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Es werden Posts vom März, 2008 angezeigt.

Verpennt

Der eigentliche Grund warum ich bis zum Wochenende in Sao Paulo bleiben will ist die Großraumdisse „week“, wo man sieht und gesehen wird. Wo man alle Paulistas sieht und von allen gesehen wird. So zumindest die ganzen Empfehlungen. Also schön gemütlich in den Samstag einbiegen, lesen, Kaffee trinken, bloß nicht zu viel machen, damit ich die gestrigen Eskapaden abschüttel und fit bin für den Abend, der leider auch hier nicht vor 2 Uhr nachts los geht. Tja, und dann passiert es. Ich schlafe ein und werde ganz fit am Sonntag morgen wach! Verpennt.

Die Schönen und die Reichen

Wettertechnisch heute besser versorgt – 28°C Sonne-Wolken-Mix – meine Chance nun den großen Park anzuschauen und ein weiteres vom Mob abgekoppeltes Stadtteil. Naja, hübsch, aber nicht wirklich spektakulär mit drei Museen im Park und allerlei hochgesicherten Kleinvillen. Hier ist man unter sich mit seinen Kameraüberwachungen und Stahlzäunen. Auf der Straße genügend Polizisten mit schusssicherer Weste, was das subjektive Sicherheitsgefühl auf Vordermann bringt. Allerdings sind selbst die Polizisten hier mit Vorsicht zu genießen, da durch und durch korrupt. Die Krönung war im letzten Jahr die Aufdeckung zweier Polizeistationen, die es offiziell gar nicht gab. Dort hat man dann einfach Polizei gespielt und fleißig Gebühren für Ordnungswidrigkeiten bzw. Schmiergelder zur Verhinderung von Strafverfolgung im Verbrechensfall kassiert. ABM auf brasilianisch. Mein eigentliches Ziel heute: der Ort wo die Schönen und die Reichen hingehen – zumindest die einschlägigen. Also vorher im Hotel ruhe...

Armut

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Meine kleine Kamera möchte heute unbedingt mit in die Stadt und nörgelt. Nach Sichtung der Lage in den letzten 48 Stunden erlaube ich ihr schließlich mitzukommen, doch die große bleibt definitiv im Hotel. Damit erhöht sich der Schwierigkeitsgrad um eine Stufe. Heute mal mit einer Wertsache durch die Stadt streifen. Na, ganz so schwierig wirds dann doch nicht, denn ein heftiges Tropengewitter fesselt mich an ein Straßencafe, in dem der nächste Roman an die Reihe kommt. Da ich viel Zeit hier eingeplant habe ist das unproblematisch einen Regen-Lesetag einzulegen. Als es dämmert verspüre ich nicht so große Lust noch weiter umherzuwandern und es wird ein früher Abend im Hotel, wo ein Niederländer Zuflucht vor seiner brasilianischen Schwiegermutter, anscheinend ein echter Teufel, genommen hat. Er lebt seit 10 Jahren in Sao Paulo und berichtet mir ein wenig über das Leben hier. Das, was überall beschrieben wird, ist wohl, auch wenn ich das in den Straßen nicht sehen kann, Tatsache. Abends gib...

Mit Orientierung...

... geht es alles gleich viel besser. Inzwischen habe ich von einem größeren Hotel einen wunderbaren Stadtplan ergattert und komme in dieser Riesenmetropole ganz gut zurecht. Neue Städte zu erkunden macht Spaß, wenn es auch zu Beginn erst einmal etwas frustrierend ist, wenn man so überhaupt nicht weiß wo man sich befindet. Dabei klingelt jedoch beständig die Warnung im Kopf, dass man möglichst nicht offen im Stadtplan blättern soll, damit man nicht als ortsfremd geortet wird. Gar nicht so einfach. In meinem Rucksack – nestel ich also herum und lerne immer wieder die nächste Teilstrecke auswendig. Im Grunde ist das immer wie ein Puzzlespiel. Was soll man zu Sao Paulo so sagen? Ich kann mich nur wiederholen: eine riesige Betonwüste, etwa 40 x 80 Kilometer in den Ausmaßen und entsprechend verpestet. Direkt über einem sieht man noch blauen Himmel, der am Horizont in ein Gelb-Oker übergeht. Staus sind normal, der öffentliche Nahverkehr brummt und schafft es dennoch kaum die Massen von A nac...

