Outsourcing

Der Programmpunkt chilenisches Patagonien wäre nun (vorerst) abgehakt und es geht zurück nach Rio Turbio. Sicherlich gäbe es noch den einen oder anderen Ort zu besichtigen, aber in Argentinien eben auch. Ach, die Welt ist zu groß. Es fällt schwer die netten Chilenen schon wieder zu verlassen. Auch im Bus sind wir wieder umgeben von ihnen. Kleines Gespräch hier, viel Geduld, viele Umschreibungen, neue Worte, Korrekturen. Und immer ganz lieb lächelnd. Kurz vor der Grenze zu Argentinien holpert das etwas altersschwache Gefährt so massiv, dass der Fahrer sich doch bequemt mal kurz zu schauen worin die Ursache liegt. Dumm gelaufen, der Reifen ist platt. Um die 3 Km zur Grenze noch zu schaffen, wird kurzerhand ein Lastenausgleich im Wagen durchgeführt. Und zwar „Methode chilenoise“. Dazu nehme man möglichst viel Fahrgastbiomasse und verteile sie einseitig auf der linken Seite. Derart in Schieflage sind die letzten Meter zur Grenze kein Problem. Doch was dann? Der Fahrer versucht mit einem recht kleinen Hebel die Schrauben zu lösen, doch selbst ich mit meiner technischen Unbegabtheit sehe, dass das nicht wirklich zum Erfolg führen wird. Auch der Versuch mit einem größeren Hebel mit dem gesamten Busfahrergewicht drauf scheitert. Der nette chilenische Gesprächspartner aus dem Bus weiß Rat. Ich höre die Begriffe „alemanes“ und „tecnicos“ und sehe 40 Augenpaare auf mich gerichtet. Ähm, gottseidank kenne ich schon die spanischen Begriffe für „Lehrer“ und „Wirtschaft“. Mir ist so gar nicht nach schwarzen Mechanikerhänden und die Abwehr funktioniert tatsächlich. Das Reifenproblem wird vertagt und wir besteigen einfach den nächsten Bus, in dem noch Plätze frei sind. Man hilft sich hier gegenseitig. Rio Turbio zu finden ist dann nicht weiter schwer, denn der „junge“ Mann mit dem Alabasterkörper von vorgestern sitzt immer noch exakt an derselben Stelle. Gut, dass ich mir den Stopp dort gemerkt habe. Auch unser Wagen schräg gegenüber steht noch und es kann nahtlos weitergehen auf unserer Reise nach El Calafate. Etwa 250 Km patagonische Steppe, heute mit vereinzeltem Gebirgspanorama liegen vor uns und nur etwa 60 davon sind schotterig, also höchst luxuriös und so kommen wir schon früh an, nicht ohne bei der nächsten externen Autopanne zu helfen – Sprit alle. So ists recht – Probleme einfach an andere deligieren! Wie hieß der BWLer-Begriff dafür nochmal? Richtig: outsourcing. Man lasse die Probleme anderen.

Unseren Nachmittag verbringen wir entspannt in der Innenstadt von El Calafate, die doch sehr touristisch ist und an die Schweiz erinnert. Man kann Schokolade kaufen, Ausflüge buchen und Kaffee trinken. Hatte ich schon erwähnt, dass man Schokolade kaufen kann? Warum um Gottes Willen ist hier alles voller Schokolade-Verkaufsläden??!! Wir nutzen das Angebot, essen Schoki und trinken Kaffee, betrachten dabei den schlumpfblauen See vor der Bergkulisse und genießen das, was uns das Leben an Schönheiten präsentiert. Und als Sahnehäubchen gibts noch nen Vollmond zur Nacht dazu...

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