Mit Wow und gruen

Nun sind wir wirklich in Patagonien angekommen, jedenfalls so wie wir uns das erträumt hatten. Umgeben von schneebedeckten hochaufragenden Berggipfeln, absurd geformten Felsspitzen, die den Eindruck erwecken sie fielen jede Sekunde um, und Gletschern, gejagt von Pumas, Condoren, Raubvögeln, Guanacos, Füchsen und Wölfen, bedroht von kalten Wassermassen der Bergseen bzw. Fjorde und orkanartigen Winden (Kyrill war ein Witz dagegen)machen wir eine Fototour durch den Nationalpark Torres del Paine. Gestern noch schnell gebucht, die Chilenen sind bestens organisiert und sprechen sogar englisch, gehts zu unchristlicher Stunde um 7.30 Uhr vom Hotel los in einem Kleintransporter mit einem älteren chilenischen Fahrer und einem Schüler, der sich etwas Geld in den Ferien dazuverdient und gleich noch sein Englisch aufzubessern versucht, als Führer. Dazu eine äußerst sympathische Amerikanerin, eine Mischgruppe Spanisch/Amerikanisch und ansonsten alles spanisch sprechende Mitreisende. Ein Chilene bietet sofort an bei Problemen zu helfen und obwohl wir erst 12 Stunden in diesem Land verweilen – wir mögen die Chilenen auf Anhieb. Allerorten enorm nette Menschen. Die Mischgruppe, die den Charme der amerikanischen Variante einer Bäckereifachverkäuferin versprüht, hat einen ausgesprochen kindlichen Humor und sehr sehr viel Spaß sich auf alles draufzusetzen was sich im Park so anbietet. Bäckereifachverkäuferin auf Gletscher-Resteis, Bäckereifachverkäuferin auf Fels, Bäckereifachverkäuferin als Trio auf umgestürztem Baumstamm. Sollte unser Reiseführer mal einen guten Fotografierstopp vergessen, dann wird er schnellstens daran erinnert, denn aus der letzten Reihe erschallt bei jedem Tier, was den Weg kreuzt, oder bei jeder neuen Aussicht auf das Gebirgsmassiv ein markerschütterndes Quieken gepaart mit drei gezückten Digitalkameras, was keinen Zweifel daran offen lässt, dass genau in diesem Moment gestoppt werden muss. Es werden sehr viele Foto-Stopps, was mir sehr sehr recht ist. Leider schafft der Orkan es nicht die Wolken in Gänze weiterzutransportieren, so dass die Lichtverhältnisse eher mässig sind. Das stört das Pärchen, das nie lächelt, nicht die Bohne. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht sich gegenseitig in wirklich jeder Landschaft zu fotografieren. So preschen sie immer voran und tauschen wie beim Staffellauf die Kamera. Stellt sich die Frage warum. Wir mutmaßen, dass sie in irgendeiner neuartigen Gewinn-Fernsehshow Kandidaten sind und irgendeine absurde Aufgabe gestellt bekommen haben mit der sie dann den Jackpot knacken können. Das würde die verkniffenen Gesichter erklären, die sie wirklich auf jedem Bild aufgesetzt haben.

Ein ausgesprochen schöner und auch langer Tag in einer wunderschönen Landschaft, wild, rauh und exakt so, wie man sich diesen Teil der Erde so vorstellt. Ein wenig alpin mit schneebedeckten Bergmassiven, mit Fjorden, die von blau bis grün schimmern sowie Steppe, durch die der Wind fegt.

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