Sao Paulo, zweiter Teil

Nun versuche ich mal den gestrigen Tag in eine ausführlichere Form zu pressen. Nachdem Achim abgereist war habe ich mich noch ein wenig in Buenos Aires wohlgefühlt. Die Stadt ist wirklich wunderbar und vor allem auch deswegen angenehm, weil die Sucherei und Orientierung dort nicht mehr nötig war. Etwas, was sehr entspannend wirken kann. Insofern war ich dann tatsächlich auch wieder höchst aufgeregt was den „Ausflug“ nach Brasilien betrifft. Der Reiseführer ist da nicht so ergiebig und wenn, dann stehen da doch recht beunruhigende Dinge drin. Im Internet – nicht besser: viele schlimme Berichte über die Kriminalität in Sao Paulo. Aus der Ferne wirkt das dann quasi allgegenwärtig und innerlich bin ich auf meinem Weg zum Flughafen in Buenos Aires schon auf ein Bürgerkriegsgebiet eingestellt und eigentlich nur noch die Frage offen bleibt ob ich schon auf dem Weg vom Flughafen im Taxi oder erst im Hotel ausgeraubt werde. Nichts dergleichen geschieht. Sicher, ich werde ausgeraubt in der Tax...

Sao Paulo

Das war jetzt ein aufregender Tag, der frueh beginnt und immer noch nicht zuende ist. Also zunaechst einmal: mir geht es gut, wenn ich auch ein wenig muede bin. Der Flug war kein Problem und die Stadt ist schon ueberwaeltigend. Mehr hinsichtlich der Groesse und der vielen neuen Eindruecke als hinsichtlich der Schoenheit. Aber ich habe auch noch nicht so viel gesehen. Im Moment bin ich bei meinem ersten Schnupperausflug ins Zentrum. Dummerweise habe ich mich bei der Wahl des Hotels schwer vertan. Ich dachte es sei im Zentrum, aber falsch gedacht. Auswaerts, was das Problem mit sich bringt sich irgendwie durchzufragen. Vieles aus dem Spanischen ist da sehr hilfreich, doch sind meine Faehigkeiten die Antworten zu verstehen sehr beschraenkt, da ich wirklich so gut wie gar kein Portugiesisch verstehe. Aber alle Weg fuehren ins Zentrum und so hocke ich hier in der Fussgaengerzone, was gottseidank eine weltweit genutzte Erfindung ist, und schau mal was ich von hier aus so an Informationen bek...

Osterrummel

Fühlte ich mich nicht schon zuhause in Berlin – Buenos Aires wäre die Alternative. Eine Stadt, in der es leicht ist sich wohl zu fühlen. Mit einem schönen Zentrum, mediterranen Temperaturen und San Telmo, dem Kreuzberg dieser Stadt, worüber mein Ghostwriter der letzten Tage schrieb, dass die Portenos dieses Viertel meiden würden, was jedoch beim Blick auf die Straße am Ostersonntag überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Die Straßen sind gepackt voll von Osterspaziergängern, die das große Angebot des riesengroßen Kunstmarkts bestaunen oder einfach nur in den zahlreichen Straßencafes Platz nehmen. Ach hätte ich doch mehr Platz in meinem Rucksack – ich würde den ganzen Tag kaufen. So springt nur eine Kette raus. Ich verbringe den ganzen Tag draußen – die Temperaturen sind wieder in einem angenehmen Bereich – beobachte die Straßentänzer, die Künstler, die Marktstände und die Menschen und merke gar nicht wie der Tag vergeht. Ein Ostertag im Herbst.

Abschied...

