Kleine Welt, grosse Welt

Auf dem Weg zum heutigen Frühstücksrestaurant sehe ich einen jungen Mann, der so aussieht wie Markus, einem langjährigen Bekannten aus Berlin. Er sieht so aus wie Markus, er läuft wie Markus, er spricht wie Markus... Es IST Markus! Unglaublich, was die Welt so an Zufällen bereit hält. Mitten in Buenos Aires, ganz weit weg. Das verzögert natürlich die Abreise Richtung Norden heute enorm, denn erst einmal muss man solche Begegnungen feiern – wir sind ja schließlich in Argentinien, wo es wichtigere Dinge gibt. Die Welt ist klein.

Und dann ist er da der Moment – der große – es geht in die Pampa. Wieder erweitere ich mein Wissen und verbinde Bilder mit altbekannten Redewendungen, die der deutsche Wortschatz so bereit hält. Nach dem Ort des Pfefferwuchses im Dezember bin ich jetzt also in der Pampa. Der liebe Gott hat davor aber noch die Aufgabe gestellt aus Buenos Aires herauszufahren oder besser zu finden. Und das ist gar nicht so leicht, denn zwar gibt es Regeln im Straßenverkehr, die wichtigste lautet: Lass Du mein Auto heil, dann lass ich auch Deines heil. Aber ansonsten wird sich nicht so richtig an Regeln gehalten, sondern vielmehr Regel Nummer eins befolgt. Es gilt zwar rechts vor links, aber eben nur in Kombination mit der genannten Wichtigsten. So hält man lieber an jeder Kreuzung an und tastet sich voran bzw. schaut erst einmal was der andere so mit seinem Wagen vorhat. Das Abtasten der vielen Kreuzungen zieht sich so dahin und es dauert ewig bis wir so langsam die Vorstadt und schließlich das Land erreichen. Erschwert zudem durch die überaus sparsame Beschilderung. Da hilft nur fragen, was wieder die Notwendigkeit mit sich bringt die Sprache zu sprechen. Und siehe da, es wird immer besser und ich werde nicht nur blöd angeschaut, sondern bekomme für mich verständliche Antworten – jeden Tag wirds besser und ich verstehe besser, immer jedoch mit der Rückfrage inklusive Augenzwinkerns wie Deutschland denn so sei.

Endlich auf der Autopista gehts zunächst über mehrere gigantische Brücken über das Rio del Plata Delta, unendlich breit, immer entlang an der uruguayanischen Grenze. Man sieht Pampa vom Feinsten, nämlich nicht wirklich etwas interessantes. Nur unendliche Weite, Graslandschaften, die irgendwann einmal dann auch von dem einen oder anderen Baum geziert werden, nach und nach übergehend in Graslandschaften mit relativ vielen Palmen durchsetzt. Später dann Eukalyptusbaum-Plantagen und noch viel später dann ist er da: der erste Gaucho! Die argentinische Variante des Cowboys, mit Pferd, Hut und 23 Hunden um sich herum. Wow, was für ein Anblick. Leider ohne Foto heute, denn es ist durchgängig bedeckt und am Horizont bereitet sich der Weltuntergang in Form eines mördermäßigen Gewitters auf seinen Auftritt vor. Nach unendlichen Überholmanövern tausender paraguayanischer und brasilianischer LKW auf der Hauptverbindung dieser Länder mit Argentinien, ich glaube die Panamericana, obwohl ich bisher der Meinung war sie befände sich in Chile und Peru, kommen wir nach gut 6 Stunden Fahrt im 430 Kilometer entfernten Concordia an, einer Kleinstadt mit einem unglaublich schönen Hotel aus der Kolonialzeit und ebenda auch das letzte Mal renoviert. Eine riesige Treppe führt in den ersten Stock, von wo aus man in einen Lichthof schaut und sich fühlt als sei man in der Zeit weit weit zurückversetzt worden. Nach einem, na was wohl?, Steak im Restaurant unter uns, hocken wir den Rest des Abends auf dem Balkon und schauen auf den zentralen Platz mit Kirche und genießen was vom Tage übrig ist. Argentinien gefällt mir immer besser...

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