Wie wird man ein Auto los?

So ganz wohl war mir ja die ganze Zeit nicht bei dem Gedanken, dass wir das Auto an einem Sonntag abgeben müssen. Aber bisher war ja alles ganz relaxed, so dass ich nicht weiter darüber nachgedacht habe – bis zur heutigen Rückfahrt nach Rio Gallegos. Weite, Wolken, Unendlichkeit, das Übliche, und viel Zeit zum Nachdenken. Die Gedanken schweifen zur Autorückgabe. Besser ne Stunde früher da sein – als Deutscher hat man ja einen Ruf zu verlieren. Und was ist: geschlossen! Hm, Ines, die Hoteleuse war letztens schon so hilfreich und versuchts auch dieses Mal. Die Handynummer der Sachbearbeiterin – besetzt. Ich lerne den spanischen Begriff für Anrufbeantworter (= contestador) und S.... (= mierda). Die Zentrale in Buenos Aires – Vertiefung des bisher gelernten: Anrufbeantworter. Aber in Argentinien kennt man sich, Telefonbuch aufgeschlagen und erst mal die Mutter der säumigen Sachbearbeiterin angerufen – letzte Waffe: Mama, die jedoch auch nicht weiter helfen kann, als die Adresse des Arbeitgebers der Sachbearbeiterin herauszugeben, die Göre ist nicht auffindbar. Ich lerne den Begriff Arbeitgeber (= el patron). Nach und nach versammeln sich sämtliche Angehörigen von Ines im Familienhotel – da füllt sich doch der Begriff endlich mal mit Inhalt. Mit guten Ratschlägen, Richtungsanweisungen für die Fahrt gehts auf den Weg zum patron. Fehlt eigentlich nur noch das Pausenbrot und die Karte, aber dafür gibts ja die freundlichen Argentinier, die am Sonntag vormittag vor der Messe nichts besseres zu tun haben, als verirrten, der Sprache unkundigen Deutschen auf den Weg zu helfen indem sie mit ihrem Privatwagen voraus durch die halbe Stadt gurken. So finden wir denn die Adresse und nachdem wir die Familienverhältnisse von Ines nun bestens kennen, erfahren wir auch so einiges über den Arbeitgeber. Der Schlingel hat sich nämlich schlecht benommen und ist inzwischen geschieden und wohnt getrennt. Ich bilde mir ein, dass ein etwas verbittertes Lächeln auf dem Gesicht der Geschiedenen aufleuchtet. Und in der Hoffnung, er bekäme jetzt Ärger ist fix die neue Adresse zur Hand: genau gegenüber der Autovermietung. Tja, und da es nunmehr halb eins ist – die vereinbarte Zeit – ist das Büro besetzt und der Wagen ruckzuck abgegeben. Nu hab ich mir all die Fluchvokabeln umsonst im Kopf zurecht gelegt. Merke: wer früher kommt hat viel Spaß mit den Argentiniern!

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