...feiert man am besten indem man chic Essen geht. Gesagt, getan. Und es wird wirklich chic. Leckere Gerichte, die für BA-Verhältnisse massiv teuer sind, doch mit dem ultrastarken Euro derzeit gar kein Problem, aus meiner Sicht ist der Verfall des Dollars natürlich genial und könnte noch ne Idee weiter gehen. Peinlich sind nur diese deutschen Touristen, die eine 300 Peso Rechnung mit der Kreditkarte bezahlen und dann kein Wechselgeld für das Trinkgeld parat haben. Also legen wir den letzten 2-Pesoschein hin und stehlen und davon. Was die Bedienung animiert hinterhergerannt zu kommen und nochmals darauf hinzuweisen, dass das Trinkgeld in der Rechnung nicht enthalten ist, mir den Geldschein zurückzugeben und ansonsten noch einen schönen Abend zu wünschen. Das argentinische Temperament ist sehr fordernd. OBERPEINLICH! Achim hat sich schon mal um die Ecke verzogen und ich mit meinen Basalkenntnissen der Sprache darf das ausbaden. Anschließend laufen zwei Rotlichtköpfe durch die Straße un...

Futbol, son locos los Argentinos

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Zum Abschluss meiner Reise darf ich noch einmal ueber ein Thema schreiben, bei dem Juergen wahrscheinlich sowieso nicht auf die Idee kommen wuerde, sich gross drueber auszulassen, wo eine ganze Nation zur Hysterie neigt. Ueber nichts kann man einfacher ins Gespraech kommen in Suedamerika als ueber Fussball. Waehrend wir in Chile auf dem zentralen Fischmarkt noch mit ollen Kamellen wie Beckenbauer und Rummenigge angequatscht wurden, liegt den Argentiniern dann doch noch der eher die naehere Vergangenheit im Magen, naemlich der 30.6.2006, Berliner Olympiastadion Elfmeterschiessen und der ominoese Zettel von Lehmann. Gestern musste Juergen das Fussballspiel der suedamerikanischen Championsleague (Copa de las Libertadores) zwischen Colo Colo (Santiago de Chile, Platz 13 der Clubweltrangliste) und Boca Juniors (Buenos Aires, Platz 5 der Weltclubrangliste) ertragen, zum Glueck nur im Fernsehen. Welch ein Drama, Boca hat 0:2 verloren, der Starspieler Riquelme musste verletzt ausgewechselt...

San Telmo (contribución número dos del huésped Achim)

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Heute treffen sich die Deutschen im Stadtteil, von dem mein TimeOut-Fuehrer sagt: „Tourists love San Telmo; porteños, as a rule, do not.“ Wir haben uns mit Markitos (urspruenglich mal Berlin, aber inzwischen eher in Lateinamerika anzutreffen) verabredet, der hier in Buenos Aires in einem Kooperationsprojekt bei einem freien Radio arbeitet. Das Viertel liegt zwischen dem alten Hafen, La Boca, und dem Stadtkern und ist von alten Handelshaeusern aus dem 19 Jahrhundert gepraegt, die groeßtenteils unter Denkmalschutz stehen. Es war ueber die Jahre ziemlich runtergekommen (deshalb auch der schlechte Ruf bei den Einheimischen), von hier waren unter anderem die Leute bei den Epidemien nach Recoleta gefluechtet. Inzwischen lebt es wieder auf, so haben sich offensichtlich alle Antiquitaetenhaendler Argentiniens auf einer Straße angesiedelt, in der Calle Defensa. Daneben gibt es noch einige Klamottengeschaefte, Cafés und Straßenhaendler fuer Schmuck und schon stroemen die Touristen. Am Pl...

EVITA: No llores por mí, Argentina!

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Also, Juergen hat keine Lust: Buenos Aires und seine Portenos verschlagen ihm den Atem und der literarische Esprit ist wie weggeblasen, da muss Achim einspringen. Obwohl, den Vorschlag fuer die heutige Tagesgestaltung hatte „El jefe de este blog“ ja noch, naemlich Evita, die Ikone Argentiniens, genauer gesagt María Eva Duarte de Perón. Sie liegt auf dem Friedhof in Recoleta, das ist der Stadtteil, wo wir untergekommen sind. Das Grab ist leicht zu finden, denn alle Touristen pilgern zu ihrem Grab, man folgt einfach dem Strom. Auf dem Friedhof liegen auch noch viele andere argentinische Beruehmtheiten, aber mit den Namen auf dem Plan koennen wir nicht viel anfangen, das Kapitel Geschichte im Reisefuehrer haben wir wohl nicht so ganz so intensiv gelesen. Die Franziskaner (Convento de los Padres Recoletos) haben den Friedhof und die dazugehoerige Kirche gegruendet und auch dem ganzen Stadtteil seinen Namen gegeben. Ich weiss aber auch nicht genau, ob dass nun die zurueckgezogenen Pa...

