Viel nichts und ein bißchen

So sieht es also westlich von Iugazu aus. Heute mit Sicht, denn die Sonne strahlt prächtig vom Himmel, lediglich in den Hügeln halten sich einzelne Nebelfelder und Wolken, die jedoch im Laufe des Vormittags verschwinden. Und das hätte jetzt auch die Wettervorhersage der Tagesschau sein können, oder? 700 Kilometer liegen vor uns, aber auf der Hälfte der Strecke gibts noch einen Stopp in San Ignazio an einer der zahlreichen Jesuitenmissionen hier im Dreiländereck. Anfang des 17. Jahrhunderts erbauten die Jesuiten im Norden Argentiniens sowie in Brasilien und Paraguay Missionen auf, in denen sie die Indianer zu erziehen gedachten. Hauptsächlich zur richtigen Religion, jedoch auch in der Lebensweise der Europäer, wobei sie aber die Eigenheiten der Kultur der Indianer tolerierten. Diese Erziehungsstationen waren aber nicht nur zum Nachteil der Indianer, sondern auch zu deren Schutz vor den spanischen und portugiesischen Kolonialisten gedacht, denn dadurch, dass sie nicht mehr als „Wilde“ im Busch lebten, sondern in einer spanischen Stadt/Dorf, konnten die Kolonialisten sie nicht mehr als Untertanen missbrauchen oder sie misshandeln, denn offiziell gehörten sie nun, lebend in einer spanischen Einrichtung zu den Vasallen des Königs in den Kolonien. Nach diesen Missionen heißt der Landstrich hier auch Missiones. Die Ruinen von 20 verschiedene Missionen sind in den drei Ländern zu besichtigen, denn später wurden die Jesuiten der Länder verwiesen, die Einrichtungen an die Staaten übergeben und irgendwann verfielen sie bzw. wurden Anfang des 18ten Jahrhunderts in Kriegen zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien zerstört. Eine Mission bestand aus einer großen Kirche und vielen Barracken als Schlafgelegenheiten.
Vor dieser touristischen Einrichtung wird natürlich auch für das Leib und Wohl der Besuchenden gesorgt, Kinder bieten sich für 2 Pesos an das Auto zu überwachen und da ich aus Kambodscha so meine Erfahrungen habe mit dem Ausschlagen eines solchen Angebots, gehen wir auf das Angebot ein. In Angkor Wat wird einem angeboten, dass jemand für wenig Geld ein Auge auf das Fahrrad wirft. Lehnt man das Angebot ab, so findet man bei Rückkehr das Rad mit platten Reifen wieder. Dann fungiert der missachtete Aufpasser allerdings als Reifenflicker für etwas mehr Moneten. Lieber keine Experimente und die beiden aufpassen lassen.
Auf dem weiteren Weg fahren wir durch das Nichts! Graslandschaft so weit das Auge reicht, wenn überhaupt, dann nur von einsamen Bäumen unterbrochen. Das wars. Aber die Weiden sind voller Rinder und, viel spannender übersäht von Störchen mit ihren dazugehörigen Fröschen, Raubvögeln und Flamingos. Die hatte ich eigentlich immer in Florida oder so lokalisiert, aber anscheinend machen die auch gerade einen Ausflug. Trotz der Ödnis gibt es also wirklich tolle Naturimpressionen, nicht zuletzt auch dadurch, dass gerade weite Flächen der Pampa abgebrannt werden um die alten Gräser preiswert zu beseitigen und für neue Platz zu machen. Mit dem Rauch vor den immensen Schäfchenwolken, der strahlenden Sonne und dem ganzen Getier ergibt das eine eindrucksvolle Stimmung.
Kommentare