Wolfsrudel in Feuerland

Der Welt bestes Hostel gibt es in Ushuaia. Der Blick aus der gemütlichen Küche geht auf die vorgelagerte Bucht am Beaglekanal, man kann die Wetterkapriolen aus der Dusche betrachten, wie der Nebel die Berge und Schiffe umwabert und sich so langsam die Sonne durchsetzt. Zudem: ich habe mir schon immer mal gewünscht morgens in einem original Sarah-Kay-Zimmer aufzuwachen. Tuffige sonnengelbe Gardinchen flattern im Wind, eine putzige Porzellangans bewacht unseren Schlaf, an der Wand hängt ein Bild von Winnie Puh, auf dem Schreibtisch neben dem ornamentverzierten Kinderbettchen trötet ein Engelchen auf einem Kitschbild den Mond an und in einer großen Vase leuchten Kunststoffblumen. Einziger Haken: die Bettwäsche ist leider in himmelblau und nicht in rosa, aber man kann ja nicht alles haben.

Nein, das Hostel ist wirklich klasse, sehr familiär, mit Nachmittagskaffee und -kuchen und super freundlichen Menschen. Auch etwas, wobei man sich in Argentinien immer wiederholt. Geradezu schwierig sich da aufzuraffen und den Nationalpark Feuerland zu besuchen. Doch mit den ermunternden Worten des gestrigen Blogkommentators (oute Dich! – der Lacher hat die anderen Gäste heute morgen aufgeweckt) fühlen wir uns heute schon viel sicherer und wagen uns in die Wildnis Feuerlands. 8 Kilometer wird entlang der Buchten am Beaglekanal gewandert wieder mit abstrusen Wolkenformationen und Nebelfeldern, die vom Wasser aus die schneebedeckten Berge hinaufkriechen. In Kombination mit den die Wolken durchbrechenden Sonnenstrahlen, den verkrüppelten, windschiefen und mit Flechten überwucherten Bäumen ergibt das fast eine Atmosphäre wie in den Wäldern, in denen Catweazle herumwuselte. Unser Wanderthema heute sind wilde und gefährliche Tiere und wir überlegen schon diese dann im Zoo von Santiago zu fotografieren und mit Fotoshop in die Landschaften einzufügen, denn uns will sich einfach keines zeigen. Und prompt steht ein Fuchs im Weg! Und zwar demonstrativ und irgendwie beunruhigend genau in der Mitte. Und der schaut nicht freundlich, obwohl ich von mir nicht behaupten kann, das ich die Mimik eines Fuchses kennen würde. Hats da nicht gerade im Mundwinkel geschäumt? Einbildung. Der ist feiger als wir, ein kleines Stockgeklapper und er ist verschwunden. In der Rückschau wächst der Fuchs in unserer Vorstellung zur Größe eines Wolfes heran – war es nicht eigentlich doch ein Wolf? Eigentlich war es doch ein ganzes Rudel Wölfe, oder nicht? Ja! Wir haben also heute einen Angriff eines Wolfrudels überlebt!

PS: Können Bilder überzeugender das Ende der Welt darstellen?

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