Chile

Ist landschaftlich ein unglaublich vielfältiges Land. Die Gletscher- und Berglandschaften im Süden, die Hochebenen, die Vulkane, die Wüsten, die Strände. Alles wunderschön und absolut lohnenswert. 3 Wochen reichen bei weitem nicht. Die Menschen sind sehr sehr nett und im Gegensatz zu Argentinien versteht man sie wenigstens, denn es wird nicht genuschelt. Was die Sicherheit betrifft haben wir keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht. Allerdings schwebt so ein gewisses Gefühl einer potentiellen Bedrohung immer mit, bedingt durch die ständigen Warnungen der Chilenen man solle sich doch sehr vorsehen. Auch die Geschichte eines Mitreisenden, der am ersten Tag in Santiago ausgeraubt wurde beruhigt nicht gerade. Naja, wie gesagt, uns ist es gut ergangen. Selbst meine Sonnenbrille, gestern im Taxi verloren, wurde mir nach einem Telefonat wieder übergeben. (Mein erstes Telefonat!) Heute geht es wieder nach Buenos Aires zurück und ich freue mich schon sehr – ist doch Buenos Aires so etwas wie m...

Erkenntnisse

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Nr. 1: Achims Führungsqualitäten lassen doch arg nach. Das wäre an den meisten Orten dieser Welt weiter kein Problem, aber hier in der Wüste? Ein unabhängiger Ausflug per Fahrrad zu einem prähistorischen Dorf etwa 7 Km von San Pedro entfernt ist der Plan, doch er endet im Nirvana im Nichts. Der Versuch die verpasste Abzweigung durch die Wueste abzukuerzen entpuppt sich als schlechte Idee. Erkenntnis Nr. 2: Sand ist nicht gleich Sand und Erkenntnis Nr. 3: Fast jeder Sand ist nichts zum Fahrrad fahren. Welch eine Qual sich durch die Dünen zu schleppen, was ja schon ohne Fahrrad anstrengend ist. In Gedanken rationiere ich schon meinen Liter Wasser für die nächsten 5 Tage. Und zu guter Letzt Erkenntnis Nr. 4: der hin und wieder auftauchende Wunsch eventuell mal eine längere Reise nur mit dem Fahrrad zu unternehmen ist gestorben.

Heiss und Kalt

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Zuerst eine wunderbare Nachricht: der Kreditkartenbetrug vom Februar ist zu meinen Gunsten ausgegangen, zumindest sind die Beträge alle wieder gutgeschrieben worden nachdem die polizeiliche Anzeige beim Kreditkartenunternehmen eingegangen ist. Ich muss meine Reise also nicht vorzeitig abbrechen. Sehr beruhigend, aber was macht man eigentlich ohne Onlinebanking? Die schlechte Nachricht : ich friere und bin müde! Was macht man im Urlaub? Man steht um 4 Uhr auf, fährt 2,5 Stunden der Welt schlechteste Schotterpiste, steht auf 4200 Metern Höhe bei Minus 5°C röchelnd und zitternd (sinnvollerweise habe ich alle warmen Klamotte n vor drei Wochen auf die Heimreise geschickt, aber wer denkt bei Wüste schon an Handschuhe und Angoraschlüpper?!?) in der Dunkelheit, nur um stinkendes, kochendes Wasser zu betrachten. Tröstlich allein: wir sind nicht die einzigen Bekloppten – die halbe Besatzung der gestrigen Tour ist dabei – Amtssprache deutsch. Mit der Dämmerung jedoch wird es wieder ein toll...

