Kein Berg zu sehen
Die Landschaft zwischen Colonia und Montevideo ist ausgesprochen langweilig. Plattes Land soweit das Auge reicht, kein Hügel, auch nicht in Montevideo, wo man es dem Namen nach doch eigentlich vermuten könnte. Nun bin ich also nach 2 Stunden Fahrt in der Hauptstadt in meinem vorgebuchten Hotel angekommen. Ich werde so langsam altmodisch – Hotel im Voraus buchen und so. Ist sonst nicht meine Sache, ist jedoch sehr bequem und man hatte mir wegen des Karnevals hier schon Angst gemacht, dass man kein Zimmer bekäme. So sitze ich hier in meinem Zimmer mit Onlineverbindung, was jedoch in diesem Hotel das einzige ist, was man als annähernd neu bezeichnen kann. Mal abgesehen vom Personal, denn das ist frisch, erweckt das gesamte Hotel den Eindruck, als sei es irgendwann vor 50 Jahren einfach vergessen worden. Unter einer dicken Schicht alter Farbe und Staub findet man sicher irgendwann den Glanz längst vergangener Epochen, doch da müsste man wohl einige Zeit kratzen. Einige Accessoirs im Zimmer erinnern an die untergegangene DDR, als hätten Margot und Erich damals bei ihrer Flucht nach Chile beim Überfliegen von Uruguay noch schnell etwas Ballast abgeworfen. Die Stadt selbst befindet sich vorübergehend im Griff einer kleinen Sturmfront, so dass die Erkundung verschoben werden muss. Eines jedoch fällt auch so auf, sei es in Colonia oder hier – die Menschen sind unbeschreiblich nett, hilfsbereit und stets geduldig, wenn ich mal wieder etwas länger brauche beim Erklären.
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