletscher. Der erste ist der höchste mit 60-80 Metern an der Abbruchkante, der andere ist hinsichtlich der Fläche der größte hier im Gletscherpark, in etwa halb so groß wie Berlin.

Zuerst gibts „nur“ See mit Berg zu beobachten, doch dann geht es los. Ground Control to Major Tom – auf welchen Planeten hats mich denn nun schon wieder verschlagen? Vollkommen unnatürlich geformte und vor allem gefärbte Eisfiguren dümpeln scheinbar auf dem, tatsächlich aber im See. Fast so als hätte irgendein Künstler hier sein Lieblingsprojekt gestartet, Styropor in verschiedene Formen geschnitten, diese schlumpfblau angemalt und sie dann in den See geworfen. Sonne und Wolken wechseln sich am Vormittag ab, so dass über dem ersten Gletscher bei unserer Ankunft ein Regenbogen scheint. Und ich darf mich dann später wieder verteidigen und an Eides Statt versichern, dass ich n i c h t mit Photoshop nachgeholfen habe. Fehlt jetzt nur noch ein Kormoran, der gleichzeitig durchs Bild flattert und der Vollmond, obwohl das dann wirklich nicht mehr glaubwürdig wäre. Kitsch pur. Das ganze Schiff fotografiert sich nen Wolf, mich eingeschlossen und es werden spektakuläre Bilder. Jetzt Kehrtwende und gleich noch mal die ganzen Eisberge im Gegenlicht fotografiert. Das sind dann diese bekannten Glitzerbildchen. Durch das Gegenlicht leuchten die Eisberge jetzt nicht mehr schlumpf-, sondern tintenblau. Wupps, die nächste Speicherkarte ist gefüllt, aber klug wie ich bin reise ich heute natürlich mit Notebook. Auf zur nächsten Sehenswürdigkeit, der Upsala-Gletscher. Nicht ganz so hoch, aber dafür enorm spannende Eisformen an der Kante. Sieht fast aus wie ein verschneiter Tannenwald, die gesamte Oberfläche ist von tiefen Kerben durchzogen. Insgesamt dauert die Fahrt mit dem Boot 9 Stunden, von denen nicht eine Sekunde langweilig ist. Bedingt natürlich durch das Gletscherhauptprogramm, aber nicht minder durch das Gattinnen-Begleitprogramm: die vielen, komische Dinge machenden Mit-Touristen, über die zu lästern herrlich ist. Aber das lassen wir heute mal sein.

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