Eitelkeiten

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Flamingos sind eitel. Geahnt hab ichs ja schon länger, doch nun ist es Gewissheit. Um ihre angeberische rosa Farbe zu erhalten suchen sie sich den lieben langen Tag kleine rosa Garnelen und zwi schendrin betrachten sie ihr Konterfei im spiegelnden Wasser. Da diese Garnelen so klein und nicht gerade effektiv sind kommen da locker 14 Stunden gründelnd in einem Salzsee zusammen. Fast die gesamte Zeit steckt da der Kopf unter Wasser. Kein Wunder, dass diese Vögel sich da ein ganzes Leben treu bleiben – es bleibt ja keine Zeit mehr für die Partnersuche (gibt es eine Analogie zu den Menschen? - ich sollte mir die Haare rosa färben!) Der gemeine Reisende befriedigt seine Eitelkeit da eher mit einer überdimensionierten Kamera, für den BMW mit einem 5-Meter-Auspuff und das Avon-Köfferchen ist ja kein Platz im Rucksack. Und, siehe da, heute bin ich auf der Tour (50% Landsleute) Gruppensieger geworden. Alle bewundern diese tolle Kamera mit diesem mächtigen Objektiv und meine Brust schwillt eb...

Atlantine

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Gestern im Blog habe ich mich ja vertan – wir sind nicht auf dem Mars oder der Venus oder so gelandet – es ist der Mond. Jedenfalls sind wir heute auf Sonnenuntergangstour ins Mondtal und dem Tal des Todes aufgebrochen. Das Tal des Todes ist heiß, sandig und spannend im Hinblick auf die vielen bunten Felsformationen, durch die wir wandern, nachdem wir eine Monsterdüne herabgestiegen sind. Nach einer Stunde wird der Wunsch nach Wasser übergroß. Die Tourveranstalter rücken das versprochene Wasser nicht heraus – das soll die Tour wohl authentischer machen. Na toll. Das Mondtal heißt so, weil die Landschaft dort der des Mondes sehr nahe kommt und man den eigentlichen Mond dort wunderbar über der zerkraterten Landschaft aufgehen sehen kann. Die Felsen und der Grund bestehen aus Lehm und Salz, was im Fall von Regen – der letzte größere war im Jahr 2000 für 4 Stunden – zu Auswaschungen führt und teilweise neue kleine Schluchten entstehen lässt. Dort begegne ich Atlantine – der kleinen Schwes...

Wüste

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Man hätte ja meinen können diese Überschrift wäre für die vorherigen Einträge schon angemessen gewesen, aber nein, es geht noch wüstiger. Auf dem Weg von Iquique gehts k omplett durch verdörrtes Gebie t zunächst nach Calama, die den Titel „trockenste Stadt der Welt“ trägt. Ein Superlativ, den die Chinesen sicher gerne auch hätten, wo die doch immer alle Superlative für sich beanspruchen. Entsprechend ist nichts als hässliche platte verbrannt e Erde zu sehen, denn die Niederschlagsmenge beträgt hier im Jahr: NULL. Das macht die Wettervorhersage hier so praktisch und gleichzeitig überflüssig. Man sendet einen Beitrag in Dauerschleife. Faszinierend wirds erst wieder als wir von dort – leider mit 2 Stunden Verspätung (siehe Bild) - weiter nach San Pedro de Atacama fahren. Und so eine Verzögerung hat seine Vorteile. Wir fahren mitten im Sonnenuntergang in einem Doppeldeckerbus ganz vorne oben in das Mondtal ds Todes. Im Hintergrund andine Gipfel, schneebedeckt leicht vom Staub der Wüst...

Iquique

heißt wörtlich auf Aymara „Ort der Ruhe und Erholung“ und die Indianer, Namensgeber, haben durchaus recht mit dieser Bezeichung. Man spaziert durch eine wunderschöne Stadt mit kolonialer Architektur, fast alles in strahlendem weiß und genießt darüber hinaus die Riesenwellen des Pazifiks. Teilweise gibt es ganze Häuserzeilen im Scarlett O’Hara Stil. Auf der entgegengesetzten Seite des Ozeans wird die Stadt von einer Bergkette begrenzt, zu deren Füßen eine gewaltige Sanddüne liegt, an deren Fuß tatsächlich noch gebaut wird. Die Chilenen sind nett wie immer – ein Kellner erzählt mir ganz aufgeregt, dass er in Bottrop bis zu seinem 3. Lebensjahr aufgewachsen ist und fragt mich ob ich Benjamin Blümchen auch so toll finden würde. Tja, die Erinnerungen an Deutschland variieren eben, meine verblassen so langsam und werden nur von der Tagesschau aufrecht erhalten. Ansonsten laufen in der gesamten Stadt junge Menschen mit Mülltüten als Lendenschurz und mit Schlamm eingeschmiert herum. Auf Nach...

Atemlos

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Unsere kleine Reisegemeinschaft erinnert zwischendurch an ein schlecht belüftetes Aquarium. Die Höhe macht allen arg zu schaffen. Auf 4000 Metern wird im drei zu eins Takt geatmet: 3 kurz, ein lang. Am höchsten Punkt unserer Tour reduziert sich der Takt dann auf zwei kurz und ein lang. Ein wenig kommt man sich vor wie auf einem Rentnerausflug und bekommt eine Idee vom eigenen Alter. Außer dem Dauerkopfschmerz, vereinzeltes Erbrechen, Appetitlosigkeit, Flatulenzen und allgemeiner Schlaflosigkeit passiert aber nichts wirklich schlimmes, die üblichen Höhenkrankheitssymptome eben. Zum Abendessen erscheint jeden Tag einer weniger und ich erwarte fast heute alleine zu Abend zu essen, aber erstaunlicherweise quälen sich dann alle doch zu Tisch. Am Sonntag befinden wir uns durchgängig auf 4000 Metern bis zum höchsten Punkt mit 4850 Metern. Da spricht dann auch niemand mehr, weil alle doch sehr damit beschäftigt sind nach Luft zu japsen. Wir fahren den gesamten Tag durch mehrere Täler auf e...

Alpakas können sich nicht benehmen

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Die Viecher spucken und sie glotzen noch dämlicher als ein Lama! Rotzlümmel erhält da doch gleich eine viel intensivere Bedeutung. Gut, kann ihn verstehen, dass er/sie (?) beleidigt ist, weil ich heute einen Pullover aus seiner Wolle gekauft habe und gestern an der Verspeisung seines kleinen Bruders beteiligt war, aber muss man da gleich ausfallend werden und mir ins Gesicht spucken?! Nun gut, das restliche Getier ist auch nicht angenehmer, das Lama steigt auf Kekssuche gleich mit ins Auto, die blöden Flamingos – schon wieder! - fliegen zu früh weg, noch bevor ich sie im Kasten habe, so dass ich im Schlamm hinterher robben muss, was auf 4500 Metern Höhe alles andere als ein Vergnügen ist. Die Pu mas haben sich versteckt, lediglich die Kanickel verhalten sich vollständig ungewöhnlich und lassen sich fast anfassen. So verbringen wir heute zu viert den Tag: auf der Jagd nach Fotomotiven, von denen hier jede Menge existieren. Das eben waren nur die Tiere, die Landschaft ist nicht minder f...

Auf den Spuren der Inkas

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Ich laufe erneut Gefahr mich permanent zu wiederholen und wieder einmal fehlen mir genügend Superlative all das angemessen wiederzugeben was der heutige Tag an Eindrücken gebracht hat. E s muss die Höhenluft sein wie schon in Tibet und Nepal. Von vorne: Wir verlassen Arica mit unserer gebuchten Tour zu zweit plus Reiseführer, der uns zunächst einen Einheimischenmarkt zeigt und dort mit uns Früchte einkauft. Danach, drei Straßen weiter, befinden wir uns in einer Oase, wo ebendiese Früchte teilweise auch angebaut werden. Der größere Teil der Oase ist jedoch mit teils jahrhunderte alten Olivenbäumen bewachsen. Ein kleiner Fluss plätschert durch ein Tag mit kahlen, wüsten Bergen. Und dort dann das erste absurde Erlebnis. Mittelgroße Figuren schmücken die Hänge. Sie sind entweder aus Steinen zu Bildern von Tieren (Lamas) oder anderen Figuren gelegt oder durch Einkerbungen entstanden. Um die Originale von vor 1000 Jahren handelt es sich nicht mehr, sondern man renoviert alle ein bis zwei ...

Urlaub

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Sommer, Sonne, Strand und Meer, dazu einen – zugegeben langweiligen - Roman. Das mag jetzt zynisch klingen, aber ich habe heute das Gefühl ich verbringe meinen Sommerurlaub am Mittelmeer oder Atlantik. Urlaub auf Reisen sozusagen, an der Adria mit Lasagne und zum Abschied „Ciao“. Kein neues Gebäude, keine neue Naturschönheit, kein Fotoapparat, kein Ausflug. Auch schön. Die Idee nochmal einen Ausflug nach Peru einzuschieben verwerfen wir am Morgen recht schnell, denn das hat hier einen ähnlichen Charakter wie in anderen Grenzregionen auch: man fährt zum billigen Shoppen ins Nachbarland – einmal nach Slubice und mit fünf Stangen Zigaretten zurück. Und um Peru kennenzulernen reicht ein Tag ganz sicher nicht. Außerdem will ich ja noch weitere Fotos machen und mir die Kamera nicht jetzt schon stehlen lassen. Dazu müsste man aber wahrscheinlich gar nicht mal so weit fahren. Gestern Abend hatte ich das erste Mal ein ungutes Gefühl auf dem Nachhauseweg. Die Straße war voller windiger Gestalten...

In der Wüste

Ich habs gewusst! Irgendwann passiert es, dass ich in den falschen Flieger steige. Das zumindest ist mein erster Verdacht beim Landeanflug auf Arica im Norden Chiles. Wüste pur, so dass man sich im Anflug auf Kairo wähnt. Wo ist der Urwald? Nein nein, das ist schon alles so geplant, aber ganz so wüst habe ich es hier nicht erwartet. Wie soll man auch noch hinterherkommen, wenn alle paar Tage die Klimazone gewechselt wird. Achim landet 10 Minuten nach mir mit der Skyairlines, während ich mit der LAN geflogen bin. Merkwürdig getrennt zu fliegen und dennoch gemeinsam am Gepäckband zu stehen. Christian haben wir in Santiago gelassen, der sich nun auf seinen Rückflug morgen vorbereitet. Komm gut zurück! Arica ist trotz umgebender Ödnis ein ganz schmucker Ort am Pazifik, umgeben von kahlen Hügeln, mit ausgebauter Fußgängerzone – die wohl überall auf der Welt identisch sind, selbst in der Wüste. Jedoch hier mit dem Unterschied, dass ein Supermarkt keine Werbeplakate mit den Sonderangeboten au...

Valparaiso

ist so wie es klingt. Eine wunderbare Küstenstadt, ca. 120 Kilometer westlich von Santiago, in die uns heute ein Tagesausflug mit dem Bus geführt hat. Früher war es der Ort, an der Westküste, wo man erstmals nach Umrundung von Kap Hoorn einen Hafen anlaufen konnte, d.h. bevor der Panama Kanal gebaut wurde und alle unten herum fahren mussten. Entsprechend reich war diese Stadt und hat so Massen von Menschen angezogen. Tatsächlich handelte es sich lediglich um einen kleinen Küstenort, umrundet von Bergen, der sich schließlich mangels Platz recht schnell ausgebreitet hat in die umliegenden Hügel. Es ist so anders, so viel schöner als in Santiago. Man hat den Eindruck: ja, so in etwas stellt man sich Südamerika vor. Etwas schmuddelig, aber voller Charme und Farbe. Teilweise sehr heruntergekommen, als befände man sich in einer Favela, dann aber erstrahlen die Häuser auch wieder in allen möglichen Farben, Wellblechhäuser in rot, blau, grün usw. Nicht umsonst sind vor ein paar Jahren einige H...

Margot immer noch im Dienst

Läuft man hier so durch die Stadt trifft man nicht nur, wie überall reisende Landsleute, sondern jede Menge Chilenen mit zumindest Basiskenntnissen der deutschen Sprache. Ich hege ja den Verdacht, dass die gute Margot ihren Beruf nicht einfach ablegen konnte und einfach nahtlos weiter als Bildungsministerin fungiert und nun alle in diesem Land deutsch lernen müssen. Zum Spanischlernen höchst unpraktisch. Überhaupt gibt es sehr viele Chilenen, die Fremdsprachen sprechen. Ein kleiner Fehler in der Grammatik und schon wird ins englische gewechselt. In anderen Ländern hätte ich mir das ja gewünscht, aber hier fördert es lediglich meine Faulheit. Drückt sich auch im heutigen Eintrag aus. Den ganzen Tag im Café sitzen – was soll man da schreiben? Faule Grüße!

Die spinnen die Chilenen

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Ist ja ganz schön hier in Santiago und überhaupt in Chile, aber ne kleine Schacke ham die hier schon. Anders als in Spanien werden hier keine Stierkämpfe mit irgendwelchen Degen, Messern oder übergroßen Käse-Happen-Spießen abgehalten, nein, man spielt hier das Spiel: Kuh-an-die-Wand. Dazu nehme man zwei Gauchos auf Pferden und eine Kuh sowie eine Arena, deren untere Begrenzung mit einer überdicken Turnmatte ausgestattet ist. Und nun müssen beide Gauchos mit ihren Gäulen die Kuh so an die Wand reiten, dass die Kuh seitlich auf diese Turnmatte fällt. Lustige Kuh-Turnübungen. Dabei gibts dann noch die Feinheit, ob die Kuh gleichzeitig mit allen vier Hufen seitlich in der Luft schwebt oder nur seitlich anditscht, so wie ein Auto, das zu schnell durch eine Kurve fährt. Vier Hufe gibt mehr Punkte. Es stellt sich die Frage wie man auf solch eine dämliche Idee kommt. Ist es die Hitze? Der Staub? Oder einfach nur diese unendliche Einsamkeit auf dem platten Land. Jedenfalls wollte ich hier keine...

Bellavista con Joaquin

Ganz unerwartet werden wir in Santiago nach unserem leicht verspäteten und schaukeligen Flug von Achim am Flughafen abgeholt. Wie praktisch – kein Reiseführer blättern, kein Verkehrsmittelsuchen. Urlaub von Anfang an, denn Achim enttaeuscht mal wieder nicht was das Wissen ueber die Nahverkehrsanbindungen betrifft. Der erste Eindruck von Santiago: es ist staubtrocken, endlich wieder warm und es ist bunt! Zumindest in dem Stadtviertel, in dem wir wohnen. Bellavista – ein quirliger, bunter Ausgehbezirk, der am frühen Abend fast ausgestorben, bei Einbruch der Nacht jedoch vor Leben zu bersten scheint. Alles was zwei Beine hat befindet sich auf der Suche nach Party und Tanz. Die Bürgersteige sind fast komplett zum Außenlokal umfunktioniert und in den vielen alten eingeschossigen, bunt angemalten Kolonialhäusern warten schon Türsteher der vielen Clubs und Discos auf das Publikum, das jedoch erst irgendwann weit nach Mitternacht – wie hier ueblich die Laeden bevoelkern wird. Unser Abend begin...

Don't cry for me Argentina...

... ick komm ja nochma zurück. Mein Gesang wird nicht erhört. Die halbe Busfahrt nach Punta Arenas in Chile schüttet es wie aus Eimern. Teils mit fiesen Hagelattacken vermischt. Auch hübsch so emotional verabschiedet zu werden. Da kommt einem ja selbst fast das Heulen auf der 12 Stunden Tour. Punta Arenas liegt Luftlinie fast neben Ushuaia, aber mangels Straßen wirds eine Mördertour einmal komplett wieder in den Norden Feuerlands, Grenze 1, Grenze 2, Fähre und dann dasselbe, allerdings mit ohne Grenzen, auf der östlichen Seite der Magellanstraße wieder Richtung Süden. Dem Herrn sei es getrommelt und gepfiffen, dass wir wenigstens jeweils zwei Sitze im Bus haben, denn dieses Fahrzeug stammt garantiert aus chinesischen Altbeständen mit geschätzten fünfeinhalb Zentimetern Sitzabstand. Chile wirkt immer wie der reichere Bruder Argentiniens. Alles ist besser erhalten und eine Idee sauberer. So ist Punta Arenas eine kleine hübsche Stadt mit vielen sehr gut erhaltenen Kolonialbauten, von d...